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Christian BaleIn "The Machinist" gibt Christian Bale als abgemagerter Freak, der nicht schlafen kann, die Rolle seines Lebens. Ein Psycho-Trip, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Es gibt Filme, von denen hört man, liest darüber oder sieht den Trailer und ist einfach nur begeistert. "The Machinist" ist das beste Beispiel dafür. Als der Streifen vergangenen November in Deutschland einen Starttermin bekam, war meine Vorfreude natürlich kaum noch zu toppen. Das Problem dabei? Ich sitze hier im kleinen Österreich und da laufen die Uhren oftmals leider anders. Jedenfalls gab es Ende letzten Jahres keinerlei Anzeichen für einen Kino-Release von "The Machinist". Was tun? Wegen eineinhalb Stunden Kino über das Wochenende nach Deutschland fahren? Sich gar illegaler Quellen im Internet bedienen? Jedes Sneak-Preview abklappern? Oder einfach warten? Ich habe mich für letzteres entschieden.

Obwohl ich da schon auch meine Befürchtungen hatte. Möglicherweiser sei "The Machinist" zu dreckig und düster, vor allem aber zu wenig kommerziell, um überhaupt in den heimischen Kinos anzulaufen. Nur gut, dass dem nicht so war. Es mussten zwar mehr als vier Monate vergehen, am 25. März ist es allerdings endlich soweit. Wenigstens bekam ich die Möglichkeit, die potentielle Filmperle gut eine Woche vor dem offiziellen Start bei einem Vorab-Screening in Originalsprache zu begutachten. In einem physischen Zustand, der nicht der beste war. Von wegen Müdigkeit und Erschöpfung. Wenigstens hatte ich gleich die Möglichkeit mit dem Protagonisten auf der Leinwand mitzufühlen. Noch dazu war es gleich das beste Indiz für die Qualität des Films, dass ich an diesem Abend im gemütlichen Kinosessel nicht eingeschlafen bin.

How do you wake up from a nightmare if you're not asleep?

"The Machinist" erzählt die Geschichte von Trevor Reznik (Christian Bale), einem Mann, der seit einem Jahr nicht schlafen kann. Das führt soweit, dass er bis auf die Knochen abgemagert ist und sein seelischer Zustand einem Desaster gleicht. Seine einzigen Bezugspersonen sind die Prostituierte Stevie (Jennifer Jason Leigh), für die er inzwischen mehr als nur ein Stammkunde geworden ist, und die Kellnerin Marie (Aitana Sanchez-Gijon). Für ein wenig Small Talk mit ihr fährt er jede Nacht zum Flughafen, wo sie im Airportcafe arbeitet. Dort bestellt er dann eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen, das er jedoch gar nicht im Stande ist zu essen. Das Fatale daran? Er weiß nicht warum.

Christian BaleTagsüber arbeitet Trevor in einer Fabrik. Der Job an der Maschine hat ihn längst abgestumpft. Als er dann auch noch einen Fremden begegnet, den scheinbar niemand außer ihm gesehen hat, kommt es zu einem folgeschweren Unfall. Trevors Unachtsamkeit ist Schuld daran, dass ein Arbeitskollege bei einer Maschine seinen Arm verliert. Nicht nur, dass seine Entlassung droht, auch das Misstrauen in seinem Umfeld wird immer größer. Die Schuldgefühle treiben ihn unaufhaltsam in den Wahnsinn. Trevor durchlebt eine ausgewachsene Paranoia, die soweit führt, dass er hinter all dem eine Verschwörung gegen ihn vermutet. Die mysteriösen Ereignisse überschlagen sich: Kryptische Hinweise auf Post-Its, ein Zwischenfall in der Geisterbahn. Zudem scheint es konstant 13:30 Uhr zu sein.

If he would be any thinner, he wouldn't exist.

Christian Bale entwickelt sich immer mehr zum Garanten für Kult-Filme: "Velvet Goldmine", "American Psycho", "Equilibrium". In ein paar Monaten wird zu der Liste auch noch "Batman Begins" dazukommen. Vor allem körperliche Kraftakte scheinen es ihm angetan zu haben. Ein extremes Beispiel dafür ist "The Machinist". Für die Rolle des Trevor Reznik hungerte sich Bale zum Skelett. Mit einer Hardcore-Diät reduzierte er sein Gewicht von 95 auf 65 Kilogramm. Dementsprechend auch sein Erscheinungsbild. Er ist in diesem Film dermaßen dünn, dass einem der Anblick dieses Knochengerüstes das Fürchten lehrt.

Regisseur Brad Anderson vollbrachte mit "The Machinist" einen kühn durchdachten Albtraum von Film, der gleichermaßen verwirrt und fasziniert. Hier bekommt man Bilder zu Augen, wie sie beklemmender nicht sein können. Das erinnerte nicht nur wegen der Ähnlichkeit der Namen an die Musik von Trent Reznor und seinen Nine Inch Nails. Jedenfalls würde "The Downward Spiral" eine passende musikalische Untermalung zu "The Machinist" abgeben. Andererseits kann man aber auch Vergleiche mit Kultstreifen wie "Pi" oder "Memento" heranziehen, wobei allerdings die finale Auflösung trotz verblüffender Logik nicht ganz heranreicht. Mehr sei allerdings nicht verraten. Wie immer bei dieser Art von Filmen ist es ohnehin besser, dass man hinsichtlich der fiesen, kleinen Überraschungen im Vorfeld so wenig wie möglich vorgewarnt ist. Nur soviel: Die Idee mit den Zehen, die an einer Hand angenäht wurden, ist schon den Preis des Kinokarte wert.

The MachinistThe Machinist
Regie: Brad Anderson.
Mit Christian Bale, Jennifer Jason Leigh, Aitana Sanchez-Gijon.
25.03.2005


[machinistmovie.com]
srocca - 4. Apr, 07:51:
Insomnia
Kann man wirklich so lange überleben, ohne zu schlafen? Diese Frage verfolgt mich seit ich den Film gesehen habe. 
wasix - 4. Apr, 16:51:
ein jahr kein schlaf...
kann ich mir auch nicht so recht vorstellen. vielleicht ist er ja immer wieder mal in einen sekundenschlaf gefallen und so vor sich hin vegetiert. g'sund ist soetwas sicher nicht. außer man will zum knochengerüst mutieren.