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Weil doch das zweite Mal ansteht: Ein Rückblick auf ihr Wien-Debut...

Im Herbst 1995 veröffentlichten die SP mit ihrer dritten LP eines der besten Alben der Neunziger. "Mellon Collie And The Infinite Sadness" gilt als Meisterwerk. Und das vollkommen zurecht. Eine geniale Mixtur aus schwermütigen Balladen und brachialen Gitarrenausbrüchen, gekonnt mit Keyboardteppichen und Streichereinsätzen bereichert. Komplexes Songmaterial, das erst mal gebührend auf die Bühne gebracht werden musste. Kein leichtes Unterfangen, mit dem sich die SP hier konfrontiert sahen. Für die Fangemeinde umso interessanter. Und so strömte man in Scharen zum allerersten Wien-Auftritt von Billy Corgan, Jimmy Chamberlin, James Iha und D'arcy Wretzky. Ein bis auf den letzten Platz (und mehr) gefülltes Museumsquartier. Nichts stand nach endlosen Monaten der Kälte und dem Aufkommen wärmerer Tage der ersten Konzert-Hitzeschlacht des Jahres mehr im Wege.

Billy CorganNachdem Filter in der Rolle des Support-Acts eine wilde Industrial-Rock-Show ablieferten, die mit Fortdauer der 45 Minuten allerdings immer mehr zur einfältigen und nervtötenden Krachorgie verkam, präsentierten sich die vier Kürbisköpfe in einem ganz anderen Licht. Keine nichtssagende Monotonie. Stattdessen eine vielschichtige und abwechslungsreiche Live-Show, wobei es sowohl wilde und laute als auch verträumte und melancholische Klänge zu hören gab. Ein bemerkenswertes Auf und Ab zwischen Noiz-Orgien und ruhigen Breaks, in deren Mittelpunkt Ober-Pumpkin Billy Corgan mit frisch rasierter Glatze und im gewohnten Outfit - silberne Hose und schwarzes Longsleeve mit Zero-Aufdruck - eine Mischung aus wahnsinnigem Irren und verträumtem Romantiker zum Besten gab. Blieb er während des einen Songs noch wie angewurzelt am Fleck stehen, so wütete er beim nächsten Stück schon wieder wie verrückt durch die Gegend. Dazwischen fand er immer wieder Zeit für so manch mehr oder minder gelungenen Scherz. Wobei weder die Kelly Family-Persiflage noch das Veralbern von "We Are The World" der bombastischen Stimmung in der Halle etwas anhaben konnten. Wohin man auch schaute, überall ausgelassen mitsingende und herumhüpfende Menschen.

Die Setlist des Abends bestand zum größten Teil aus Stücken des aktuellen Albums. Eingestreute Ausnahmen: Die Klassiker von "Siamese Dream". Egal ob alt oder neu, die unglaublich präzise Spielweise, der satte, dabei aber stets klare Sound und die ungemeine Tiefe und Wärme, die dabei von der Bühne ausging, war schon beeindruckend. Und so spielten, spielten und spielten sie, ließen sich nach den 70 Minuten des Hauptteils von der begeisterten Menge noch zu drei Zugabeblöcken hinreißen. Dabei präsentierte der Vierer natürlich auch eine seiner obligatorischen, von krächzenden Feedback-Gitarren gekennzeichneten und scheinbar endlos andauernden Jam-Sessions. Den Abschluss der mehr als zweistündigen Show machte der Song "Farewell And Goodnight", bei welchem - begleitet nur von Akustikgitarre - jedes einzelne Bandmitglied noch mal zum Mikro griff. Unvergessliche Momente, komplettiert durch das passende Bühnenbild: Der Mond, die Sterne. Und alle strahlten sie. Meine Wenigkeit miteingeschlossen.

Smashing Pumpkins / Filter
22.04.1996 - Museumsquartier, Wien.


[Smashing Pumpkins @ Stadthalle, Wien - 31.01.2008]

[Review: Smashing Pumpkins - Zeitgeist]

[smashingpumpkins.com] [myspace.com/smashingpumpkins]