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Der britische Ausnahmeregisseur wagt sich mit "Sunshine" auf Neuland. Sci-Fi der ruhigeren Sorte. Dabei aber nicht minder spektakulär. Der Mann weiß, wie man Genre-Fans glücklich macht.

Cillian Murphy in "Sunshine"

Danny Boyle ist ein Guter seines Faches. Vor allem einer jener Regisseure, die sich nur schwer einem bestimmten Genre zuordnen lassen. Trotzdem aber durchwegs gute Filme abliefern. Bei Boyle waren das bislang sechs an der Zahl. Welche in doch recht unterschiedliche Schubladen zu packen sind. Schwarze Komödie: "Shallow Grave" (1994). Schottischer Drogenfilm: "Trainspotting" (1996). Knallbunte US-Komödie: "A Life Less Ordinary" (1997). Allesamt mit Ewan McGregor in der Hauptrolle. Danach die komplette Gratwanderung. Backpacker-Thriller: "The Beach" (2000). Zombie-Horror: "28 Days Later" (2002). Zuletzt mit "Millions" (2004) sogar eine Art Kinderfilm. Was in Boyles Sammlung noch fehlte: Science Fiction. Am Besten ein aufwendiges Weltraum-Abenteuer. Wie "Alien". Weil aus dem angestrebten fünften Teil - mit dem 50-jährigen Briten im Regiesessel - dann doch nichts wurde. Wobei Boyles Streben nach Großangelegtem etwas verwundert, meinte er vor gar nicht allzu langer Zeit doch noch: "I love big movies, [...] but I'm better at smaller films."

Sein siebenter Langfilm holt nun Verpasstes nach. Mit Hilfe von Drehbuchautor Alex Garland und Produzent Andrew McDonald - dem Dreamteam aus "28 Days Later" - macht sich Boyle also auf das Sci-Fi-Genre zu erobern. Welches so leicht nicht zu erobern ist. Die Ansprüche sind hoch. Die Fehlgriffe allgegenwärtig. Man stelle sich folgendes Zukunftszenario vor: "Die Sonne stirbt und mit ihr die Menschheit. Als letzte Hoffnung wird das Raumschiff Icarus II mit einem internationalen Astronauten-Team auf Mission geschickt, das Erlöschen des Sterns mittels einer stellaren Bombe abzuwenden. Ein erster Rettungsversuch scheiterte bereits und die Icarus I gilt seitdem samt Besatzung als spurlos verschwunden. Dies ist die definitiv letzte Chance der Menschheit zu überleben, und diesmal darf kein Fehler passieren. Doch tief in den Weiten des Alls, abgeschnitten von jedem Kontakt zur Erde, kommt es zu einer unerwarteten Konfrontation..." [fantasyfilmfest.com]

Nun ja, da hat man schon einfallsreichere Inhalte vorgesetzt bekommen. Im Falle von "Sunshine" nicht weiter schlimm, handelt es sich doch um keinen jener Streifen, wo die Geschichte allein den Film ausmacht. Science Fiction eben. Da muss die Umsetzung stimmen. Wobei Meister Boyle ins Spiel kommt. Und seinen Ruf als Garant für Sehenswertes unter Beweis stellt. Denn schon während der ersten Minuten wird einem klar, dass es sich hier um ein visuelles Meisterwerk handelt. Vor allem die atemberaubenden Weltraumbilder - im getrageneren Stil dargestellt - wissen zu beeindrucken. Was nicht heißen soll, dass dem Film das Bedrohliche fehlt. Für die notwendige Paranoia des selbsternannten Sci-Fi-Schockers sorgt schon die klaustrophobische Grundstimmung im Inneren des Raumschiffes. Wodurch das Spannungsniveau hoch gehalten und für Gänsehaut gesorgt wird. Das Positive: All das passiert keinesfalls nur des Schockeffekts wegen. Zumindestens den größten Teils der 108 Minuten nicht. Denn im Finale kehrt dann doch noch ein Hauch von Splatter ein. Wenn man so will, der einzige kleine Makel dieses gelungenen Sci-Fi-Events.

SunshineSunshine
Regie: Danny Boyle.
Mit Cillian Murphy, Chris Evans, Rose Byrne.
20.04.2007


[sunshinedna.com] [imdb.com]