Ein bekannter Komiker versucht sich im ersten Fach. Soetwas kann durchaus funktionieren, liegt im Falle von "Stranger Than Fiction" jedoch mehr am Filmstoff als am Schauspieler selbst.
Nein, ich mag ihn nicht. Will Ferrell ist mir - zumindestens was seinen cineastischen Output betrifft - fast schon unsympathisch. Das geht soweit, dass ich - bis vor kurzem - keinen jener (Klamauk-) Streifen mit ihm in der Hauptrolle als Ganzes gesehen habe. Natürlich, beim Durchzappen oder Trailergucken kommt einem schon mal die eine oder andere Szene unter. Und darüber darf auch gelächelt werden. Ferrell über geschätzte 90 Minuten nervt dann aber doch zu sehr. Zumindestens war das bislang so. Denn Komiker zu sein bedeutet, dass man sich früher oder später an einer (semi-) dramatischen Rolle probiert. Das war bei Ober-Grimassenschneider Jim Carrey erstmals bei "The Truman Show" so und fand bei "Eternal Sunshine Of The Spotless Mind" eine Fortsetzung. Oder Adam Sandler, einst - und immer noch - Leinwand-Tölpel vom Dienst, der 2002 in "Punch-Drunk Love" auf ernst machte und schon bald in "Reign Over Me" als 09/11-Folgeopfer zu sehen sein wird.
Natürlich geht jeder Filmemacher, der Schauspieler gegen ihre bisherige Filmografie besetzt, ein gewisses Risiko ein. Dass Will Ferrell den Trottel geben kann, hat sich herumgesprochen. Mehr in Amerika als hierzulande, aber immerhin: Man kennt ihn. Regisseur Marc Forster schien von Ferrells Talent abseits der Komödie allerdings so sehr überzeugt gewesen zu sein, dass er ihn ohne große Bedenken für seinen neuen Film engagierte. Einen vom Grundthema durchaus tragischen Film, wo ein durchschnittlicher Typ ein noch durchschnittlicheres Leben führt: Aufstehen - Weg ins Büro - Joballtag als Steuerbeamter - Weg nach Hause - Abend vorm Fernseher. Mehr gibt es nicht. Bis zu jenem Tag, wo er eine Stimme hört, die all das, was er so tut, mit Worten wiedergibt. Da denkt man natürlich daran durchzudrehen. Und es dauert schon ein wenig, bis man registriert, Figur in einem Roman zu sein. Welcher zu allem Übel von einer Autorin geschrieben wird, die jedes ihrer Bücher mit dem Tod des Protagonisten beendet.
"Stranger Than Fiction" ist schwer in eine Schublade zu packen. Teils Tragödie, teils Liebesgeschichte, teils Komödie. Letzteres allerdings betont zurückhaltend, eher zum Schmunzeln als zum Ablachen. Alles in allem also eine romantische Tragikkomödie wie es sie schon unzählige Male gegeben hat. Wäre da nicht diese Überschneidung von Fiktion und Wirklichkeit, die den Film von der Masse abhebt. Natürlich tragen da auch Emma Thompson als besessene Autorin, Dustin Hoffman als engagierter Literaturprofessor und Maggie Gyllenhaal als bezaubernde Steuersünderin einen Teil dazu bei. Und natürlich muss Will Ferrell inmitten dieser Schauspielerriege einfach abstinken. Auch deshalb, weil seine bewusst eindimensionale Rolle gar nicht mehr zulässt. Und so kann man Ferrell trotz fehlender Mimik auch nicht vorwerfen, er würde an seiner ersten anspruchsvollen Rolle scheitern. Sein Problem: In "Stranger Than Fiction" ist nicht der Hauptdarsteller der Star, sondern das ebenso kreative wie intelligente Drehbuch von Newcomer Zach Helm. Charlie Kaufman lässt grüßen.
Stranger Than Fiction
Regie: Marc Forster.
Mit Will Ferrell, Emma Thompson, Dustin Hoffman.
09.02.2007
[sonypictures.com/strangerthanfiction] [imdb.com]
[Review: Eternal Sunshine Of The Spotless Mind - Regie: Michel Gondry]
[Review: Finding Neverland - Regie: Marc Forster]
Nein, ich mag ihn nicht. Will Ferrell ist mir - zumindestens was seinen cineastischen Output betrifft - fast schon unsympathisch. Das geht soweit, dass ich - bis vor kurzem - keinen jener (Klamauk-) Streifen mit ihm in der Hauptrolle als Ganzes gesehen habe. Natürlich, beim Durchzappen oder Trailergucken kommt einem schon mal die eine oder andere Szene unter. Und darüber darf auch gelächelt werden. Ferrell über geschätzte 90 Minuten nervt dann aber doch zu sehr. Zumindestens war das bislang so. Denn Komiker zu sein bedeutet, dass man sich früher oder später an einer (semi-) dramatischen Rolle probiert. Das war bei Ober-Grimassenschneider Jim Carrey erstmals bei "The Truman Show" so und fand bei "Eternal Sunshine Of The Spotless Mind" eine Fortsetzung. Oder Adam Sandler, einst - und immer noch - Leinwand-Tölpel vom Dienst, der 2002 in "Punch-Drunk Love" auf ernst machte und schon bald in "Reign Over Me" als 09/11-Folgeopfer zu sehen sein wird.

"Stranger Than Fiction" ist schwer in eine Schublade zu packen. Teils Tragödie, teils Liebesgeschichte, teils Komödie. Letzteres allerdings betont zurückhaltend, eher zum Schmunzeln als zum Ablachen. Alles in allem also eine romantische Tragikkomödie wie es sie schon unzählige Male gegeben hat. Wäre da nicht diese Überschneidung von Fiktion und Wirklichkeit, die den Film von der Masse abhebt. Natürlich tragen da auch Emma Thompson als besessene Autorin, Dustin Hoffman als engagierter Literaturprofessor und Maggie Gyllenhaal als bezaubernde Steuersünderin einen Teil dazu bei. Und natürlich muss Will Ferrell inmitten dieser Schauspielerriege einfach abstinken. Auch deshalb, weil seine bewusst eindimensionale Rolle gar nicht mehr zulässt. Und so kann man Ferrell trotz fehlender Mimik auch nicht vorwerfen, er würde an seiner ersten anspruchsvollen Rolle scheitern. Sein Problem: In "Stranger Than Fiction" ist nicht der Hauptdarsteller der Star, sondern das ebenso kreative wie intelligente Drehbuch von Newcomer Zach Helm. Charlie Kaufman lässt grüßen.

Regie: Marc Forster.
Mit Will Ferrell, Emma Thompson, Dustin Hoffman.
09.02.2007
[sonypictures.com/strangerthanfiction] [imdb.com]
[Review: Eternal Sunshine Of The Spotless Mind - Regie: Michel Gondry]
[Review: Finding Neverland - Regie: Marc Forster]
wasix - 15. Feb, 15:32 - [2007 Filme]