Sie werden hochgeschätzt, scheinen aber trotzdem zum Nischendasein verdammt. Ein Fauxpas, der mit "The Seldom Seen Kid" bereinigt gehört. Haben Elbow doch ihr Meisterwerk vollbracht.

Elbow sind eine jener Bands, die sich glücklich schätzen können, in Musikerkreisen außerordentlich hoch gehandelt zu werden. Hinzu kommt, dass das Quintett aus Manchester auch von Kritikern immer wieder auf's Neue gelobt wird. Bleibt bei all dem Zuspruch nur noch zu klären, warum Elbow stets der kommerzielle Erfolg versagt blieb? Jedenfalls war das bislang so. Inwieweit der Neueinstieg ihres aktuellen, vierten Albums auf Platz 5 der UK-Charts - gleichzusetzen mit Karrierehöchststand - daran auch außerhalb ihrer Heimat etwas ändern kann, bleibt abzuwarten. Verdient hätten es Elbow zweifelsohne. Erst recht mit "The Seldom Seen Kid". Ihr Bestes. Was bei der vorliegenden Diskografie kein Leichtes ist. Man erinnere sich zurück: Nach jahrelangem Hin und Her, einem nie veröffentlichten Album, stattdessen drei EP's, erschien 2001 das Debut "Asleep In The Back", danach im Zwei-Jahre-Rhythmus "Cast Of Thousands" und "Leaders Of The Free World". Drei hervorragende LP's, wenngleich auch mit dem Gefühl behaftet, dass noch mehr möglich gewesen wäre.
Bei dem nun vorliegenden "The Seldom Seen Kid" fehlt dieser bittere Beigeschmack. Ohne Einfluss eines fremden Produzenten in den heimatlichen Blueprint Studios aufgenommen und vorab als "darker and heavier" beschrieben, haben sich Elbow nun endlich selbst verwirklicht, jenes Album vollbracht, das man ihnen schon seit dem Erstling zutraut. Da ist die Zurückgezogenheit, sind jene unendlich fragilen Momente. Da ist aber auch das Ausladende, sind diese nicht minder melancholischen, wenn auch verschroben groovenden Songs. All das stets auf charmante Weise getragen von der wundervoll rauen und gefühlvollen Stimme von Guy Garvey und dessen nachzulesen sich lohnenden Texten. Nun war man davon aber auch schon bei den drei Vorgängern begeistert. Dass "The Seldom Seen Kid" jenen Hauch besser ist, liegt nicht allein am Duett mit Jarvis Cocker-Intimus Richard Hawley, sondern vielmehr daran, dass die einzelnen, stets besonderen Kompositionen nun auch auf kompletter Albumlänge ineinander greifen, dass Elbow es auf "The Seldom Seen Kid" verstehen dessen zwölf Einzelstücke (inklusive UK-Bonus-Track) auf ungemein atmospärischen 57 Minuten zu einem anbetungswürdigen Ganzen verschmelzen zu lassen.
Damit vorerst noch nicht genug der guten Nachrichten. Denn wenn die Ankündigung auch tatsächlich umgesetzt wird, dann darf man sich dieses Jahr noch auf ein weiteres Elbow-Album freuen. Kein neues Material, nichtsdestotrotz ein ganz besonderes Werk, nämlich die längst überfällige Raritätensammlung, die bei kaum einer anderen Band mehr Sinn macht. "Which in itself we are classing as a fifth album because we are so proud of the material on there. With the exception of one song that shall remain nameless of the 65 songs that we have released so far, we are very proud of them all." Also soetwas wie "The Missing Link". Geplanter Titel: "Dead In The Boot". Im schlimmsten Fall leider auch Elbows Abgesang an Alben physischer Form. Ob sie vielleicht doch noch von ihrem Vorhaben abzubringen sind, in Zukunft auschließlich einzelne Stücke als digitalen Download zu veröffentlichen, also das Medium CD/LP links liegen zu lassen? Ich wünsche es mir. So sehr.
Elbow
The Seldom Seen Kid
17.03.2008 (UK-Import)
[elbow.co.uk]
[myspace.com/elbowmusic]
[Review: Elbow - Leaders Of The Free World]

