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Sigur Ros @ Arena, Open Air. Die bezaubernde isländische Klangwelt sorgte für ein wahrlich berauschendes Fest. Es scheint doch tatsächlich noch Hoffnung für diese Welt zu geben.

Unpünktlichkeit nervt. Weniger den, der zu spät kommt, vielmehr den, der warten muss. Nun bin ich keiner der stets überpünktlichen Sorte, aber auch keiner, der immer und überall nach vereinbarter Zeit auftaucht. Das ist im Alltag so, noch mehr bei Konzertbesuchen. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals bei einer Veranstaltung mit Live-Musik den Beginn versäumt zu haben. Jedenfalls bis zum diesjährigen Wien-Gastspiel von Sigur Ros auf dem Freiluftgelände der Arena. Einerseits war ich selbst schuld, andererseits hätte auch alles gut gehen können, wäre der vorweg angegebene Timetable eingehalten worden. Dass die 19.20 Uhr bei The Kissaway Trail und die 20.10 Uhr bei Yeasayer nicht gestimmt haben, war egal, fehlte mir dafür an diesem Abend ohnhin Zeit, Lust und Laune. Die verpasste Viertelstunde beim Hauptact hingegen traf mich schwer. Schon allein wegen des auserwählten Einstiegsongs: "Svefn-G-Englar", das Stück mit dem "Ping" aus dem grandiosen "Agætis Byrjun". Da darf man sich enttäuscht zeigen. Da darf man auch schon mal etwas schwerer in einen doch eigentlich herbeigesehnten Konzertabend hineinfinden.

Sigur Ros' Jonsi BirgissonImmerhin war bereits im Vorfeld mit einem ganz besonderen Live-Event zu rechnen. Weil nach einer Reihe von Festival-Auftritten, mehr als ein Monat noch vor den drei Deutschland-Terminen. Hinzu kam, dass uns Sigur Ros dieses Konzert nun schon geraume Zeit schuldig waren. Hätte der dritte Wien-Gig der isländischen Großmelancholiker doch bereits 2005 über die Bühne gehen sollen. Leider wurde dieser damals, noch bevor überhaupt Karten im Vorverkauf erhältlich waren, auch schon wieder abgesagt. Zum Leidwesen aller, die die Band entweder am 13.04.2001 in der Szene oder am 16.10.2002 in der Spark 7 Hall bereits live miterleben durften und somit nachvollziehen konnten, was einem hier entging. "Beeindruckende Konzerte. Ein Fest für Liebhaber der langsameren Gangart, die einerseits kitschigem Wohlklang und andererseits auch schier endlosem Gitarren-Feedback nicht abgeneigt sind. Glücksgefühle ohne Ende." Und dann hätte das dritte Mal auch noch Open Air in der Arena - Wiens bester Rahmen für Freiluft-Konzerte - stattfinden sollen. Tat es dann auch. Drei Jahre später als geplant.

Es war das Warten wert. Und mehr. Scheinen Sigur Ros nach all den Jahren doch immer noch im Stande zu wachsen. Sowohl in Sachen Quantität der aufgebotenen Bühnenmusiker - zwischenzeitlich 13 an der Zahl, inklusive Mini-Blasmusikkapelle -, als auch hinsichtlich Qualität des von ihnen in knapp zwei Stunden Dargebotenem. "Verquer verliebte Verschrobenheit, extremstes Gespür für Pop der ganz großen Sorte, Bombast mit Augengezwinkere und lieblichster Wille zum verspielten Noise." Nicht zu vergessen die Sangeskunst von Frontmann Jonsi Birgisson, dessen himmlischer Chorknabenfalsett einem immer noch, vor allem immer wieder auf's Neue in berauschende Konzertmomente zu hieven vermag. Weil zum Ohrenschmaus inmitten überdimensionaler, weißer Licht-Ballons und buntem Konfettiregen auch noch etwas für's Auge hinzu kam, konnte hierbei nur gelobhudelt werden. Kurz: Ganz großes Kino. Dementsprechend ausufernd die Beifallstürme. Und das bei einer Band, wo man sich eigentlich nie zu klatschen traut, weil doch alles so andächtig, man keinesfalls der sein will, der frühzeitig stört. Gänsehaut-Feeling. Kniefall.

Sigur Ros / Yeasayer / The Kissaway Trail
08.07.2008 - Arena (Open Air), Wien.


Setlist:
Svefn-G-Englar / Glosoli / Se Lest / Ny Batteri / Við Spilum Endalaust / Hoppipolla / Með Bloðnasir / Fljotavik / Viðrar Vel Til Loftarasa / Sæglopur / Inni Mer Syngur Vitleysingur / Olsen Olsen / Hafsol / Gobbledigook.
Encore 1: Popplagið. Encore 2: All Right.

[sigur-ros.co.uk] [myspace.com/sigurros]
[yeasayer.net] [myspace.com/yeasayer]
[thekissawaytrail.com] [myspace.com/thekissawaytrail]

[UPDATE: SIGUR ROS... WITH A BUZZ IN THEIR EAR...]

[Review: Sigur Ros - Með Suð I Eyrum Við Spilum Endalaust]
[Review: Sigur Ros - Takk]