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Tom Waits @ Teatro Degli Arcimboldi, Mailand. Ein ganz Großer. Ein Zeitloser. Einer, den man unbedingt mal live miterlebt haben muss. Kosten und Mühen? Egal. Was einzig zählt: I saw the man!!!

Tom WaitsSpätestens als Tom Waits im schlichten grauen Anzug gekleidet mit obligatorischer Kopfbedeckung erhöht auf dem Podest der mit unzähligen Instrumenten angeräumten Bühne stand, auf seine unnachahmliche Weise ins Mikro grölte, mit schwerem Schuhwerk wuchtig im Rhythmus auf den Boden stampfte und dadurch den dort vorsorglich aufgeschütteten Theaterkalk aufwirbelte, was wiederum aufgrund des Lichteinfalls des direkt darüber angebrachten Scheinwerfers jenen perfekt unperfekten Flair hervorzauberte, war mir klar, dass dieser Kurzausflug nach Mailand jeglichen Aufwand wert war. Kostengünstigste Variante für die besten Karten plus Drumherum: ca. 250 Euro. Abgehandelt in kürzestmöglicher Zeit: Samstag Nachmittag hin, Konzert gucken, Kurz-Sightseeing-Tour, Sonntag Nachmittag wieder zurück. Dazwischen eine schlaflose Nacht aufgrund Gelsenplage. Doch was tut man nicht alles, wenn man sich trotz konsequenter Auslassung Österreichs doch unbedingt den Traum eines der letzten Pflichtkonzerte erfüllen will?

Das Teatro Degli Arcimboldi in Mailand kann man sich in etwa wie ein zehnmal vergrößerter Großer Sendesaal des Wiener Radiokulturhauses vorstellen. Alles holzverschalt, alles edel, mit einwandfreier Akustik. Da saß ich nun also in der zweiten Reihe dieses wunderschönen italienischen Theaters und staunte. Über die ungewöhnliche Bühnendekoration, egal ob im Hintergrund oder auf der Decke, überall hingen kleine, große, durchwegs bunt bemalte Megaphone. Über die Absperrung davor, den dadurch entstandenen, leider doch ziemlich großen Abstand der vorderen Reihen zum Geschehen selbst. Vor allem aber über die Tatsache, dass ich diesen Konzertabend inmitten unzähliger Nicht-Italiener - auch Österreicher - verbrachte. Es schien ganz so, als war ich nicht der Einzige, der die vielleicht einmalige Chance auf eines dieser handverlesenen Konzerte unter allen Umständen nützen wollte. Wer weiß, wie oft sich Tom Waits - inzwischen auch schon auf die 59 zusteuernd - noch zu Europa-Tourneen hinreißen lassen wird?

Obwohl dass mit dem Alter bei Waits ohnehin ein spezielles Thema ist. Sah er vor 30 Jahren noch wie ein versiffter, alter Trunkenbold aus, so wirkt er aufgrund seines Gehabes und Engagements auf der Bühne jetzt sogar um einiges jünger als er tatsächlich ist. Nein, das war kein Konzert eines in die Jahre gekommenen Künstlers. Ganz im Gegenteil. Was man an diesem Abend zu Augen und Ohren bekam, glich einem der kraftvollsten Auftritte, die ich in den letzten Monaten miterleben durfte. Da passte die fünf- bzw. sechsköpfige Begleitband - Zitat Waits: "They polka like real men" -, inklusive älterem Sohn Casey an Drums und Percussion und einiger Kurzauftritte seines jüngsten Sprosses, des 15-jährigen Sullivan. Da passte auch die Setlist mit etwa zwei Dutzend der Fangemeinde bestens bekannten Stücken zwischen Blues und Jazz, Swing und Klezmer. Da passte vor allem die Performance des Meisters selbst. Mal als Einpeitscher, dann wieder als Kabarettsänger, oder als Barpianist. Stets begnadet, stets einzigartig. Wobei zwischendurch auch die eine oder andere ebensolche Wait'sche Anekdote nicht fehlen durfte. Was mir hingegen auf ewig ein Rätsel bleiben wird: Wie schafft es der Mann bloß mit dieser Stimme ein zweistündiges Konzert durchzuhalten?

Tom Waits
19.07.2008 - Teatro Degli Arcimboldi, Mailand.


[tomwaits.com] [myspace.com/tomwaits]

[UPDATE: TOM WAITS' "GLITTER AND DOOM TOUR"]

[Tom Waits: Live in Atlanta]

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