Elbow sind eine jener Bands, die sich glücklich schätzen können, in Musikerkreisen außerordentlich hoch gehandelt zu werden. Hinzu kommt, dass das Quintett aus Manchester auch von Kritikern immer wieder auf's Neue gelobt wird. Bleibt bei all dem Zuspruch nur noch zu klären, warum Elbow stets der kommerzielle Erfolg versagt blieb? Jedenfalls war das bislang so. Inwieweit der Neueinstieg ihres aktuellen, vierten Albums auf Platz 5 der UK-Charts - gleichzusetzen mit Karrierehöchststand - daran auch außerhalb ihrer Heimat etwas ändern kann, bleibt abzuwarten. Verdient hätten es Elbow zweifelsohne. Erst recht mit "The Seldom Seen Kid". Ihr Bestes. Was bei der vorliegenden Diskografie kein Leichtes ist. Man erinnere sich zurück: Nach jahrelangem Hin und Her, einem nie veröffentlichten Album, stattdessen drei EP's, erschien 2001 das Debut "Asleep In The Back", danach im Zwei-Jahre-Rhythmus "Cast Of Thousands" und "Leaders Of The Free World". Drei hervorragende LP's, wenngleich auch mit dem Gefühl behaftet, dass noch mehr möglich gewesen wäre.
Bei dem nun vorliegenden "The Seldom Seen Kid" fehlt dieser bittere Beigeschmack. Ohne Einfluss eines fremden Produzenten in den heimatlichen Blueprint Studios aufgenommen und vorab als "darker and heavier" beschrieben, haben sich Elbow nun endlich selbst verwirklicht, jenes Album vollbracht, das man ihnen schon seit dem Erstling zutraut. Da ist die Zurückgezogenheit, sind jene unendlich fragilen Momente. Da ist aber auch das Ausladende, sind diese nicht minder melancholischen, wenn auch verschroben groovenden Songs. All das stets auf charmante Weise getragen von der wundervoll rauen und gefühlvollen Stimme von Guy Garvey und dessen nachzulesen sich lohnenden Texten. Nun war man davon aber auch schon bei den drei Vorgängern begeistert. Dass "The Seldom Seen Kid" jenen Hauch besser ist, liegt nicht allein am Duett mit Jarvis Cocker-Intimus Richard Hawley, sondern vielmehr daran, dass die einzelnen, stets besonderen Kompositionen nun auch auf kompletter Albumlänge ineinander greifen, dass Elbow es auf "The Seldom Seen Kid" verstehen dessen zwölf Einzelstücke (inklusive UK-Bonus-Track) auf ungemein atmospärischen 57 Minuten zu einem anbetungswürdigen Ganzen verschmelzen zu lassen.
Damit vorerst noch nicht genug der guten Nachrichten. Denn wenn die Ankündigung auch tatsächlich umgesetzt wird, dann darf man sich dieses Jahr noch auf ein weiteres Elbow-Album freuen. Kein neues Material, nichtsdestotrotz ein ganz besonderes Werk, nämlich die längst überfällige Raritätensammlung, die bei kaum einer anderen Band mehr Sinn macht. "Which in itself we are classing as a fifth album because we are so proud of the material on there. With the exception of one song that shall remain nameless of the 65 songs that we have released so far, we are very proud of them all." Also soetwas wie "The Missing Link". Geplanter Titel: "Dead In The Boot". Im schlimmsten Fall leider auch Elbows Abgesang an Alben physischer Form. Ob sie vielleicht doch noch von ihrem Vorhaben abzubringen sind, in Zukunft auschließlich einzelne Stücke als digitalen Download zu veröffentlichen, also das Medium CD/LP links liegen zu lassen? Ich wünsche es mir. So sehr.

The Seldom Seen Kid
17.03.2008 (UK-Import)
[elbow.co.uk]
[myspace.com/elbowmusic]
[Review: Elbow - Leaders Of The Free World]
wasix - 28. Mär, 14:15 - [2008 Platten]