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Mew definieren den Begriff "Konzeptalbum" neu. Und befreien mit "And The Glass Handed Kites" gleich auch noch den Prog-Rock aus seiner Gruft. Soetwas nennt man wohl Kunstwerk.

Ich gebe es ja zu: Ich bin spät dran. Für Viele zählte "And The Glass Handed Kites" schon 2005 zu den besten Platten des Jahres. Wurde das gute Stück doch in den meisten europäischen Ländern bereits im vergangenen September veröffentlicht. Nicht so im deutschsprachigen Raum. Sehr wohl im englischen Königreich. Dort nahm die hiesige Musikpresse das Album ziemlich euphorisch auf. Von einem "dazzling post-prog opus" (NME) war die Rede. Oder von der "best new prog band in the world" (Mojo). Wobei auch gleich verraten wäre, um welche Art von Musik es sich bei "And The Glass Handed Kites" handelt: Prog-Rock bzw. -Pop. Eine Musikrichtung, die Mitte der Sechziger ihren Ursprung hat. Ausschweifendes Liedgut. Stilistisch nicht wirklich eingrenzbar. Namedropping gefällig? Pink Floyd, Yes, King Crimson. Um nur einige der bekanntesten "progressiven" Bands längst vergangener Tage zu nennen.

MewFür genau solche Musik stehen im Hier und Jetzt also die Macher von "And The Glass Handed Kites". Mew sind ein Quartett aus Hellerup in Dänemark. Wobei Sänger Jonas Bjerre nicht in seiner Heimatsprache singt. Leider. Es hätte gepasst. Denn wirklich verstehen tut mein sein Englisch ohnehin nicht. Einerseits wegen der hohen Stimmlage, andererseits wegen dem bombastischen Drumherum. Was bleibt ist Kauderwelsch. Nicht weiter wichtig. Verhält es sich bei der Musik von Mew doch ganz ähnlich wie bei der ihrer isländischen Kollegen von Sigur Ros. Auch auf "And The Glass Handed Kites" - dem inzwischen vierten Album von Mew - zählt nicht der textliche Inhalt, sondern einzig und allein die Stimmung. Und diese ist über alle Maße verträumt, schlichtweg wundervoll. Fast schon surreal, wie nicht von dieser Welt, kommt der überladene Breitwand-Sound rüber. Beim ersten Hören darf man da schon mal verwirrt sein. Denn "And The Glass Handed Kites" braucht zweifelsohne Zeit, hat man es hier doch keinesfalls mit einem herkömmlichen Singles-Album zu tun. Vielmehr mit einem äußerst ambitionierten Konzeptalbum, wobei es schon ein paar Durchgänge benötigt, bis man alle Feinheiten entdeckt und sich die einzelnen Teile zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Im Idealfall nennt man soetwas Gesamtkunstwerk. Vom ersten bis zum letzten Song ein Erlebnis.

Dieser Tage erschien "And The Glass Handed Kites" endlich auch hierzulande. Mit einer Verspätung von fast fünf Monaten. Wenigstens werden wir mit zwei Bonustracks verwöhnt. Einer davon ist die japanische Version des herzzerreißenden "White Lips Kissed". Wer da nicht dahinschmilzt, für den ist diese Art von Musik nichts. Doch keine Sorge: Als Verweigerer ist man kein Einzelfall. Denn dieses Album wird so manch einen verstört zurück lassen. Dieser Bombast. Diese Melodien. Dieser Wahnsinn. Dazu ein Meer aus Kitsch. Soetwas kann einfach nicht Jedermanns Sache sein. Soll es auch nicht. Ich bin von "And The Glass Handed Kites" jedenfalls begeistert. Ein fantastisches Album. Auch wenn das Cover abgrundtief hässlich ist. Next Step: Der allerorts hochgelobte Vorgänger "Frengers" muss angehört werden. Jetzt. Gleich. Sofort.

Mew: And The Glass Handed KitesMew
And The Glass Handed Kites
06.02.2006


[mewsite.com]
wiesengrund - 5. Feb, 15:06:
passend dazu...
...möchte ich mein entrüstung und enttäuschung über die neue secret machines loswerden. die wären meine hoffnung gewesen aus der ecke, nach dem sensationellen debüt. aber nada, fade hose. ärgerlich. 
wasix - 5. Feb, 16:22:
ten silver drops
die vorab-single finde ich okay. das album kenne ich noch nicht. ist es denn schon geleaked? 
wiesengrund - 5. Feb, 16:26:
yep
...seit 29. siehe auch diesen torretn-hinweis. 
wasix - 5. Feb, 16:29:
danke, danke
na dann schau (bzw. hör) ma mal...