header
 
Der Held, die Femme Fatale, das dunkle Geheimnis. "Renaissance" setzt auf herkömmliche Noir-Elemente, ist aufgrund seiner animierten Eigenart jedoch alles andere als ein herkömmlicher Film.

Renaissance

Wir befinden uns im Jahr 2054: Die Straßen von Paris präsentieren sich von Videokameras überwacht. Allerorts Kontrolle. Kein öffentlicher Platz, wo nicht aufgenommen wird. Über all dem thront "Big Brother": Avalon ist ein omnipräsenter Großkonzern, der auf überdimensionalen Widescreens ewige Jugend und Schönheit verspricht. Als eine der bedeutendsten Wissenschaftlerinnen des Unternehmens verschwindet, wird der Polizist Karas mit den Ermittlungen beauftragt. Der abgebrühte und knallharte Cop hat zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keine Ahnung von der Bedeutung des Falles. Verbirgt sich dahinter doch ein dunkles Geheimnis. Vor ihrem Verschwinden gelang der Gesuchten nämlich eine revolutionäre Entdeckung, die mit einem Schlag für immer die Zukunft der Menschheit verändern könnte. Ob zum Positiven oder Negativen, bleibt dahingestellt.

"Wer dachte, "Blade Runner" sei die puristischste Inkarnation des "Tech Noir", "Sin City" das Nonplusultra einer in Extremkontrasten festgehaltenen Black&White-Ballade vom Leben und Sterben im verruchten Großstadt-Moloch und Fritz Langs "Metropolis" für unser Zeitalter nicht mehr neu zu erfinden, dem sei zu einem Blick auf das kleine Wunderwerk von Christian Volckman geraten." "Renaissance" lief beim Fantasy Filmfest 2006 als Centerpiece und sorgte dort für viel Für, aber auch einiges Wider. Letzteres wegen der dargebrachten Geschichte, die manch einem zu sehr an eine Sci-Fi-Version von "Der dritte Mann" erinnerte. Durchaus beabsichtigt, beachte man doch nur den Namen des Titelhelden. Ebenso zu beachten: All die kleinen, feinen Details einer gar nicht mal ganz so fernen Zukunft. Und natürlich auch mit Daniel Craig, Ian Holm und Jonathan Pryce die Synchronisationsstimmen in der englischen Fassung. Zugegeben: Die Handlung ist nicht allzu originell, mit seinen offensichtlichen Film-Noir-Anleihen etwas klischeehaft ausgefallen und erinnert natürlich auch unweigerlich an eine der bekanntesten Kriminalgeschichten der Vergangenheit. Doch was soll's? Nicht jeder kommt einem wandelnden Filmlexikon gleich. Außerdem ist "Renaissance" einer jener Streifen, wo die Geschichte nun wirklich nicht das Wichtigste ist.

Die Stärken des ersten Spielfilms von Christian Volckman - französischer Maler, Fotograf und Grafik-Designer - liegen anderswo. Das unübersehbare Merkmal spricht für sich, wurden die Animationen von grafischer Seite doch genialst umgesetzt. Das ungewöhnliche Design mit seinen extremst kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bildern macht "Renaissance" zur Augenweide. Ein echter Hingucker. Wenn die innovative Ästhetik auch gewöhnungsbedürftig sein mag. Wo für den regelmäßigen Comic-Konsumenten ein einziger Genuss, da für den Durchschnittsverbraucher vielleicht doch mit Anlaufschwierigkeiten verbunden. In diesem Fall ist es jedoch die Mühe wert. Mit Fortdauer taucht man nämlich auch als Ungeübter richtiggehend in die Animationswelt des düsteren Paris der Zukunft ein, möchte der farblosen Pop-Art gar nicht mehr entweichen. Kurz: Ein Sci-Fi-Traum im durchgestylten Schwarz-Weiß. "Fans of live action melded with a graphic-novel sensibility should consider this a must."

RenaissanceRenaissance
Regie: Christian Volckman.
Animation
DVD


[renaissance-lefilm.com] [imdb.com]