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Viennale 2008, die Dritte: Ein dokumentarischer Animationsfilm über die Traumata des Krieges. "Waltz With Bashir" ist Regisseur Ari Folmans eigene Form der Therapie. Eine, die lange nachwirkt.

Waltz With Bashir

Wie kann man den Krieg vergessen, in dem man selbst gekämpft hat? Dieser Frage geht Ari Folman - zugleich Regisseur, Drehbuchautor, Hauptfigur - in seinem dritten Spielfilm nach. ""Waltz With Bashir" bezieht sich auf die Massaker, die 1982 in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila an Palästinensern verübt wurden - von libanesischen christlichen Phalangisten, nachdem deren Führer Bashir einem Attentat zum Opfer gefallen war. Die Phalangisten waren Verbündete Israels, der damalige Verteidigungsminister Ariel Sharon wurde später wegen Duldung der Massaker, von denen er Kenntnis hatte, verurteilt. Zwanzig Jahre später wurde Sharon Premierminister." [viennale.at] "Waltz With Bashir" ist für den 1962 in Haifa geborenen Folman die Reise in seine eigene Vergangenheit. Er selbst diente Anfang der Achtziger in der israelischen Armee, war mitten in den Kampfeinsätzen im Libanon. Da er an jene Zeit keinerlei Erinnerung hatte, versuchte er mit Unterstützung seiner einstigen Weggefährten zu rekonstruieren, was damals geschah, welche Rolle er in diesem Krieg spielte.

"Waltz With Bashir" - "Israel's 2009 Academy Awards official submission to Foreign-Language Film category" - ist ein Streifen über die psychischen Langzeitfolgen, die Krieg bei den Beteiligten auslöst. Verdrängte Erinnerungen, Schuldgefühle, Narben, all das hinterlässt die Extremsituation Krieg auf der menschlichen Seele. "Waltz With Bashir" geht darauf ein, verzichtet gleichzeitig allerdings auf das Genretypische: Kein belehrender Tonfall, kein moralischer Zeigefinger, auch keine Betroffenheitsfloskeln. Stattdessen erlebt man als Zuschauer eine spannende Mischung aus Autobiografie, Psychodrama und Geschichtsfilm. Man ist der stille Beobachter, der Folman bei der Aufarbeitung seiner verdrängten traumatischen Erlebnisse begleitet. Puzzlestück für Puzzlestück wird zusammengesetzt, um am Ende ein furchtbares Bild zu offenbaren. Wo Heckenschützen, Autobomben und Kampfjets ein Land in Schutt und Asche legen. Und so sitzt man im Kino, geografisch als auch zeitlich weit weg von diesem Krieg, womöglich gar ohne geschichtliches Hintergrundwissen, und es geht gar nicht anders, man ist mitgerissen, bewegt, schockiert.

"Waltz With Bashir" ist ein Dokumentarfilm, der seine Wucht sowohl von der Symbiose aus Zeitzeugeninterviews, Rekonstruktionen und Traumsequenzen als auch durch seine überragende Ästhetik gewinnt. Stichwort: Animationsdoku. Grandios gezeichnete Bilder, die dem Film einen einheitlichen Stil verleihen. Eine gelungene Verschmelzung aus Zeichnung, Computeranimation und Fotoelementen, niemals gekünstelt wirkend, durch eindringliche Darstellung in ihren Bann ziehend. Man sieht animierte Bilder aus einem Krieg, der tatsächlich stattgefunden hat. Und hört dazu altbekannte Popsongs aus dieser Zeit. "Enola Gay" von OMD, "This Is Not A Lovesong" von PiL. In der nächsten Szene stimmungsvolle Synthesizer, dann wiederum klassische Klaviermusik. Ein Soundtrack, der den geradezu surrealen Touch von "Waltz With Bashir" perfekt wiedergibt. Da wechseln sich schwarzer Humor mit poetischen Szenen und schockierender Härte ab. Eindringlich erzählt, visuell beeindruckend umgesetzt, mit großartiger Musik unterlegt. Folman hat einen unkonventionellen wie auch bewegenden Film erschaffen. "Nothing short of the best war movie that I've seen in a very long time..." Ein atemberaubender Walzer.

Waltz With BashirWaltz With Bashir
Regie: Ari Folman.
Animation
31.10.2008 / Viennale 2008


[waltz-with-bashir.de] [imdb.com]

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