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The National @ Szene. Ein erhabener Konzertabend zwischen Dramatik und Dynamik. Wäre da bloß nicht dieses Drumherum gewesen, das einem einiges an Selbstbeherrschung abverlangen sollte.

Matt Berninger (The National)The National haben sich in den letzten Jahren eine beachtliche Fangemeinde erspielt. Das merkt man auch hierzulande. So fand das Wien-Gastspiel der live auf ein Sextett aufgestockten Band aus Brooklyn, NY nicht mehr in einer der kleinen Lokalitäten unter den U-Bahnbögen - wo einem immer die Züge über den Kopf hinweg fahren - statt, sondern in der doch merklich geräumigeren Szene. Und selbst diese erwies sich als zu klein, gab es doch bereits Wochen vor der Veranstaltung für diese keine Karten mehr. Mit "Boxer", ihrem aktuellen, vierten Album, scheinen es The National endgültig geschafft zu haben. Durchgehend wohlwollende Reviews. Allerorts Sold-Out-Shows. Da kommen die Interessierten nicht mehr bloß aus der Stadt, wo man gerade gastiert. Da nehmen einige sogar die Anreise aus ländlicher Provinz in Kauf um beim einzigen Österreich-Auftritt 2007 dabei zu sein. Was für den Einheimischen nicht zu überhören und -sehen war. Gestern noch im Bierzelt, heute schon vor der (mittel-) großen Showbühne.

Normalerweise versucht man zu übergehen, wenn genau neben einem stehend eine Gruppe Semibetrunkener lautstark in Landlerenglisch die dargebotenen Musikstücke zu begleiten versucht. Man lässt es auch eine Weile über sich ergehen, wenn alle fünf Minuten ein Anderer aus dieser Männerriege einem auf die Füße trampelt, weil Nachschub besorgt gehört, er sich durch die Menschenmenge Richtung Getränkeausgabe drängen muss. Irgendwann sollte aber Schluss sein. Weil man sich endlich dem eigentlichen Sinn des Konzertbesuches hingeben, der Band lauschen, diese bei ihren Bühnenaktivitäten beobachten will. Und so war meinereins doch tatsächlich knapp davor auf Konfrontation zu gehen, die Übeltäter zurecht zu weisen, sie wenigstens mit der Frage zu konfrontieren, ob sie das mit dem grölenden Zurschaustellen der eigenen - wenn auch bemerkenswerten - Werkkenntnis sein lassen können und ihren regen Alkoholkonsum nicht lieber für die Rückkehr in ihr verdammtes Kuhdorf aufheben wollen. Nein, getan habe ich es schlussendlich nicht, mich lieber einigermaßen in Sicherheit gebracht. Die Contenance wurde bewahrt. Und mir somit der Konzertabend nicht vollständig ruiniert.

Für The National mag das zweifelhafte Treiben vor der Bühne durchaus Bestätigung gewesen sein, zeigten sie sich doch von der lautstarken - wenn auch teils allzu leidenschaftlich dargebrachten - Resonanz sichtlich angetan. Wobei der Band natürlich keinerlei Vorwurf zu machen ist. Bekam man doch wenigstens von The National geboten, was man sich von einem ihrer Konzert erwarten durfte: Einen angenehmen Querschnitt aus dem inzwischen auch schon mehr als achtjährigen Schaffen. Wobei auffiel, dass die mir bekannten Tonträger-Melancholiker auf der Bühne doch gerne zu Rock N' Rollern mutieren. Jedenfalls hin und wieder. Was dem qualitativ hochwertigen Backkatalog nicht schaden sollte. Gleichzeitig aber auch den damit verbundenen Hauch des Altbackenen nicht wirklich wegwischen konnte, wahrscheinlich auch gar nicht wollte. Am Live-Können von The National - allem voran der souveräne Bariton von Sänger Matt Berninger - lag es jedenfalls nicht, dass an diesem Abend ein schaler Beigeschmack blieb. Und mit ihm das feste Vorhaben eine Auszeit in Betracht zu ziehen. Nicht zum ersten Mal. Warum das gerade diesmal klappen soll, bleibt dahingestellt.

The National / Hayden
24.11.2007 - Szene, Wien.


[americanmary.com] [myspace.com/thenational]
[hardwoodrecords.com] [myspace.com/hayden]

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