header
 
Weirdos unter sich. Mal in der tiefsten amerikanischen Provinz. Mal in der Budapester U-Bahn. Gesehen auf DVD: "Napoleon Dynamite" und "Kontroll".

Flaute auf den heimischen Kinoleinwänden. Wenig bis nichts Sehenswertes, das einem zur Zeit geboten wird. Zumindestens in Sachen Blockbuster. Bei "The Amityville Horror" und "The Interpreter" kann man ohne etwas zu versäumen ruhig auf den DVD-Release warten. Und bei "The Pacifier" (mit dem sensationellen deutschen Titel "Der Babynator") und "xXx: State Of The Union" muss man sich über all jene, die für soetwas Geld ausgeben ohnehin wundern. Egal ob Meistermime Vin Diesel nun mitspielt oder nicht (mehr). Was bleibt, ist der Weg in die Videothek: Importe stöbern, Neues entdecken, zukünftigen Kinostarts vorgreifen.

The Kind Of Nerd Other Nerds Avoid.

Napoleon DynamiteNapoleon Dynamite ist ein typischer High School-Nerd. Mit seinem rot-blonden Lockenkopf, überdimensionaler Brille und T-Shirt mit kitschigem Aufdruck gehört er zu jener Sparte amerikanischer Teenager, mit denen niemand etwas zu tun haben will und die mehrmals die Woche von Klassenkameraden Prügel einstecken müssen. Das alles geschieht in einem kleinen Kaff irgendwo in der Einöde Idahos, wo er gemeinsam mit seinem 31 Jahre alten, chatsüchtigen Bruder, seiner Großmutter und einem Lama zusammenlebt. Als Oma eines Tages verreist und nicht mehr zurückkommt, tritt Napoleons Onkel in sein Leben. Die unseriösen Geschäfte von Uncle Rico bringen allerdings nur noch zusätzliche Probleme mit sich.

Napoleons einziger Freund ist der Neuankömmling Pedro aus Mexiko. Ihn unterstützt er auch gleich bei der Wahl zum Schulpräsident. Die Konkurrenz in Person der fiesen Summer scheint übermächtig. Doch gemeinsam mit der ebenfalls etwas merkwürdigen Deb setzen die sympathische Loser schon bald zum Siegeszug an. Wobei Napoleons neuentdeckter Liebe zum Tanzen eine gewichtige Rolle zukommt. Verwirrt? Gut so.

"Napoleon Dynamite" wurde beim letztjährigen Sundance Festival ausgezeichnet. Das bürgt in der Regel für Qualität. Regisseur Jared Hess ist mit seinem Langfilmdebut wenn schon nicht eine außer- dann zumindestens ein ungewöhnliche Komödie gelungen. Das beginnt beim wirklich sehenswerten Vorspann und endet mit fünf wunderbar kitschigen Bonusminuten nach dem Abspann. Dazwischen bekommt man es mit einem Haufen schräger Kreaturen zu tun, die irgendwo in der Vergangenheit steckengeblieben sein müssen. Allen voran der Namensgeber des Streifens, der von Jon Heder so dargestellt wird, dass man vergessen könnte, dass er den amüsanten Tollpatsch nur spielt. Alles in allem ein grottenschlechter Film, der irgendwie genial ist.

There's No Such Thing As A Free Ride.

KontrollIm Vorspann wird man von einem Herrn im Anzug darauf hingewiesen, dass alles was man in den nächsten 100 Minuten zu sehen bekommt, nicht so arg sei wie dargestellt. Im darauffolgenden Spielfilm wurde im Sinne der Kunst halt ein wenig übertrieben. Merkwürdig war nur, dass der gute Mann ungarisch sprach. Einzig die englischen Untertitel machten mir das Verstehen möglich. Schon blöd, wenn man aufgrund der auf der DVD-Hülle verwendeten Sprache blind annimmt, es genau mit dieser auch im Film zu tun zu haben.

"Kontroll" spielt in der Budapester U-Bahn, die älteste ihrer Spezies in Europa. Immerhin zieht sie im Untergrund von Ungarns Metropole bereits seit 1896 ihre Kreise. Die Geschichte erzählt von den Fahrkarten-Kontrolleuren, die in den veralteten Waggons und auf den düsteren Bahnsteigen ihrer Arbeit nachgehen. Ein verdammt harter Job, wie man sich denken kann. Denn Kontrolleure werden von allen bloß gehasst und dementsprechend auch behandelt: Angepöbelt, angespuckt. Sehr oft sogar verprügelt. Wenn dann auch noch ein mysteriöser, gesichtsloser Killer dazukommt, der unschuldige Fahrgäste vor Züge stößt, kann man mit den armen Schwarzkapplern schon mal Mitleid haben. Zumindestens mit denen aus Budapest.

"Kontroll" ist nicht leicht in ein bestimmtes Genre einzuordnen. Regisseur Nimrod Antal wandelt geschickt zwischen Thriller, Horror, Drama und Liebesgeschichte. Nicht zu vergessen die tiefschwarzen komödiantischen Anleihen. So wird man als Zuschauer immer wieder auf's Neue überrascht, lacht den einen Moment, kann aber schon wenige Augenblicke später wieder erschrocken zusammenzucken. Eine sehr interessante Erfahrung, die sogar im ungarischen Original mit englischen Untertiteln funktioniert. Es würde mich jedenfalls nicht verwundern, wenn uns von "Kontroll" in absehbarer Zukunft eine glattgebügelte Hollywood-Version bevorsteht.

Napoleon DynamiteNapoleon Dynamite
Regie: Jared Hess.
Mit Jon Heder, Jon Gries, Aaron Ruell.
DVD (OF)


[foxsearchlight.com/napoleondynamite]

KontrollKontroll
Regie: Nimrod Antal.
Mit Sandor Csanyi, Zoltan Mucsi, Csaba Pindroch.
20.05.2005 / DVD (OF)


[kontroll-derfilm.de]
srocca - 8. Mai, 16:22:
Hollywood Versionen
Ist schon traurig, dass denen dort anscheinend zu wenig Neues einfällt und das Pubikum zu bequem ist, den einen oder anderen nicht ganz mainstreamlastigen Film mit Untertiteln anzusehen. Es würde sicher eine Menge interessanter Filme aus allen möglichen Ländern geben, von denen wir nie etwas erfahren werden. 
wasix - 9. Mai, 00:42:
...
das mit der hollywood-version von "kontroll" ist allerdings nur so eine zukunftsvision von mir. da gibt's keine konkreten pläne. zumindestens nicht, dass ich wüsste...