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Editors / The Boxer Rebellion @ Arena. Ganz viel Energie mit einer Prise Melancholie. Die Erfolgsformel zieht unverändert. Sowohl bei Vor- als auch Hauptband. Zurecht bejubelte Großgestik.

Tom Smith (Editors)Bei den Einen geht es schneller, bei den Anderen dauert es halt etwas länger. Man nehme zwei britische Bands. Einerseits die Editors aus Birmingham, andererseits The Boxer Rebellion aus London. Beide bringen im Sommer 2005 ihr Debutalbum auf den Markt. Beiden sagt man eine große Zukunft voraus. Beiden wird aber auch nicht der Vergleich mit großen britischen Bands aus der Musigeschichte erspart. Ersteren sagt man eine gewisse Ähnlichkeit mit Joy Division nach. Zweitere werden mit The Verve verglichen. Soweit die Gemeinsamkeiten. Was folgen sollte, ging jedoch in konträre Richtungen. Denn Karriere machte nur eine der Bands. Die Editors haben inzwischen bereits ihr Zweitwerk herausgebracht und sind dick im Geschäft. Währenddessen hinken The Boxer Rebellion nur hinterher. Ihr Debut "Exits", dem aufgrund diverser Problemchen hinsichtlich Distribution und Promotion der große Erfolg verwehrt blieb, wartet immer noch auf seinen Nachfolger. Man wird sich doch nicht damit begnügen, den vergebenen Möglichkeiten nachzutrauern?

Nein, tut man nicht. Jedenfalls machten The Boxer Rebellion in den letzten Monaten erste Anzeichen aus der Versenkung zurückzukehren. Die Band hatte sich dazu entschlossen einen weiteren Versuch zu starten ihren guten, alten britischen Gitarren-Psychedelic-Pop/Rock mit fast schon traditionell balladeskem Einschlag der geneigten Hörerschaft näher zu bringen. Neues Material ist in Arbeit. Zwischenzeitlich nützte man die Möglichkeit sich wieder in Erinnerung zu bringen und ließ sich von den Editors als Support-Act verpflichten. Da man ohnehin selten genug in den Genuss wirklich guter Vorbands kommt, kam das erste Wien-Gastspiel von The Boxer Rebellion durchaus einer positiven Überraschung gleich. Nicht, dass der etwas dreiviertelstündige Gig besonders ausgefallen gewesen wäre. Im Gegenteil, eher grundsolide. Nichtsdestotrotz wusste man die geklaute Erfolgsformel umzusetzen und bot an diesem Abend eine zweifelsohne hörens- und sehenswerte Performance. Der einzige Haken: Nur kurze Zeit später wurde einem bereits klargemacht, warum die Editors einfach besser sind.

Was nicht wirklich überraschte. Stellten sich in den letzten beiden Jahren doch immer mehr heraus, dass die Editors eine jener wenigen Bands sind, die bei Live-Auftritten noch einen Deut überzeugender rüberkommen als auf Platte. In ihrer Spielart stets punktgenau, bei den richtigen Songs, an den richtigen Stellen aber durchaus auch ausschweifender Darbietung nicht abgeneigt. Noch dazu ist man offensichtlich gereift. Vor allem Frontmann Tom Smith konnte sich weiterentwickeln. Abgesehen davon, dass er merklich abgemagert ist und an Haarpracht dazugewonnen hat, scheint der auf der Bühne ohnehin stets aufgedrehte Sänger in der Zwischenzeit auch richtigegehend zum Showman avanciert zu sein. Den Hang zu großangelegten Gesten hatte der Mann mit der dunklen Bariton-Stimme immer schon, hinzu kommt nun, dass er das im Zentrum der Bühne platzierte Piano schon mal zum Podest seiner Selbstdarstellung nützt. Nicht zu vergessen die unzähligen Kusshändchen, die er als Danksagung immer wieder in Richtung Publikum schickt. Was Ian Curtis endgültig vergessen lässt, stattdessen fast schon an Bono Vox'sche Bühnenpräsenz erinnert. Die Editors, demnächst also in der nächst größeren Halle in ihrer Nähe.

Editors / The Boxer Rebellion
06.11.2007 - Arena, Wien.


[editorsofficial.com] [myspace.com/editorsmusic]
[theboxerrebellion.com] [myspace.com/theboxerrebellionuk]

[Editors @ Atomic Cafe, München - 11.11.2005]
[Editors @ Flex, Wien - 02.02.2006]

[Review: Editors - The Back Room]
[Review: Editors - An End Has A Start]

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