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Okkervil River @ Szene. Gutgelaunt Schrammeliges und eindringlich Balladeskes von Sextett mit absichtlich schlechtsehendem Frontmann. Packend, intensiv, stimmig. Trotz Startschwierigkeiten.

Okkervil River haben es geschafft. Die Band aus Austin, Texas hat sich etabliert, seinen Platz in der gegenwärtigen Musikszene gefunden. Der vollbrachte Karrieresprung ist nicht zu übersehen. Da sind die durchwegs positiven, teils sogar überschäumenden Reviews zu "The Stage Names", dem aktuellen Album der Band. Infolge dessen sind da nun auch die nicht mehr ganz so kleinen Konzerthallen, die man zu füllen im Stande ist. Eine bereits Tage, vielleicht sogar ein, zwei Wochen vor dem Wien-Gig ausverkaufte Szene ist der Beweis dafür. Schon klar: 12 Euro sind kein Geld. An den angenehm billigen Ticketpreisen allein wird es aber kaum gelegen sein, dass sich etwa 500 Interessierte - trotz mehrfach angeschlagenem Hinweis zum Nichtrauchen - zu einem stickigen und natürlich auch viel zu engen Miteinander vor Ort eingefunden haben. Und was passierte, wenn ein Glimmstängelsüchtiger auf die gelben Zettel an den Wänden und den darauf enthaltenen Wunsch der Band hingewiesen wurde? Achselzucken. Weiterrauchen. Eh wurscht.

Will Sheff (Okkervil River)Ohne eine Vorband voraus zu schicken, enterten Okkervil River pünktlich um 21 Uhr die Bühne. Vorne links: Gitarrist Brian Cassidy. Vorne rechts: Keyboarder Jonathan Meiburg. Im hinteren Bereich der Bühne (v.l.n.r.): Trompeter Scott Brackett, Schlagzeuger Travis Nelsen, Bassist Patrick Pestorius. Hinzu kam im Zentrum der Bühne Sänger Will Sheff mit Akustikklampfe. Der Frontmann mit der ungezähmten Haarpracht. Einer von der Aschenbecher-Fraktion, den man abseits der Bühne nur mit Brille antrifft. Worauf er bei seinen Live-Auftritten allerdings verzichtet. Der Grund dafür: Er hat Angst seinem Publikum in die Augen zu sehen. Was er sich durch das Weglassen der Brille und aufgrund seiner eklatanten Sehschwäche dann auch erspart. Was an diesem Abend allerdings dazu führte, dass man ohne dieses Grundwissen die Performance von Sheff als durchaus merkwürdig hätte abtun können. Unsicher, desorientiert, irgendwie abwesend. Eher dort als hier. Dann auch noch sein ewiges Gespucke. War Sheff besoffen, auf Drogen, versuchte sich gar als Doherty-Verschnitt?

Ein Auftreten, das gewöhnungsbedürftig war. Hinzu kam ein musikalischer Einstieg, der sowohl soundtechnisch als auch hinsichtlich Songauswahl und Darbietung einige Bedenken mit sich brachte. Nein, die ersten Songs ließen nichts Positives verheißen. Nur gut, dass sich die Qualität mit Fortdauer merklich bessern sollte. Weil man sich nach einigen schwungvollen, allerdings doch eher belanglosen Quasi-Hillbilly-Nummern endlich seiner Stärken besann und vermehrt auf jenes verschrobene Leidgeklage mit emotionellen Ausbrüchen setzte, das Okkervil River so interessant macht. Und je mehr sich die Band vom Country-Diskurs wegbewegte, desto besser wurde das Konzert. Was schlussendlich doch noch zu einem einprägsamen, weil bemerkenswert leidenschaftlich vorgetragenen Set führte. Knapp vor 23 Uhr verließen Okkervil River unter frenetischem Jubel die Bühne. Nach zwei Zugabeblöcken, bei deren jeweils erstem Song Will Sheff dann doch noch auf seine Sehhilfe zurückgriff. Was nur wenig ändern sollte. Erst recht nichts an seiner außerordentlich feuchten Aussprache. Erste Reihe Mitte weiß davon zu berichten.

Okkervil River
19.11.2007 - Szene, Wien.


[okkervilriver.com] [myspace.com/okkervilriver]

[Review: Okkervil River - The Stage Names]

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