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Was für ein Bandname. Was für ein Album. Wen stört da noch, dass "Fear Is On Our Side" wenig Originalität bietet? Lasset uns leiden. Mit dem besten "Serious Indie Rock" dieser Tage.

I Love You But I've Chosen DarknessEine Band aus Texas. Noch dazu mit einem doch etwas ungewöhnlichen und vor allem überdimensionalen Bandnamen. Da fallen einem zuallererst die famosen Krachmacher von ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead ein. Nun gibt es aber eine weitere Band, die diesem unübersehbaren Faible für ausschweifende Zungenbrecher frönt. Und noch dazu dieselbe Herkunft hat. Was in diesem Fall allerdings keine ähnlichen musikalischen Neigungen mit sich bringt. Vielmehr klingen ILYBICD nach dem Großbritannien der Spätsiebziger und Frühachtziger, nach Joy Division und den frühen The Cure. Das hat kaum etwas mit dem schwer angesagten Indie-Rock dieser Tage zu tun. Nix da Franz Ferdinand oder The Strokes. ILYBICD stehen für die ernstere Fraktion. Wenn man schon unbedingt einen Vergleich braucht, dann können dafür noch am ehesten Interpol herhalten. Allerdings in einer hinsichtlich Tempo eindeutig gedrosselten Version. ILYBICD zelebrieren nämlich mit Vorliebe eine langsamere, eher monotone Gangart. Jene Musik, wo man sich wunderbar darin verlieren und dabei so richtig schön mies fühlen kann. Kurz: Der ultimative Soundtrack für alle depressiven Seelen auf Erden.

"Fear Is On Our Side" ist nach der selbstbetitelten, von Britt Daniel (Spoon) produzierten EP (2003) und der 12-Inch "According To Plan" / "Thoughts On The Floor" (2005) erst der dritte Release des Quartetts aus Austin, das gerade mal vor knapp vier Jahren ins Leben gerufen wurde. Bei den Aufnahmen zu ihrem Album-Debut saß niemand geringerer als Paul Barker, seines Zeichens bis 2004 Mitstreiter von Al Jourgensen bei Ministry, hinter den Reglern. Wer jetzt eine durch und durch aggressive Platte erwartet, liegt falsch. Der Sound von "Fear Is On Our Side" ist vielmehr gekennzeichnet von schwermütiger und düsterer Atmosphäre. Irgendwo zwischen Post-Punk und Dark-Wave. Passend dazu das schwarze Album-Cover. Mit einem himmelblauen Herz im Zentrum, welches ein auf den Kopf gestelltes, schwarzes Kreuz in sich trägt. Da frohlockt das Gruftie-Herz.

Natürlich könnte man als Schubladendenker die Musik von ILYBICD in der Gothic-Ecke verkommen lassen. Indizien gäbe es dafür genug: Zuallererst der sterile, fast schon künstlich wirkende Sound. Oder das dominante Zusammenspiel von stoisch hämmernden Bass- und Schlagzeug-Rhythmen. Dazu die schrillen, richtiggehend herausleuchtenden Gitarren und die nach hinten gemischten, distanzierten Vocals. Nicht zu vergessen das ein oder andere eindringliche Instrumental, von dem Robert Smith heutzutage nur noch träumen kann. Zugegeben: Hatten wir alles schon mal. Und natürlich darf man aufgrund all der offensichtlichen Einflüsse schon mal skeptisch sein. Aber in dieser Qualität habe ich Vergleichbares schon lange nicht mehr zu Ohren bekommen. Da ändert auch nichts daran, dass "Fear Is On Our Side" anfangs etwas eintönig klingen mag. Nur Geduld, mit Fortdauer entwickelt dieses Album nämlich zunehmend eine Eigendynamik, die von ungeheurer Intensität gekennzeichnet ist. Dieses faszinierende Klangerlebnis mag nicht gerade die typische Frühlingsplatte sein. Und aufgrund seiner leicht morbiden Romantik kann man dieses Album auch durchaus allen überzeugten Schwarzträgern zuordnen. Muss man aber nicht. Hingebungsvoll vor sich herleiden können auch andere. Scheiß auf die ersten Sonnenstrahlen in diesem Jahr. I've Chosen Darkness.

I Love You But I've Chosen Darkness: Fear Is On Our SideI Love You But I've Chosen Darkness
Fear Is On Our Side
13.03.2006


[chosendarkness.com]
srocca - 27. Mär, 18:58:
Bandname
Das ist wieder eine Band, bei der man die Platte alleine wegen dem tollen Namen anhören sollte. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: I love you but i've chosen darkness. Wäre übrigens auch ein großartiger Film- oder Buchtitel. 
wasix - 28. Mär, 13:21:
na ja...
a bisserl sympathie hinsichtlich der musik sollte schon auch vorhanden sein. nur der bandname allein tut's auch nicht. aber ist ja schon etwas, wenn der name allein dafür sorgen sollte, dass man sich diese band anhört. sie haben es sich jedenfalls verdient... 
driftwood - 14. Apr, 12:01:
Ich mag den Bandnamen nicht.
Die Lieder auf der Ep fand ich zu meiner Überraschung ganz nett, wegen dem Bandnmane erwartete ich ja schon Emo in seiner schlimmsten Ausprägung. Ins Album wird so wohl reingehört, wobei ich das Cover mindestens so schrecklich finde, wie den Bandnamen. 
wasix - 14. Apr, 17:30:
okay...
über das cover lässt sich diskutieren. erst recht wenn man das dazugehörige, äußerst mikrige booklet mal gesehen hat. aber beim bandnamen bleibe ich dabei: genialst. nun ja, geschmäcker sind verschieden. und das ist - verdammt noch mal - gut so... ;-)))