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Spät aber doch. Jede Menge große Namen, die bislang durch den Rost gefallen sind: Mars Volta, Queens Of The Stone Age, Beck, New Order und ... äh ... Daft Punk.

Mars Volta: Frances The MuteBeck: GueroQueens Of The Stone Age: Lullabies To ParalyzeNew Order: Waiting For The Sirens’ CallDaft Punk: Human After All

Mars Volta
Frances The Mute
21.02.2005

Vor dieser Band muss man einfach Respekt haben. Mars Volta haben ein Konzept und das ziehen sie ohne Rücksicht auf Verluste durch. Der Anspruch auf Kunst steht bei den Herren Bixler-Zavalas und Rodriguez-Lopez stets im Vordergrund. Schon lange nicht mehr hat der Begriff Art-Rock so gut gepasst wie bei diesem Duo. Das muss einem auch als Konsument dieser Musik klar sein. Denn Mars Volta machen es einem alles andere als einfach. Das fällt schon bei der Tracklist des neuen Albums auf. "Frances The Mute" besteht bei einer Spielzeit von 77 Minuten aus nur fünf Stücken, welche jedoch wiederum bis zu fünf Untertiteln aufzuweisen haben. Wild wechselnde Songfrakturen sind also vorprogrammiert. Beispiel gefällig? Auf ein akustisches Intro folgen ständig wechselnde Gitarrenriffs. Umgeben von leichtfüßigen Latino-Elementen. Plötzlich setzen ruhige Zwischentöne ein um im nächsten Moment das verstörende Szenario wieder von vorne beginnen zu lassen und schlussendlich mit elektronischen Intermezzos in den nächsten Track überzugehen. Solch ein Prozedere kann bei Mars Volta schon mal 30 Minuten dauern. Dass es auch anders geht, beweist "The Widow", das mit knapp sechs Minuten und herkömmlichen Strukturen fast schon einer Radio-Single gleichkommt. Es die große Ausnahme auf "Frances The Mute". Allerdings eine sehr wohltuende. [themarsvolta.com]

Beck
Guero
21.03.2005

Beck Hansen hat einen Ruf zu verteidigen. Keines seiner Album war jemals wie das vorige. Wiederholungen sind in seiner Werkschau tabu. Bei "Guero" ist das nicht anders. Da erkennt man zwar Ähnlichkeiten mit dem Sample-Klassiker "Odelay" (1996) und Anleihen von der Funk-Orgie "Midnite Vultures" (1999), mit dem Faserschmeichler-Pop von "Sea Change" (2002) hat das neue Album allerdings kaum etwas gemein. "Guero" kennzeichnet vielmehr Becks Rückkehr zu den gepflegten Beats und gibt ihm die Möglichkeit sich mal wieder inmitten von funky Basslines und Vocoder-Samples vollends auszutoben. Natürlich im Rahmen der bewährten Zusammenarbeit mit den Dust Brothers. Dementsprechend groovy und lässig kommen die 14 neuen Songs auch daher. Vieles auf "Guero" mag zwar vielleicht beim ersten Durchlauf noch nicht so recht zünden, mit Fortdauer entwickelt sich das sechste Studioalbum von Beck jedoch als treuer Fremdenführer zwischen Pop, Rock, Soul, Hip Hop und sogar Latino-Einflüssen. Das Bemerkenswerte daran? Trotz aller Vielfältigkeit bleibt stets die Handschrift des Meisters deutlich erkennbar. Es klingt immer alles nach Beck. Und das ist verdammt gut so. [beck.com]

