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Pixar-Animation präsentiert: Die Zukunftsromanze. Zwischen zwei Robotern. "Waste Allocation Load Lifter Earth-class" liebt "Extraterrestial Vegetation Evaluator". Rührend, witzig, einfach genial.

WALL·E ♥ EVE

Es dauert etwa 40 Minuten bis der erste "menschliche" Dialog zu hören ist. Davor wird nicht gesprochen, auch kaum kommuniziert. Wenn, dann mittels Roboterlaute. Vorwiegend Gemütszustände, mit Fortdauer auch die Namen der Protagonisten. Keinerlei ausschweifendes Geplapper der üblichen Wichtigtuer. Folgedessen auch kein Wortwitz. Dieser ist in den ersten 40 Minuten schlichtweg nicht vorhanden. Was einem stattdessen geboten wird, ist so subtil, so offensichtlich, so vielschichtig, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Da ist dieser tollpatschige Roboter, der fröhlich pfeifend auf dem menschenleeren, völlig mit Müll bedeckten Planeten Erde aufräumt. Und man ist hin und weg. Vom Slapstick, der Mimik, den Bewegungen. Fühlt sich unweigerlich an Stummfilmgrößen wie Charlie Chaplin und Buster Keaton erinnert. Die unumstößlichen Meister jener Art von Humor. Darüber lachen, auch wenn die Worte fehlen. Auch wenn mit einer gewissen Tragik einhergehend. Die düstere Kulisse, die Einsamkeit. Wäre da nicht die freundschaftliche Beziehung zwischen Roboter und Schabe.

Binnen kürzester Zeit wächst einem dieser Roboter ans Herz. Man muss das kleine Kerlchen einfach gern haben. Noch mehr, als der zweite Roboter auftaucht. Ein weiblicher seiner Zunft. Der ihn links liegen lässt, sich einen Dreck um sein Werben schert. Wenigstens vorerst. Denn auf Dauer diesen ungemein liebevollen Charakter abzuweisen, gelingt auch ihr nicht. Trotzdem dauert es eine Weile, währenddessen man beobachten darf, wie er ganz schüchtern Stück für Stück an seine Angebetete heranrutscht, immer wieder vergeblich versucht ihre Hand zu greifen. Solange bis die Beiden schlussendlich dann doch gemeinsam den Sonnenuntergang genießen. Herzerreißend. Man fühlt richtiggehend mit, ob er nun traurig ist, etwas Ungeschicktes macht, mehr und mehr Teilerfolge feiert. Wohlbemerkt: Hier wird nicht gesprochen. Und dennoch wird man von Emotionen nahezu erdrückt. Eigentlich unglaublich mit zwei Robotern so viele Gefühle rüberzubringen, dass es einem als Beobachter folgeschwer aufs Gemüt schlägt. Menschlicher geht nicht. Die genialsten 40 Kinominuten dieses Jahres.

Dass "WALL·E" danach merklich abfällt, der perfekt animierte Film beim Rest der 98 Minuten an seiner Individualität verliert, soll jedoch nicht vergessen lassen, dass hier - wenigstens knapp einen halben Animationsstreifen lang - mit Konventionen gebrochen wurde. Das Studio mit der Lampe hat einmal mehr alles auf eine Karte gesetzt. Und gewonnen. Pixar hat es doch tatsächlich geschafft, sich nach dem ohnehin schon außerordentlich liebenswerten und meisterlichen "Ratatouille" noch weiterzuentwickeln und neue Horizonte zu erobern. Nicht, dass man den letztjährigen "Film des Jahres" an dieser Stelle übertroffen hätte. Nein, dafür ist das, was nach jenen 40 Minuten geschieht, zu herkömmlich. Allein jenen dermaßen wortkargen und dabei über alle Maße romantischen Anfangsteil in die Realität umzusetzen, zeugt jedoch von Genialität, schafft es, dass die Konkurrenz einmal mehr hinten ansteht. Andere mögen in diesem Jahr zwar schnellere und für den Moment lustigere Animationsfilme gemacht haben, keiner kommt jedoch an die herzerweichende Stimmung und nachhaltige Wirkung von "WALL·E" heran. Zum Dahinschmelzen. Wer dabei nicht die eine oder andere Träne verkneifen muss.

WALL·EWALL·E
Regie: Andrew Stanton.
Animation.
26.09.2008


[adisney.go.com/disneyvideos/animatedfilms/wall-e] [imdb.com]

[Review: Ratatouille - Regie: Brad Bird]

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