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Rufus Wainwright @ Arena. Das einzige Solo-Konzert dieser Europa-Tournee. Und der Gay Messiah in der Krachledernen. Beste Voraussetzungen für einen besonderen Abend. Oder doch nicht?

Rufus WainwrightKlickt man sich auf der offiziellen Seite durch den 2007er Tourkalender, dann bekommt man bei den Europa-Terminen folgendes zu lesen: "Rufus will be performing with his full band." Einzige Ausnahme: 23. November, in der Arena in Wien. Da gab es nämlich eine der raren Solo-Performances von Rufus Wainwright zu bestaunen. Ein Extraschmankerl. Wenigstens für all jene, die bereits das Glück hatten, den wunderbarsten aller Gay-Troubadoure mit Begleitband zu Augen und Ohren bekommen zu haben. Der Grund für "Rufus will be performing solo": Am Vortag des Wien-Gigs gastierte man in Grenoble, danach in Mailand. Wobei der zwischenzeitliche Österreich-Ausflug zuviel Umweg gewesen wäre. Und so entschloss man sich dazu, den gesamten Tourtross erst gar nicht umzuleiten, sondern direkt vom Südosten Frankreichs in die norditalienische Lombardei weiterzuschicken. Nach Wien kam bloß die abgespeckte Version der Rufus-Show: Das Notwendigste an Personal plus Klavierflügel plus zwei, drei Akustikklampfen. Und natürlich der Meister selbst.

Keine Frage, der Reiz war trotzdem vorhanden. Ob die Aussicht auf einen ganz speziellen Konzertabend der alleinige Grund dafür war, dass man bereits Wochen davor keine Karten mehr bekam - "The concert is definitely sold out! There are no tickets left!" - ist allerdings zu bezweifeln. Rufus mag man eben. Heute mehr als noch vor wenigen Jahren. Egal, ob nun mit Band oder Solo. Immerhin hat er sich hierzulande bei seinen letzten Auftritten den Ruf eines herausragenden Live-Performers erarbeitet. Vollkommen zu Recht. Ist er doch einer, der auf der Bühne Kommentator, Bekenner und Hauptdarsteller in einem zum Besten zu geben vermag. Schon bei seinem letzten Wien-Besuch vor gut zweieinhalb Jahren war er es und weniger der ihm folgende, eigentliche Hauptact des Abends, der nachhaltig zu begeistern wusste: "Ein bisschen Klassik hier, ein wenig Musical dort. Stets elegant vorgetragen. Niemals um eine unterhaltsame Anekdote zwischen den Songs verlegen. Man hört diesem jungen Songwriter aus Montreal einfach gerne zu, egal was er von sich gibt."

Dass sein diesjähriges Solo-Konzert im Vergleich dazu hintenanstehen musste, lag weniger an Rufus Wainwright selbst. Allein wegen seiner auch während dieser 100 Minuten fehlerlosen Stimme kann man ihm schon keinerlei Vorwurf machen. Ein Hauch von Langeweile war an diesem Abend trotzdem nicht zu vermeiden. Weil das allzu karge Drumherum - weniger Klavier, mehr Gitarre - kaum Ergänzendes mit sich bringen konnte. Folglich die vorherrschende Dominanz von etwas unbestritten Großartigem hin und wieder zum Belanglosen verkam. Vor allem aber, weil bei diesem, für solch ein Konzert doch etwas zweifelhaften Ambiente der letzte Funke einfach nicht überspringen wollte. Man vergleiche: Milan Conservatorio, der Münchener Herkulessaal, die Alte Oper in Frankfurt. Genau dort will man einen wie Rufus Wainwright genießen. Nicht in Wiens altehrwürdiger, vom industriellen Flair umgebenen Arena. Es bleibt also einiges nachzuholen. Und sei es auch nur via DVD: "Rufus! Rufus! Rufus! Does Judy! Judy! Judy!". Seine Imitation des legendären Auftritts von Judy Garland 1961 in der Carnegie Hall in NYC. Wer, wenn nicht er?

Rufus Wainwright
23.11.2007 - Arena, Wien.


[rufuswainwright.com] [myspace.com/rufuswainwright]

[Keane / Rufus Wainwright @ Gasometer, Wien - 19.03.2005]

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