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Viennale 2008, die Zweite: In Darren Aronofskys "The Wrestler" liefert Mickey Rourke die Performance seines Lebens ab. Und das als alternder Show-Catcher. "Seriously, you're totally going to cry."

Mickey Rourke in "The Wrestler"

"Ein Kampf ist ausgefochten. Der Wrestler Randy "The Ram" steigt unter die Dusche, ohne sich vorher zu entkleiden. Allmählich löst sich der Schweiß und das Blut von seinem Dress, und das Wasser in der Wanne färbt sich rot. Die Kunstfigur verwandelt sich in diesem stillen Moment zurück zum Menschen, zur einsamen Kreatur, der die Anstrengung des Kampfes immer noch anzusehen ist." [viennale.at] Wurde in den Achtzigern für ihn noch eine eigene Actionfigur designt, so ist "The Ram" heute nur noch ein tragisches Abbild längst vergangener Ruhmeszeiten. Sein Körper und Gesicht sind merklich gezeichnet. Von den unzähligen Kämpfen, aber auch vom jahrelangen Medikamentenmissbrauch. Da ist schon noch der durchtrainierte Body, nur dass dieser inzwischen nicht mehr sein wahres Alter verbergen kann. Da hilft keine nahtlose Solariumbräune, auch keine blond gebleichte Mähne. "The Ram" ist ein in die Jahre gekommener Wrestler. Einer, der schon längst nicht mehr in ausverkauften Hallen auftritt. Einer, der nebst schäbigen Kleinkämpfen mindere Aushilfsjobs annehmen muss. Einer, der traurig und allein sein Dasein fristet.

Randy "The Ram" Robinson wird von Mickey Rourke dargestellt. Mehr noch: Rourke ist "The Wrestler", sowohl Hauptdarsteller als auch Film. Unvorstellbar, man hätte sich - wie ursprünglich geplant - für Nicolas Cage entschieden. "One shudders to think of the wig he would have worn for this." Keine Frage, Rourke ist der einzig Richtige für diese Rolle. Das beginnt schon beim geschundenen Äußeren. Auch er gleicht in gewisser Hinsicht einem Wrack, hat seinem Körper aufgrund der Begeisterung fürs Boxen irrepparablen Blessuren zugefügt. Genau so einem nimmt man den abgehalfterten Profi-Ringer ab, der immer schneller aus der Puste kommt, der ein Hörgerät trägt, dem seine immer schlechter werdenden Augen zu schaffen machen. Hinzu kommt Rourkes Vergangenheit des einstigen Hollywood-Beaus. Auch er war mal ganz oben. Auch seine besten Zeiten liegen bereits einige Jährchen zurück. Wobei Rourke im Gegensatz zu "The Ram" womöglich doch noch einem Happy End entgegensteuert. Seine unfassbare Leistung in "The Wrestler" macht es nicht nur möglich. Mickey for Oscar? Warum eigentlich nicht?

Darren Aronofsky - Regisseur des bahnbrechenden "Pi", des schockierenden "Requiem For A Dream", des weit unterschätzten "The Fountain" - ist eine schnörkellose Hommage fern jeglicher von ihm gewohnten optischen Spielereien gelungen. "The Wrestler" erweist sich als Körperfilm durch und durch. Hier wirkt nichts gestellt, man wähnt sich immer mitten im Geschehen. Sei es bei den derben Wrestling-Szenen. Sei es bei den herzerweichenden Versuchen von "The Ram" sein Leben zu meistern. Egal wann, egal wo, die Kamera bleibt stets ganz dicht beim Protagonisten. Schonungslos offenbarte Intimität, die schmerzt, aber auch im Stande ist einiges klarzustellen. Erstens: Hairspray-Metal hat mal ziemlich gerockt... "and then that pussy Cobain came along and ruined everything". Zweitens: Marisa Tomei kommt mit 43 um einiges heißer rüber als die halb so alte Ex von Marilyn Manson. Drittens: Bruce Springsteen bringt es noch. Sein exklusiv für "The Wrestler" geschriebener Song ist der Beweis dafür. Bleibt nur noch zu klären, was der letzte Satz in den Credits zu bedeuten hat: "The producers and filmmakers would like to extend their sincerest thanks to Axl Rose."

The WrestlerThe Wrestler
Regie: Darren Aronofsky.
Mit Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood.
27.02.2009 / Viennale 2008 (OF)


[thewrestlermovie.com] [imdb.com]

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