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Post-Viennale 2007: Berührend freche Coming-Of-Age-Comic-Verfilmung zwischen Ernst und Witz, Teheran und Wien. Mehr als nur ein nachgereichter Festivalhöhepunkt, dieses "Persepolis".

Persepolis

Die Sparte des Animationsfilms fristete im Rahmen der Viennale jeher schon ein Schattendasein. Umso bemerkenswerter, dass 2007 einer der wenigen Genrevertreter allerorts als Festivalhighlight gehandelt wurde. Das war im Vorfeld so, wurde im Nachhinein auch bestätigt. Warum meinereins doch nur das Hintennachsehen blieb? Weil ich einer dieser Unverbesserlichen bin, die in Originalfassung gezeigte Programmfilme abschrecken, wenn ich deren Sprache nicht einigermaßen mächtig und mir infolgedessen bestenfalls das Mitlesen der Untertitel als Alternative bleibt. Ausnahmen davon sind selten. Erst recht, wenn dem einigermaßen Herkömmlichen ohnehin ein regulärer Kinostart bestimmt ist. Wie im Falle von "Persepolis", dem Langfilmdebut von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud. Die 2000 erstmals zu Papier gebrachte Lebensgeschichte von Ersterer, eine im Iran geborene, inzwischen in Paris lebende Comic-Autorin und -Zeichnerin. Dabei dermaßen erfolgreich, dass daraus eine preisgekrönte Buchserie, die nun gemeinsam mit Zweiterem - ebenso Autor/Zeichner - für einen Animationsfilm adaptiert wurde.

"Marjane ist acht Jahre alt, als 1979 die islamische Revolution die iranische Gesellschaft durchrüttelt. Während der iranisch-irakische Krieg tobt, schwärmt die junge Teheranerin für die westliche Populärkultur. Über die zunehmenden Repressionen besorgt, schicken die Eltern ihre 14-jährige Tochter ins ferne Wien. Die junge Iranerin startet in einem Internat ins Teenagerleben, schlittert in amouröse Katastrophen und endet in schweren Depressionen. Geplagt von Heimweh kehrt Marjane nach Teheran zurück und versucht vergeblich sich dort zu integrieren. Im Alter von 33 Jahren emigriert sie schließlich nach Frankreich, wo sie das wechselvolle Leben zwischen zwei Kulturen mit Selbstironie und Situationskomik im Comic-Format festhält." Klingt dramatisch, fast schon tragisch. Ist es auch. Allerdings nicht ausschließlich. Denn "trotz düsterer Episoden verliert "Persepolis" nie seine ironische Distanz: So räsoniert Marjane im Wiener Spital, in das sie wegen einer Bronchitis eingeliefert worden ist, dass sie zwar eine Revolution und einen Krieg überlebt habe, nun aber beinahe von Liebeskummer dahingerafft worden sei." [viennale.at]

"Persepolis" ist alles andere als ein herkömmlicher Animationsfilm. Das beginnt damit, dass die Kindheits- und Jugendjahre einer Iranerin nicht gerade der herkömmlichen Vorstellung eines Comic-Inhaltes standhalten. Hinzu kommt der wenig detailgetreue, vorwiegend im einfachen Schwarz/Weiß gehaltene 2D-Stil. Infolge dieser karg-düsteren Mischung kann man auf den ersten Blick und ohne Hintergrundwissen schon mal auf einen schicksalsbehafteten Politstreifen schließen. Eine Einschätzung, mit der man gar nicht mal falsch, trotzdem aber vollkommen daneben liegt. "Persepolis" mag zwar einen ernsten Hintergrund haben, zieht aber nie die Möglichkeit in Betracht auf altbewährte Weise auf die Tränendrüsen zu drücken. Im Gegenteil. "Persepolis" erweist sich trotz traurigem Drumherum als erhellend komische Unterhaltungskost. Allein der Wien-Bezug wird Orts- und Mentalitätskundigen mehr als nur ein Schmunzeln abringen. Auch wenn das Wienerische - wie so manches Andere in "Persepolis" - überzogen plakativ dargestellt wirkt: Ein Film, der es schafft, eigentlich Betrübliches mit solcher Leichtigkeit und Raffinesse rüberzubringen, verdient es einfach gesehen zu werden.

PersepolisPersepolis
Regie: Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud.
Animation.
30.11.2007 / Viennale 2007 (OF)


[persepolis-derfilm.de] [imdb.com]

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