Queens Of The Stone Age
Lullabies To Paralyze
21.03.2005

Josh Homme ist gleich Gitarrengott. Seine Saitenakrobatik ist einzigartig. Sein Stil unverkennbar. Kein Wunder, dass die Q.O.T.S.A. nur allzu gerne als die Retter des Rock N' Roll hingestellt werden. Klingt überzogen? Ist es auch. Macht aber trotzdem Sinn. Daran änderte sich auch durch den Rauswurf von Bassist und Bühnennackedei Nick Olivieri nichts. Auch ohne ihn führen Q.O.T.S.A. konsequent ihren Weg weiter. "Lullabies To Paralize" kann man durchaus als die bislang abwechslungsreichste Platte der Band bezeichnen. Wird das Album noch durch eine Art Schlaflied mit der rauchigen Stimme von Mark Lanegan eröffnet, so rockt man bereits bei der nächsten Nummer alles in Grund und Boden. Alles beim alten, könnte man meinen. Doch meist dauert es nur ein paar Momente, da führt uns Josh Homme von einem Extrem ins andere. Auf bluesige Gitarrenriffs folgen schunkelnde Piano-Akkorde um nahtlos in wütende Lärmattacken überzugehen. Das klingt zwar alles nicht gerade revolutionär, hat aber den Vorteil, dass man bei dieser Platte auch noch nach dem x-ten Hördurchgang Neues entdeckt. Und irgendwann fällt einem dann auf: Nick Oliveri fehlt nicht wirklich. Auch wenn er das wahrscheinlich anders sieht. [qotsa.com]

New Order
Waiting For The Sirens' Call
28.03.2005

2001 hatten sich die britischen Elektro-Pop-Helden nach achtjähriger Schaffenspause und bandinternen Querelen mit ihrem Album "Get Ready" zurückgemeldet. Eines ihrer besten wohlbemerkt. Vier Jahre später steht nun ein weiteres Comeback von New Oder an. Der Single-Vorbote "Krafty" ließ da nur gutes erwarten. Eine weitere kleine Pop-Hymne. Mit allem was den Sound von New Order immer schon ausmachte. Auf die Mannen um Bandboss Bernard Sumner ist Verlass. Das war eigentlich immer schon so. New Order wissen, was ihre Fans wollen. Und sie geben es ihnen auch. "Waiting For The Sirens' Call" ist da keine Ausnahme. Nicht umsonst bezeichnet Sumner das neue Album als eine Klangreise in die eigene Vergangenheit. Damit ist den Herren aus Manchester zwar kein weiterer Meilenstein gelungen, wirklich auszusetzen ist daran aber auch nichts. Was soll ich in diesem Fall noch viel schreiben? New Order sind Helden, Idole. Ein Heiligtum. Hier herrscht Artenschutz. Punkt. [neworderonline.com]

Zu guter Letzt: "(Ex-)Helden, die in die Kacke greifen". Die Ehre haben...

Daft Punk
Human After All
14.03.2005

Ein Album, das spaltet. Sowohl die Musikkritiker als auch die Meinung meiner Wenigkeit. Eigentlich will ich die neue Daft Punk ja mögen. Immerhin hat sich deren Erstling "Homework" (1997) in meinem Gehirn festgebrannt. Ebenso wie der wunderbaren Animationsfilm "Interstella 5555" zum Nachfolger "Discovery" (2001). Der dritte Longplayer des französischen Elektronik-Duos ist jedoch leider nur noch mit Stagnation und Monotonie zu beschreiben. Der Minimalismus von "Human After All" geht eindeutig zu weit. Zehn Stücke bei einer Spieldauer von ungefähr 45 Minuten und kaum Unterschiede auszumachen. Mag sein, dass soetwas im Club-Kontext funktioniert, in meinen vier Wänden - selbst unter Zuhilfenahmen von Kopfhörern oder übertriebener Zimmerlautstärke - tut es das jedenfalls nicht. Obwohl ich schon zugeben muss, dass es auch beim Hören von "Human After All" Momente gegeben hat (beispielsweise bei "Robot Rock" oder "The Brainwasher"), da wäre ich fast in die Falle des stupiden Roboter-Sounds gekippt. Aber eben nur fast. Deshalb der Aufruf an die Herren Bangalter und de Homem-Christo: Beim nächsten Mal bitte etwas mehr anstrengen. Ihr guter Ruf steht auf dem Spiel. [daftpunk.com]