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Vom Freak zum Rockstar. "Brothers Of The Head" erzählt davon. Von zwei Brüdern, die alles - aber auch wirklich alles - miteinander erlebten bzw. erleben mussten. Vorsicht: Mockumentary.

Brothers Of The Head: Harry & Luke Treadaway

Tom und Barry sind Zwillingsbrüder. Siamesische Zwillinge. Was bedeutet, dass es in ihrem ganzen Leben noch keinen Moment gab, den die Beiden nicht miteinander verbrachten. Denn Tom und Barry sind am Bauch miteinander verwachsen. Eine frühzeitige Trennung scheiterte an den begrenzten medizinischen Möglichkeiten in den Siebzigern. Erst recht, wenn man wie die Beiden in ländlicher Provinz - nahe der englischen Ostküste - geboren und aufgewachsen ist. Isoliert von der Umwelt. Wohlbehütet vom Vater. Der dann aber doch nicht widerstehen kann, als er jenes Angebot bekommt, dass das Leben seiner Söhne mit einem Schlag ändern und ihren Traum verwirklichen soll. Und so werden Tom und Barry von geschäftstüchtigen Managern und Musikproduzenten zu Rockstars aufgebaut. The Bang Bang: Der Eine spielt Gitarre, der Andere singt. Talent ist vorhanden. Noch mehr das gewisse Etwas. Zusammengewachsene Punk-Rock-Zwillinge. Sex, Drugs und jede Menge Exzesse inklusive. Eine Szene-Attraktion ist geboren.

Eine abgefahrene Geschichte. Die tatsächlich passiert sein könnte. Ist sie aber nicht. Vielmehr ausgedacht vom britischen Sci-Fi-Autor Brian Aldiss. Was inzwischen auch schon 30 Jahre her ist. Damals erschien nämlich jener von ihm verfasste Roman, der den beiden Filmemachern Keith Fulton und Louis Pepe als Vorlage für "Brothers Of The Head" diente. Der erste Spielfilm des Regisseurteams. Was anfangs verwirren könnte, glaubt man doch mit einem Dokumentarfilm konfrontiert zu werden. Jenes Genre, welches Fulton und Pepe vor wenigen Jahren bekannt machte. Man erinnere sich an "Lost In La Mancha", das Making-Of des unvollendeten Don Quixote-Projekts von Terry Gilliam. Nicht, dass man von Dokumentarfilmern keinen Spielfilm erwarten darf. Der Grund, warum man sich bei "Brothers Of The Head" in einer Doku wähnt, liegt daran, dass dieser Streifen eben genauso rüberkommt. Und zwar mit voller Absicht. Die Bild- und Filmaufnahmen scheinen aus den Siebzigern. Dazu Interviews mit Zeitzeugen von damals. Täuschend echt. Aber eben doch Fake.

"Brothers Of The Head" ist also eine Quasi-Doku. Ein Spielfilm in Dokumentarform. Inzwischen auch gerne als Mockumentary bezeichnet. Nicht nur deshalb geht "Brothers Of The Head" als ausgefallener und unkonventioneller Streifen durch. Da ist einerseits die berührende, wenn auch irgendwie absurde Charakterstudie einer etwas anderen zwischenmenschlichen Beziehung. Wo man natürlich schon gafft, wenn Tom und Barry - eindrucksvoll von Harry und Luke Treadaway dargestellt - diesen Hautfetzen, ihre Behinderung zur Schau stellen. Da ist andererseits aber auch die Hommage an den Punk-Rock der späten Siebziger, "one of music's most controversial movements". Mit eigens für den Film geschriebenen Score von Clive Langer. Wobei alle Songs, die man zu hören bekommt, während der Filmaufnahmen von den Schauspielern selbst gespielt und gesungen wurden. Das Ergebnis klingt roh und energiegeladen. Bemerkenswert gut. "A dark tale of sex, strangeness and rock music." Kultpotential.

Brothers Of The HeadBrothers Of The Head
Regie: Keith Fulton, Louis Pepe.
Mit Harry Treadaway, Luke Treadaway, Sean Harris.
DVD (OF)


[brothersofthehead.com] [imdb.com]