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Daniel Johnston @ Arena. "Der größte real existierende Anti-Held der Popkultur" (Zitat: Die Zeit) gab in Wien einen seiner raren Konzertauftritte. Ein seltsam intensives wie auch berührendes Erlebnis.

Es war an einem Sonntag vor gut sechs Jahren. Genauer am 13. Oktober 2002. Daniel Johnston trat erstmals in Wien auf, spielte im Flex eines seiner selten Live-Konzerte. Ich muss zugeben, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt erst sehr vage mit seiner Musik beschäftigt hatte. Natürlich war mir sein Name bereits untergekommen. Man erinnere sich nur an die MTV-Awards 1992, wo ein gewisser Kurt Cobain das von Johnston kreierte "Hi, How Are You"-T-Shirt trug und damit den Kult um den "etwas anderen" Songwriter und Maler mitbegründete. Doch auch wenn man sich schon damals für dessen Werk interessierte, so war es nicht gerade einfach an dieses heranzukommen. In marktgängiger Form lag es in den Neunziger nämlich praktisch nicht vor. Im sehr gut sortierten Fachhandel tauchten dann Anfang dieses Jahrzehnts immer wieder mal zwei, drei Titel auf. Den Rest musste man sich vom Erzeuger direkt schicken lassen. Nicht zu vergleichen mit der Gegenwart, wo jede Menge berufene Quellen im Internet einem den Zugang zu Johnstons Musik erleichtern.

Daniel JohnstonSein erstes Wien-Gastspiel hätte zum einzigartigen Ereignis werden können. Galt längeres Touren aufgrund der psychischen Instabilität des manisch-depressiven und von Schizophrenie geplagten Johnston damals doch als nicht durchführbar. Mit ein Grund, warum man sich im Auditorium wie ein Voyeur fühlen musste. Fast so als würde man etwas Indiskretes tun. Einerseits bewunderte man Johnston, wie er all das Leid und die Liebe in seiner Musik dermaßen auslebt. Andererseits wollte man keinesfalls dieser Mensch da oben auf der Bühne sein. Jener dickliche Mann in T-Shirt, Jogginghose und Turnschuhen, der mal an der Akustikgitarre, mal am Piano sein herzzerreißendes Liedgut zum Besten gab. Nein, das war kein qualitativ hochwertiges Set, durfte man von seiner Person auch gar nicht erwarten. Dafür wirkte er auf der Bühne viel zu unsicher. Was diesen Auftritt so einzigartig machte, war die Tatsache, dass man hier in einer Dreiviertelstunde die nackte Wahrheit in ihrer reinsten Form zu Augen und Ohren bekam. Bezeichnenderweise entschuldigte sich der "Sorry Entertainer" (Johnston über Johnston) am Schluss auch noch für das "schlechte" Konzert und versprach das nächste Mal besser zu sein.

Sein Gesundheitszustand scheint sich dieser Tage stabilisiert zu haben. Immerhin war der inzwischen 47-jährige im Stande, im Oktober/November dieses Jahres eine 17-Städte-Tournee durch Europa abzuhalten. Inklusive Rückkehr nach Wien. Wobei es schien, als wäre es Gestern gewesen. Dasselbe Erscheinungsbild. Dieselbe Unsicherheit. Derselbe besondere Flair. Und seine Konzerte sind immer noch kurz. Das war auch diesmal in einer gut gefüllten Arena so. Es begann mit einer Solodarbietung. Vier Nummern in etwa zehn Minuten. Johnston, seine Klampfe und der Notenständer mit Aufzeichnungen und Songtexten. Danach verließ er auch schon wieder die Bühne. Fünf Minuten später die Rückkehr. Mit der holländischen Vor- und Begleitband John Dear Mowing Club. Es folgte ein gut halbstündiges Set, einschließlich herrlich schräger Coverversion von "Help". Weil er doch der größte Beatles-Fan auf Erden ist. Die einzige Zugabe des Abends: "True Love Will Find You In The End". Merklich angespannt, mit zittriger Hand das Mikro umklammernd. Man litt richtiggehend mit. Johnston wünschte uns noch ein "Merry Christmas" und verschwand. Nach einigen Minuten gingen die Saallichter an, einhergehend mit der Gewissheit, dass er nicht mehr zurück kommen würde. Ab 23 Uhr geht bei Daniel Johnston nichts mehr. Dienstschluss. Sorry Audience.

Daniel Johnston / John Dear Mowing Club
05.11.2008 - Arena, Wien.


[hihowareyou.com] [myspace.com/dannyjohnston]
[mowingclub.com] [myspace.com/johndearmowingclub]

[Review: The Devil And Daniel Johnston - Regie: Jeff Feuerzeig]

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