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Viennale 2008, die Erste: Vampirstreifen, Kinderfilm oder doch etwas gänzlich anderes? "Låt Den Rätte Komma In" einzuordnen, ist kein Leichtes. Wer auf das US-Remake wartet, ist selbst schuld. (Geschrieben von Bookworm)

Låt Den Rätte Komma In: Kåre Hedebrant - Lina Leandersson

Nach dem Genuss der Romanvorlage vom schwedischen Autor John Ajvide Lindqvist war die Vorfreude auf den - wie so schön bei [viennale.at] angekündigt - "kleinen, großen Horrorfilm, den man zu später Stunde nicht versäumen darf" gleich doppelt groß. Bei dieser Geschichte konnte eigentlich auch gar nichts schief gehen: "Der schmächtige, zwölfjährige Oskar (Kåre Hedebrant) hat es nicht leicht in seinem Leben. Seine Eltern leben getrennt, in der Schule wird er von seinen Mitschülern aufs Gröbste drangsaliert, und rein körperlich hat er nicht die Möglichkeit sich zu wehren. Deshalb ist er sehr einsam und in sich gekehrt. Dies ändert sich jedoch an dem Tag, als er das mysteriöse Mädchen Eli (Lina Leandersson) kennenlernt, welches mit ihrem Vater in die Wohnung nebenan eingezogen ist. Eli ist ein bleiches, ernstes Mädchen, das anscheinend nur in der Nacht nach draußen kommt. Mit ihrer Ankunft beginnt auch eine Serie unerklärlicher Morde, und plötzlich verschwinden Menschen unter äußerst mysteriösen Umständen." [outnow.ch]

Das Drehbuch zum Film stammt ebenfalls von Lindqvist, der die Geschichte für die Verfilmung geschickt gestrafft und die blutigsten, grauslichsten Teile der Handlung ganz gestrichen hat. Trotz Anfragen aus verschiedensten Ländern - unter anderem auch aus den USA - nahm man die Verfilmung in Schweden in Angriff. Regisseur Tomas Alfredson war sofort mit Begeisterung dabei: "Als ich John Ajvide Lindqvists Roman "So finster die Nacht" letzten Sommer las, wusste ich mit Bestimmtheit, dass ich diese Geschichte auf die Leinwand bringen muss. So etwas erlebt man nur bei einem Drehbuch oder einem Roman unter hundert." [filmering.at] Überzeugung, die bereits belohnt wurde. Der Film lief heuer beim Fantasy Filmfest, wo die relativ kleine Produktion als Centerpiece ausgewählt wurde und damit in die Fußstapfen bekannter Vorgänger wie "Die fabelhafte Welt der Amelie" oder "The Devil's Backbone" trat. Auch Hollywood wurde bereits aufmerksam und plant - wieder einmal - ein Remake, wobei sich die Frage stellt, wer das in diesem Fall wirklich braucht? Am schwedischen Original gibt es nämlich rein gar nichts auszusetzen.

Bereits während der ersten Minuten überzeugt "Låt Den Rätte Komma In" - englischer Titel: "Let The Right One In" - durch wunderschöne Kinobilder. Da fällt Schnee in leichten Flocken, Menschen flanieren durch tiefverschneite Landschaften und mittendrinnen passiert ein blutiger Mord. Genau diese Kontraste von fast schon meditativen Bildern, langsamen Erzähltempo und gruseligen Details machen das Besondere dieses Films aus. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen zwei Kinder - unglaublich überzeugend gespielt -, Außenseiter aus unterschiedlichen Gründen. Beide versuchen auf ihre eigene Weise damit klarzukommen und werden zu Freunden. Den Film deshalb als Kinderfilm zu bezeichnen, wäre allerdings eine Themaverfehlung, allein der blutigeren Szenen wegen. Also doch ein Vampirfilm? Klar, Vampire kommen vor, wer sich allerdings gröbere Splatterszenen erwartet, wird enttäuscht sein und wäre mit der Romanvorlage besser bedient. "Låt Den Rätte Komma In" ist vielmehr ein Film für all jene Kinobegeisterten, die sich von schönen Bildern und einer außergewöhnlichen Geschichte verzaubern lassen wollen.

Låt Den Rätte Komma InLåt Den Rätte Komma In
Regie: Tomas Alfredson.
Mit Kåre Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar.
Viennale 2008 (OF)


[lettherightoneinmovie.com] [imdb.com]

[Buchkritik: John Ajvide Lindqvist - So finster die Nacht]

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