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Ich war nie ein großer James Bond-Fan. "Casino Royale" hingegen interessierte. "Quantum Of Solace" sorgt nun gar für Umdenken. Weniger wegen 007 selbst, vielmehr wegen dessen Darsteller.

Daniel Craig in "Quantum Of Solace"

Was "Quantum Of Solace" nicht ist? Ein weiterer durchschnittlicher Actionfilm aus der 007-Reihe, wie wir sie in den Neunzigern vorgesetzt bekamen. Damals, als man mit Pierce Brosnan in der Titelrolle des Geheimagenten im Dienst Ihrer Majestät verzweifelt versuchte, die klassische Atmosphäre längst vergangener Zeiten - der Sechziger mit Sean Connery, der Siebziger und Achtziger mit Roger Moore - neu aufleben zu lassen. Ein bestenfalls lauwarmes Unterfangen. Mit der späten Einsicht, dass der Bond von damals in der Gegenwart bestenfalls noch antiquiert rüberkommt, viel schlimmer noch: einer billigen Persiflage von vor 30, 40 Jahren gleicht. Eine radikale Neuorientierung war notwendig. Dringend notwenig. Die Anforderungen an britische Super-Agenten in den Nullerjahren sind andere geworden. Folglich musste sich auch James Bond verändern. Ein neuer Typus war gesucht. Und wurde im Zuge der neuerlichen Umbesetzung der Hauptrolle auch gefunden. Nein, ich verstehe das Gejammer eingefleischter Fans nicht, die nach "Casino Royale" (2006) immer noch dem alteingesessenen, allzu typischen Bond-Feeling nachtrauerten.

Was "Quantum Of Solace" hingegen ist? Ein Agenten-Thriller wie man ihn sich nur wünschen kann. Bodenständig, mit nur wenigen Spielereien, dafür umso atemberaubenden Action-Sequenzen. Macht in Summe eine noch gnadenlosere Fortsetzung seines Vorgängers. Von Regisseur Marc Forster auf das Notwendigste reduziert. Keine tollen Autos, keine speziellen Gadgets, auch kein Wodka Martini, weder geschüttelt noch gerührt. Sogar das altbekannte "Bond, James Bond" fehlt. Wüsste man nicht, weshalb man im Kino sitzt, würden all die eindeutigen Hinweise fehlen, Bond 22 wäre gar nicht als solcher zu erkennen. Selbst die Frauengeschichten müssen hintenanstehen. Aus dem sprücheklopfenden Herzensbrecher ist ein wortkarger - keine Sorge, es gibt den einen oder anderen coolen One-Liner -, einzig nach Rache dürstender Mann geworden. Einer, den keiner hätte besser verkörpern können als Daniel Craig. Drückte er schon "Casino Royale" seinen Stempel auf, so erweist sich "Quantum Of Solace" als seine - und nur seine - One-Man-Show. Rücksichtslos, staubtrocken, nichtsdestotrotz höchst charismatisch. Wenn auch einzig unter dem Deckmantel von 007. Willkommen im 21. Jahrhundert, Mr. Bond.

Bleibt noch das übliche Herumnörgeln am neuen Bond-Song. Weil doch immer wieder auf's Neue die extra für den Film komponierten und eingespielten Stücke der letzten Jahre gemessen an Klassikern wie "Goldfinger" von Shirley Bassey (1964), Paul McCartneys "Live And Let Die" (1973) oder "Nobody Does It Better" von Carly Simon (1977) angeblich so kläglich scheitern. Fakt ist, "Another Way To Die" ist das erste Duett in der Bond-Geschichte. Geschrieben und produziert von White Stripes-Mastermind Jack White, der sich die Vocalparts mit R&B-Sängerin Alicia Keys teilt. Allen Unkenrufen zum Trotz: Ein großartiger Themesong. Die Kombination White & Keys greift hervorragend. Ihre Stimmen passen perfekt zueinander. Ebenso wie Keys' filigranes Klavierspiel zu den krächzenden Gitarren von White. Das ist rauer und härter, bleibt aufgrund der Dramatik von Bläser- und Streichereinsätzen aber unverkennbar Bond. Wohlbemerkt: Daniel Craig, nicht Connery, Moore oder Brosnan. Folglich auch in dieser Hinsicht definitiv mehr als bloß "Ein Quantum Trost".

Quantum Of SolaceQuantum Of Solace
Regie: Marc Forster.
Mit Daniel Craig, Mathieu Amalric, Judi Dench.
07.11.2008


[quantumofsolace.com] [imdb.com]

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