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E.S.T. @ Konzerthaus. Hin und wieder darf es auch mal Jazz sein. Erst recht, belauscht man dabei jenes schwedische Trio, das sich selbst - abseits der Genre-Norm - als Pop-Band versteht.

Sitzen bei einem Konzert ist etwas Herrliches. Wenn auch im Pop/Rock-Kontext eher verpönt, so lernt man mit fortgeschrittenem Alter durchaus zu schätzen, wenn man sich mal keine drei Stunden lang die Beine in den Bauch stehen muss, sondern gemütlich auf möglichst gepolsterter Sitzunterlage herumlungern und genießen kann. Früher gehörte ich auch zu denen, die immer und überall mitten im Geschehen stehen mussten. Es machte das Erlebnis "Konzertbesuch" erst zu dem, was es sein sollte. Heute ist das anders. Beispiele jüngerer Vergangenheit: Während des letzten London-Ausflugs bei Mark Linkous [>]. Oder jener Fast-Grinderman-Gig im noch zu erwähnenden Prunksaal [>]. Und erst unlängst im RKH mit den Herren Welter, Zamernik und Deisenberger [>]. In naher Zukunft wiederum werde ich mich - zumindestens beim ersten Mal - von Trent Reznor sitzend berocken und von Babyface Justin ebenso bepoppen lassen. Und bei der hochehrwürdigen Frau Amos? Erste Reihe fußfrei. Einen Versuch ist es jedenfalls wert.

Esbjörn Svensson TrioEine hervorragende Möglichkeit, dieser Neigung frönen zu können, sind Jazz-Konzerte. Beispielsweise im Porgy & Bess. Oder im Birdland. Im Glücksfall im Konzerthaus. Ein beeindruckende Veranstaltungshalle, sofern man sich im Vorfeld die richtigen Plätze sichert und diese auch dementsprechend berappen möchte. Nicht, dass es im Falle von E.S.T. von langer Hand geplant gewesen wäre. Im Gegenteil. Die Entscheidung beachtliche 42 Euronen in einen im Vorfeld als ganz besonders gepriesenen Konzertbesuch investieren zu wollen, kam vor etwa einem Monat eher spontan. Der Abwechslung halber. Und weil man von Esbjörn Svensson, Dan Berglund und Magnus Öström nur Gutes zu Ohren bekommen hat. Egal ob nun in Kritiken oder auf Tonträger, die ich dann auch - man will ja vorbereitet sein - alle acht plus Live-Album bis zum Abend ihres Wien-Auftritts durchgeackert habe. Mehr so nebenbei. Aber doch merklich angetan. Weil nicht festgefahren im Genre. Sondern experimentierfreudig. Stichwort: Elektronik, Funk, Drum N Bass. Aber auch Pop und Klassik.

Es sollte nicht ihr erster Auftritt im Konzerthaus gewesen sein, bespielten E.S.T. doch bereits vor zwei Jahren eben diese Location. Damals noch im kleinen Saal. Gehört hat man davon nur Gutes. Gar furios soll es gewesen sein. Und diesmal? Zuallererst stach einem dieser ungemein klare Sound ins Gehör. Jede kleine Nuance war dabei zu vernehmen. Was bei einer in klassischer Besetzung - Klavier, Bass, Schlagzeug - antretenden Jazz-Formation dieser Qualität umso beeindruckender rüberkam. Präsentierten sich E.S.T. doch als äußerst unternehmungslustiges Trio, ohne jedoch dabei irgendwelche Zusätze aus der Retorte in ihre Live-Set einfließen zu lassen. Die eine oder andere Spielerei gab es trotzdem. Wenn auch stets im Rahmen der Möglichkeiten einer Live-Band. So wurden Klangwelten aufgebaut, Atmosphären ausgiebigst zelebriert, um schlussendlich dann doch - egal ob nach 10, 20 oder 30 Minuten - zu einem furiosen Höhepunkt zu kommen. Oder sich einfach nur mal gehen zu lassen. Der Improvisation freien Lauf zu lassen. Wenn ich mich nicht irre, nennt man soetwas Jazz.

Esbjörn Svensson Trio
23.02.2007 - Konzerthaus, Wien.


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