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Es fehlt der Überraschungseffekt des Erstlings, die Nähe des Zweitwerks. Und nein, gewagt bedeutet nicht automatisch gut. Spaß darf Bloc Partys "Intimacy" aber trotzdem machen.

Bloc Party: Russell Lissack - Matt Tong - Kele Okereke - Gordon Moakes.

Vergingen zwischen Debut und dessen Nachfolger zwei Jahre, sollte es bis zur Veröffentlichung von Album Nr.3 nur noch eineinhalb Jahre dauern. Jedenfalls was die kurzfristig angesetzte Vorab-Download-Version betraf. Jene mit zehn Tracks und gut 43 Minuten Spielzeit, die zwei Monate später beim regulären CD-Release mit einer weiteren Single, zwei Bonustracks und insgesamt knapp 14 Minuten angereichert wurde. Eine Vorgehensweise, die nicht neu ist. Radiohead haben es vor-, Nine Inch Nails nachgemacht. Nun setzten es auch Bloc Party in die Tat um. Ihr Stellenwert machte es möglich. Die Verkaufszahlen der ersten beiden Platten, die herangewachsene Fangemeinde, die Resonanz auf ihre Konzerttourneen. Man hatte sich einen gewissen Status erarbeitet. Einer, der es erlaubte Neues zu probieren, mit Vergangenem zu brechen und dabei trotzdem keine Konsequenzen befürchten zu müssen. Okay, einigen der Fans erster Stunde blieb bei der kinda Euro-Disco, Cher-like Interimssingle "Flux" nur noch ein Kopfschütteln, gleichzeitig formierte sich aber eine Hörerschicht, die dieser Radikalwende durchaus etwas abgewinnen konnten.

Auch wenn Kele Okereke "Flux" im nachhinein gerne als Scherz bezeichnete, so schlugen Bloc Party mit der ersten Hörprobe zum neuen Album doch genau in dieselbe Kerbe. "My mercury's in retrograde." Ein weiterer schriller Dancefloor-Kracher, wobei man den Elektro auf die Spitze trieb, wie irre sampelte, alles wild durcheinander mixte. Sehr einfallsreich, sehr effektbeladen, sehr anders. Wenigstens im Vergleich zu dem, was man von "Silent Alarm" und "A Weekend In The City" gewohnt war. Nein, wenn man Bloc Party bei "Flux" und "Mercury" eines nicht vorwerfen konnte, dann, dass sie sich auf ihren Lorbeeren ausruhten. Stattdessen eine Neuorientierung, die auch auf Albumlänge ihre Spuren hinterlassen sollte. Wenn auch nicht 13 Songs hindurch. Doch wenn der "alte" Sound auch immer wieder aufflackert, so erweist sich ganz Vieles auf "Intimacy" - man lasse sich von dem Albumtitel nicht irreleiten - von elektronischen Spielereien geprägt, kommt folglich merklich synthetischer rüber. Keine Frage, hier wurde ganz viel mit Studioequipment herumexperimentiert. Fazit: Kunst, Ambition, Innovation. Trendverliebt? Oder doch einfach nur zeitgemäß?

"Intimacy" ist kein atmosphärisch dichtes Werk wie sein Vorgänger. Die Songs wirken eher lose miteinander verknüpft. Folglich ist es auch kein Album, das man unbedingt als Ganzes hören muss, wirkt vielmehr der Shuffle-Kultur dieser Tage angepasst. Eben ein typisches Download-Album. Geschrieben, aufgenommen, gemischt für genau diesen Zweck. Wenn auch von namhaftem Personal wie Jacknife Lee, Paul Epworth und Alan Moulder. Und so bleibt dieser betont blecherne Sound, der bei ausgelasseneren Tracks praktisch permanent am Loudness-Limit kratzt. Soetwas kann sich bei richtigen Boxen ziemlich grottig anhören, wird vor allem auch Freunde des guten, alten Vinyls in die Flucht schlagen. Soetwas hat gleichzeitig aber den Vorteil, dass man wiederum bei den üblichen Computer-Speakers nichts falsch machen kann. In Zeiten wie diesen kein unbedeutender Aspekt. Vielleicht liegt es genau daran, dass auch ich Musik immer öfter via Billiglautsprecher oder iPod mit ebenso wenig tollen Kopfhörern konsumiere, dass mich das mindere Klangerlebnis von "Intimacy" nicht wirklich stört. Ich mag diesen pervers geilen Sound mit all seinem Gescheppere und seinen Spielereien. Ziemlich unpopuläre Meinung, ich weiß.

Bloc Party: IntimacyBloc Party
Intimacy
21.08.2008 (Download) / 27.10.2008


[blocparty.com]
[myspace.com/blocparty]

[Review: Bloc Party - Silent Alarm]
[Review: Bloc Party - A Weekend In The City]

[Bloc Party @ Gasometer, Wien - 05.05.2007]

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