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Zum (imaginären) Fünfziger von Hansi Hölzel: Des Falken Tiefflug...

FalcoFalco: Wiener Blut (1988)Falco: Data De Groove (1990)Falco: Nachtflug (1992)Falco: Out Of The Dark / Into The Light (1998)

[ER WAR SO EXHALTIERT BECAUSE ER HATTE FLAIR]
Der Oskar Werner des Pop. Der David Bowie des 5. Wiener Gemeindebezirks. Dies ist kein Tribut, nur eine Erinnerung daran, dass Österreich einen Pop-Star hatte.

Wiener Blut (1988)
...der verdiente Karriereknick.
Zitat Falco: "Mit ihr wollte ich nie in die Hitparade, sondern nur ins Bett." Gemeint war Brigitte Nielsen, ihres Zeichens Silikon-Wunder und Ex-Ehefrau von Sylvester Stallone. Das Resultat der zweifelhaften Zusammenarbeit war die Single "Body Next To Body", die den passenden Vorgeschmack darauf gab, was Falco wenig später in Album-Länge mit "Wiener Blut" auf die Menschheit losließ. Es war nicht zu überhören, dass Falco mit aller Gewalt wieder an die Spitze der Hitparaden wollte. Dafür schien er alles in Kauf zu nehmen. Der Grundsatz von "Wiener Blut" basierte auf dem Motto "Zwischen Genie und Wahnsinn". Ersteres war Falco bei der Studioarbeit zu diesem Album scheinbar vollkommen abhanden gegangen. Zweiteres wiederum wurde auf so überdrehte und niveaulose Art dargebracht, dass man diesem nahezu unhörbaren Etwas eigentlich die Höchststrafe verpassen müsste. Aufgrund der vergangenen Meisterleistungen des Falken wurde davon allerdings Abstand genommen.

Data De Groove (1990)
...netter Versuch einer Vergangenheitsbewältigung.
"Data De Groove" brachte die Wiedervereinigung mit Produzent Robert Ponger. Kein Wunder, irgendetwas musste Falco nach seinem kapitalen Fehltritt mit "Wiener Blut" einfallen, wenn er in den eben angebrochenen Neunzigern noch einmal Anschluss finden wollte. Zusammen orientierten sie sich an den ruhmreichen Werken ihrer gemeinsamen Vergangenheit und starteten einen Versuch in Richtung eines zeitgemäßen Updates von "Junge Römer". Das Ergebnis erinnerte phasenweise an die elektronische Popmusik im Stil eines Gary Numan. Leider vollzog Falco den Schritt in die richtige Richtung allerdings um einiges zu zaghaft. "Data De Groove" wirkte auf der einen Seite mit seiner selbsterfundenen Computersprache zwar durchaus ambitioniert und künstlerisch bemüht, andererseits driftete das Gesamtkonzept des Albums zu oft in die Belanglosigkeit ab. So blieben schlussendlich doch nur eine handvoll passabler Songs, denen jedoch ebenso viele Fehltritte gegenüber standen.

Nachtflug (1992)
...typisch Bolland & Bolland. Leider.
Man konnte es kaum glauben, aber Falco schaffte mit "Titanic" nach einer längeren Durststrecke wieder einen Hit. Verantwortlich dafür waren abermals die Bolland-Brüder, denen Falco sowohl den (kommerziellen) Höhepunkt als auch den Tiefpunkt seiner Karriere zu verdanken hatte. "Titanic" war unüberhörbar nach dem altbekannten Hitmuster von "Rock Me Amadeus" gestrickt. Kurios nur, dass dieser Song wohl einen vielfachen Erfolg geerntet hätte, wäre er im Sog des gehypten, cinematischen Schiffunterganges 1998 veröffentlicht worden. Nichtsdestotrotz hatte der Falke auch damals sein heißersehntes Comeback in den Charts. Passend zu "Titanic" bezog sich auch das Album "Nachtflug" auf die klassischen Qualitäten von "Falco 3". Gezeichnet von den letzten Misserfolgen setzte man auf konservatives Material. Das Eingehen von Risiko war tabu. Stattdessen produzierte man massenkompatibles Hitparadengut, wie man es ohnehin in Unmengen vorgesetzt bekam. Falco punktete zwar wieder in den Hitlisten, zufriedenstellen konnte er damit aber nur die kurzsichtige Schicht seiner Fangemeinde.

Out Of The Dark / Into The Light (1998)
...Vermächtnis mit fadem Beigeschmack.
Unter dem Pseudonym T>MA und mit dem Song "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da" katapultierte sich Hansi Hölzel Anfang 1996 erstmals auf die Playlist von Viva. Dabei kam es auch zu Falcos erster Berührung mit Techno, wohl oder übel die originäre Jugendkultur der Neunziger. Noch im selben Jahr veröffentlichte Falco die seichte Dancefloor-Nummer "Naked", die nur deshalb erwähnenswert ist, weil sie - wie sich später herausstellte - die letzte Falco-Single war, die zu dessen Lebzeit veröffentlicht wurde. Es erscheint schon makaber, wenn man berücksichtigt, dass die Plattenfirma bereits in weniger als einem Monat nach dem Tod von Falco dessen neues Album auf dem Markt gebracht hatte. Bei solch einem Erfolgsgaranten verwundert das allerdings kaum. Angeblich wurde "Out Of The Dark" in diesem Zustand von Falco selbst abgesegnet, was ein Fax im CD-Booklet beweisen soll. Trotzdem muss man sich eingestehen, dass dieses lauwarmes Album ohne die traurigen Umstände sehr wahrscheinlich als Ladenhüter geendet hätte. Die wenigen hörenswerten Ausnahmen im tristen Plastik-Techno-Allerlei sind das Falco-typische "Egoist", das Rio Reiser-Cover "Geld" (Hidden Track) und der als Single veröffentlichte Titelsong. Letzteren muss man zugestehen, dass er so und so zum Hit geworden wäre. Zum unüberhörbaren Hitparadenpotential gab es als Draufgabe noch die bedeutungsschwangere Textzeile "Muss ich denn sterben, um zu leben?", die so manchem Klatschreporter zu Kreativitätsschüben verhalf: Natürlich hatte er eine Todesahnung. Natürlich war er vollgepumpt mit Drogen. Natürlich war es Selbstmord.

[RETRO: FALCO = 50 (1) ...des Falken Höhenflug]

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