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Zum (imaginären) Fünfziger von Hansi Hölzel: Des Falken Höhenflug...

FalcoFalco: Einzelhaft (1982)Falco: Junge Römer (1984)Falco: Falco 3 (1985)Falco: Emotional (1986)

[ER WAR SO EXHALTIERT BECAUSE ER HATTE FLAIR]
Der Oskar Werner des Pop. Der David Bowie des 5. Wiener Gemeindebezirks. Dies ist kein Tribut, nur eine Erinnerung daran, dass Österreich einen Pop-Star hatte.

Einzelhaft (1982)
...des Wieners Kultalbum.
Nach Gastspielen bei der Hallucination Company und Drahdiwaberl brachte Hansi Hölzel als Falco mit dem Titel "Ganz Wien" seine erste Single auf dem Markt. Ö3 war von dem zynischen Sittenbild schockiert. Die Kritiker hingegen frohlockten: Endlich gab es jemanden in Österreich, der moderne Popmusik mit internationalem Format machte. Die Formel des Debutalbums "Einzelhaft" schien einfach: Man nehme trendigen New Wave und paare diesen mit deutschem Sprechgesang. Nur ganz so einfach war es nun auch wieder nicht. Schlussendlich lag es vor allem an der gekonnten Selbstdarstellung des Künstlers, dass solch reges Interesse bei den Massen aufkam. Da war plötzlich einer, der auf präpotente, goscherte und kritische Art den deutschsprachigen Rap erfand. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollten: Falco war seiner Zeit voraus. Er fuhr auf dem Zeitgeist-Express, ist auf diesen jedoch nicht aufgesprungen, sondern war selbst Initiator. Kuriosum am Rande: Mit seinem ersten wirklich großen Hit "Der Kommissar" schaffte es Falco sogar bis in die New Yorker Club-Szene. Unglaublich, aber wahr: Da tanzten schwarze Hip Hop-Kids zu wienerischem Rap. Schon allein dafür gebührt Hansi Hölzel Respekt in alle Ewigkeit.

Junge Römer (1984)
...Österreichs zweitbeste Pop-Platte.
Da hatte das biedere Österreich endlich seinen Popstar, und was passierte? Voller Neid und Missgunst ließ es Falco schon mit dessen zweitem Album in der Gunst gnadenlos absacken. Noch dazu völlig zu unrecht. Immerhin kreierte Produzent Robert Ponger auf "Junge Römer" den wohl kongenialsten Electro-Pop-Sound, der jemals in diesem Land erschaffen wurde. Das Konzept schien ausgetüftelt bis zum Letzten: Der smarte, exzentrische Pop-Beau, dessen ultracooler Sprechgesang und dazu piekfeine Musik im Hochglanzformat. Unterstützt wurde das Ganze von der gleichnamigen, grandiosen ersten Single, die Falco selbst als Verbeugung vor seinem Idol David Bowie und dessen Hit "Let's Dance" offenbarte. Nichtsdestotrotz avancierte "Junge Römer" zum Flop und Hansi Hölzel wurde schneller als gewollt wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Parallel zu "Junge Römer" veröffentlichte Falco das Longform-Video "Helden von heute", dessen unvergleichbare Selbstparodie in diesem Land die Clip-Revolution einläutete. Man erinnere sich nur an die makellose Humphrey Bogart-Imitation in "Brillantin brutal".

Falco 3 (1985)
...des Falken Welthit.
Versuchte es Falco bei "Junge Römer" noch mit künstlerischem Anspruch, so wurden beim Nachfolger "Falco 3" jegliche Ambitionen einem Ziel untergeordnet: Welterfolg. Falco wechselte das Produzententeam und ließ sich von den Bolland-Brüdern massenkompatiblen Bombastrock mit Blick auf die internationalen Charts zurechtbasteln. Gepaart mit amerikanisch beeinflussten, allerdings immer noch vorwiegend deutschen Texten wurde das Ziel mehr als nur erreicht. Die Single "Rock Me Amadeus" übertraf alle Erwartungen und besetzte vier Wochen lang die Spitze der US-Billboard-Charts. Parallel dazu knackte sogar "Falco 3" die amerikanischen Album-Top 10. Spätestens damit wurde Falco zum bis dato einzigen österreichischen Popstar mit Weltformat. In Deutschland sorgte vor allem der Song "Jeanny" für Aufsehen. Die Medien interpretierten den Text als sexuelles Gewaltverbrechen und verhängten darüber ein bundesweites Radio- und Videoverbot. Die Folge war ein Riesenhit. Und Falco lachte sich ins Fäustchen.

Emotional (1986)
...die Selbstkarrikatur, die keiner verstand.
Eigentlich hätte es auch diesmal klappen müssen. Schon im Vorfeld zum "Falco 3"-Nachfolger waren alle Weichen auf Erfolg gestellt. Mit der Single "The Sound Of Musik" hatte Falco einen wahren Kracher am Start, der zweifelsohne das Potential zur "Amadeus"-Nachfolge besaß. Was schlußendlich Schuld daran war, dass der Song nicht zum erhofften Hit wurde, bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Das Einzige, was Falco damals noch retten konnte, war ein zweiter Teil des "Jeanny"-Skandals. "Coming Home" wurde zwar zum müden Aufguss seines Vorgängers, konnte aber zumindestens den deutschsprachigen Raum einigermaßen befriedigen. Mit "Emotional" bewegte sich Falco erstmals ansatzweise in Richtung Soul und Blues. Vor allem den Titelsong des Albums konnte man als durchaus gelungenen Versuch dieser Weiterentwicklung bezeichnen. Aber wie so oft, wenn sich Falco neuen künstlerischen Ansprüchen zuwendete, scheiterte er am Missverständnis des Publikums. Das Abenteuer Amerika konnte sich der Falke damit jedenfalls abschminken. In der englischsprachigen Musikszene war er nicht mehr als ein "One-Hit-Wonder".

[RETRO: FALCO = 50 (2) ...des Falken Tiefflug]

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