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...schrieb Peter Travers über "Tropic Thunder". Sehr treffend für diese herrlich geschmacklose Kriegsfilm-Parodie mit großartiger Besetzung. Tipp: "Don't go "full retard" if you want a shot at the Oscar."

Tropic Thunder: Jay Baruchel - Brandon T. Jackson - Ben Stiller - Robert Downey Jr. - Jack Black - Steve Coogan.

Manch einer wird nach Ende dieses Films seine Meinung zu Tom Cruise nachjustieren müssen. Doch dazu später. Zuerst die Fakten: "Tropic Thunder" ist der Film, der "The Dark Knight" nach vier Wochen vom Thron der US-Kinocharts gestürzt hat. "Tropic Thunder" ist aber auch der Film, der Behindertenverbände in den USA auf die Palme brachte, zu breiten Protestbewegungen und Boykottaufrufen führte. Der Grund dafür: Simple Jack. Eine geistig behinderte Figur in einem Film im Film, beworben mit dem Slogan "Once upon a time... there was a retard". Eine diskriminierende Darstellung von Behinderten, meinen die Einen. Eine Satire auf typische Award-Movies, jene Art von Filmen, die mit kitschiger Erfolgsformel von vornherein auf Oscar-Fang ausgelegt sind, rechtfertigen sich die Anderen. Keine Behindertenwitze als solche, stattdessen eine kritische Darstellung von Schauspielern, die genau diese Rollen spielen. Ein aufgeschnappter, weil passender Kommentar dazu: "Take the movie for what it is." Oder drastischer: "Ich will eine Simple-Jack-Actionfigur!"

Keine Frage, "Tropic Thunder" ist nichts heilig. Hier wird kein Fettnäpfchen ausgelassen. Was US-Komödiant Ben Stiller bei seiner letzten Regie-Arbeit "Zoolander" (2001) mit dem Modebusiness gemacht hat, tut er diesmal der Filmindustrie an: Er verarscht sie. Und zwar auf völlig übertriebene und unzensierte Weise. Mit unzähligen bitterbösen Anspielungen. Betroffen davon sind einerseits verwöhnte und eitle Schauspieler, andererseits pathosbeladene Kriegsfilme. Und so geraten in "Tropic Thunder" Erstere beim Drehen von Zweiterem in einen realen Konflikt und durchwandern infolge eine vollkommen durchgeknallte Brachialkomödie an den Grenzen guten Geschmacks. Da wird ganz bewusst am laufenden Band unter die Gürtellinie gezielt. Und auch getroffen. Was so manch empfindliches Gemüt vom schamlosen Treiben auf der Leinwand angewidert abwenden, andere wiederum zu wahren Lachorgien hinreißen lässt. Vor allem dann, wenn der abermals göttliche Robert Downey Jr. als Oscar-prämierter Charakterdarsteller, der sich via Pigmenttransplantation eine schwarze Hautfarbe zulegt, seine staubtrockenen Sprüche im dämlichsten Ghettoslang ablässt. Großartig, einfach nur großartig.

Nicht zu vergessen der heimliche Star des Films: Tom Cruise. Genau: Der mit dem riesigen Dauergrinser und dem immer gleichen Gesichtsausdruck. Bekennender Scientologe und Couch-Hüpfer, einst gar mächtigster Schauspieler Hollywoods. Vielleicht lag es am augenblicklichen Karriereknick, dass er sich nicht zu Schade war in "Tropic Thunder" einen superfiesen, stets derbe herumfluchenden Medienmogul zum Besten zu geben. Man muss schon zwei-, dreimal hingucken, um den Mann im Fat-Suit, mit Glatze, ansonsten aber mit einer Ganzkörperbehaarung, die selbst Robin Williams in den Schatten stellt, auch tatsächlich als Tom Cruise zu identifizieren. Nein, soetwas hatte man ihm nicht zugetraut. Und genau deshalb kommt seine Performance auch dermaßen genial rüber. So sehr, dass sie alle beim Abspann des Films auf ihren Plätzen sitzen blieben, keiner es wagte den Kinosaal vorzeitig zu verlassen. Und das alles wegen eines fettleibigen, kahlköpfigen Tom Cruise, der zu Hip-Hop-Beats eine heiße Sohle aufs Parkett legt. Unpackbar.

Tropic ThunderTropic Thunder
Regie: Ben Stiller.
Mit Ben Stiller, Robert Downey Jr., Jack Black.
19.09.2008


[tropicthunder.com] [imdb.com]

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