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Die Musikrevolution, Teil 2. Saul Williams und Trent Reznor folgen Radiohead, tragen die Plattenindustrie zu Grabe. Dass das Dreamteam nebenbei ein Killeralbum abliefert, durfte man erwarten.

"Hey, if you ever want to experiment on some tracks, let's see what happens." Mit diesem Satz kam vor gut zwei Jahren etwas ins Rollen, von dessen Endprodukt man sich seit 1. November - wahlweise kostenlos oder für 5 US-Dollar - via Download überzeugen lassen kann. Trent Reznor outete sich bereits vor geraumer Zeit als großer Bewunder von Saul Williams. Engagierte er ihn einst als Support Act für die "With Teeth"-Tour, zeigte sich Reznor bald schon von dessen Bühnenperformance so sehr angetan, dass er ihm jenes eingehende Angebot machte. Reznor sprach bereits von seinem Plan einen anderen Künstler - vorzugsweise eine Soul-Sängerin - produzieren zu wollen. Dass es schlussendlich jener Spoken Word-Artist wurde, ist so schwer wiederum nicht nachzuvollziehen. Williams ist einer mit unverkennbarem Talent, hat mit "Amethyst Rock Star" ein hervorragendes Debutalbum abgeliefert, kam mit dessen selbstbetitelten Nachfolger aber in einen Karrierestau. Die Richtung schien unklar, die Visionen eines Soundgenies von Nöten. Man erinnere sich an den Niemand namens Marilyn Manson, bevor ihm Reznor "Antichrist Superstar" auf den Leib schneiderte.

Saul WilliamsOb es während des Entstehungs-prozesses zu gröberen Meinungs-verschiedenheiten, gar Streit kam? "There were times when we disagreed on things, certainly, but sooner or later he'd realize that I was right", meinte der als Kontrollfreak verschriene Reznor unlängst in einem Interview. Wohlbemerkt mit einem Schmunzeln. Es würde mich allerdings nicht wundern, wenn er es war, der sich in den heiklen Situationen schlussendlich durchsetzte. Wer "The Inevitable Rise And Liberation Of Niggy Tardust!" - David Bowie lässt grüßen - gehört hat, wird beipflichten: NIN sind allgegenwärtig. Kein Wunder, bei den in den Credits genannten Namen. Abgesehen von Williams und Reznor: Alan Moulder, Atticus Ross, CX Kidtronik, Thavius Beck, Brian "Big Bass" Gardner. Genauso klingt es auch. Wenigstens durfte man es sich so in den kühnsten Träumen erhoffen. Als hätte Reznor endlich die sagenumwobenen Überbleibsel aus den "The Fragile"-Sessions fertiggestellt. Wenn auch mit einem anderen, vielleicht sogar besseren Sänger.

Trotzdem tut man sich schwer das Gehörte genauer einzuordnen, den Sound dieses Albums eindeutig zu definieren. Ghetto meets Gothic meets Hardcore meets Hip Hop. Alles ungemein tanzbar aufbereitet. Nichtsdestotrotz den Zuhörer fordernd. Weil ungestüm, vielfältig, anstrengend. Die inoffizielle Fortsetzung zu "Year Zero", aber auch wiederum nicht. Man stelle sich eine Mixtur aus NIN, Public Enemy, Gnarls Barkley und Justice vor. Insofern soetwas überhaupt möglich ist, ohne dass es einem den Schädel wegbläst. Ob "Sunday Bloody Sunday" - das abgedroschene U2-Cover - da nicht einen faden Beigeschmack hinterlässt? Sind Klischees nicht dafür da, um mit ihnen zu brechen? Waren U2 anno dazumal, als sie 1983 ihre dritte LP "War" und das Live-Mini-Album "Under A Blood Red Sky" veröffentlichten, nicht eine verdammt gute Band? Wie auch immer. Klingt doch fantastisch. Und geht einfach nicht mehr aus dem Kopf. "When I say Niggy. You say nothing. Niggy. Niggy. When I say Niggy. You say nothing. Niggy. Nothing. Shut up."

Saul Williams: The Inevitable Rise And Liberation Of Niggy Tardust!Saul Williams
The Inevitable Rise And Liberation Of Niggy Tardust!
01.11.2007 (Download-Only)


[niggytardust.com]
[myspace.com/saulwilliams]

[UPDATE: NINE INCH NAILS (28)]
[UPDATE: NINE INCH NAILS (29)]

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