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Bitterböse und anrührend. Abgedreht und scharfsinnig. Einerseits zum Lachen. Andererseits aber auch zum Nachdenken. Ein kleines dänisches Filmwunder, dieses "Adams Äpfel".

Adams Äpfel: Paprika Steen (Sarah) - Nicolas Bro (Gunnar) - Ulrich Thomsen (Adam) - Mads Mikkelsen (Ivan) - Ali Kazim (Khalid)

Die offizielle Erstaufführung von "Adams Äpfel" (Originaltitel: "Adams Æbler") fand am 15. April 2005 statt. Im heimischen Dänemark. Fast eineinhalb Jahr später startete der nichtangenommene Vorschlag für den "Best Foreign Language Film" bei den Oscars 2006 in den deutschen Kinos. Nicht - wie man annehmen könnte - auch in Österreich. Hierzulande musste man auf den längst vorgemerkten Streifen bis Anfang März dieses Jahres warten. Viel sollte nicht fehlen und "Adams Äpfel" wäre in den heimischen Kinos erst zwei Jahre nach Premiere angelaufen. Was uns im europäischen Vergleich - wieder mal - weit nach hinten reiht. Bei den Ländern aus dem hohen Norden nachvollziehbar. Bei Italien, Polen, Frankreich, Niederlande, Belgien und eben Deutschland nicht wirklich. Irgendwie bin ich auch selbst schuld. Hätte ich mir die DVD doch schon vor Monaten in der Videothek meines Vertrauens ausborgen können. Das Problem: Die Originalfassung. Das ständige Untertitelmitlesen ist einfach nicht meins. Unterstützend: Gerne. Ausschließlich: Nein, danke.

Was "Adams Äpfel" so immens interessant für mich machte? Erstens: Regisseur Anders Thomas Jensen, mit dem man spätestens seit "Blinkende Lichter" (2000) und "Dänische Delikatessen" (2003) eine bestimmte Art von Film verbindet. Zweitens: Nämlich jene der tiefschwarzen Komödie, ein erklärtes Lieblingsgenre meinerseits. Drittens: Erst recht, wenn es dabei um einen als gewalttätig bekannten Skinhead (Ulrich Thomsen) geht, der auf Bewährung in die ländliche Provinz geschickt wird, um dort unter der Obhut eines herzensguten, allerdings auch weltfremden Pfarrers (Mads Mikkelsen) ein Resozialisierungsprogramm durchzumachen. Was zweifelhaft erscheint, weil der Gottesdiener seinen Schützlingen - darunter ein zum alkoholabhängigen Triebtäter verkommener Ex-Tennisprofi (Nicolas Bro) und ein schießwütiger, arabischer Tankstellenräuber (Ali Kazim) - doch alle Freiheiten lässt, welche von ihnen in der Regel auch schamlos ausgenützt werden. Die einzige und noch dazu selbst gewählte Aufgabe für den Neuankömmling: Er muss bis zum Ende seines Aufenthaltes einen Apfelkuchen backen. Mehr nicht, wie es scheint.

Nur soviel: Das lange Warten hat sich gelohnt. Der dargebrachte Kampf zwischen Gut und Böse ist schlichtweg brillant. Weil alles andere als herkömmlich. "Adams Äpfel" besticht durch ein makabres Wechselspiel zwischen lustig und traurig. Da sind diese zum Brüllen komischen, weil wunderbar skurrilen Szenen. Da sind aber auch jene tragischen Momente, die zu berühren im Stande sind, aufgrund ihrer optimistischen Grundhaltung allerdings nie wirklich verletztend wirken. Was durchaus verwirren kann. Erwartet man als Zuschauer das Eine, wird man prompt mit dem Anderen konfrontiert. Allein deshalb ist "Adams Äpfel" ein unverschämt böser Film. Aber auch, weil er keinesfalls vor Extremen halt macht und sich ein ums andere Mal als so richtig schön politisch unkorrekt erweist. Natürlich sind sowohl Humor als auch Figuren überzeichnet. Was allerdings nie stört, vielmehr dazugehört. Wobei man schon einen gewissen Hang zu derberem Humor mitbringen sollte, um das erfrischende Anderssein dieses Films nicht als geschmacklos abzutun. Übrigens: Hitler hatte einen Vollbart.

Adams ÄpfelAdams Äpfel
Regie: Anders Thomas Jensen.
Mit Mads Mikkelsen, Ulrich Thomsen, Nicolas Bro.
02.03.2007


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