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Viennale 2007, die Dritte: Meisterwartetster Film, schlussendlich auch Festivalhöhepunkt. Anton Corbijns "Control" lässt für Joy Division-Fans keinerlei Wünsche offen. Aufpassen: Grönemeyer included.

Sam Riley als Ian Curtis in "Control"

Ein wichtiger Film. Aufgrund seines Inhaltes. Wegen seiner Machart. Weil es das Spielfilm-Debut eines der besten und einflussreichsten Musikfotografen und Videoclip-Regisseure der letzten zwanzig Jahre ist. Ein Film, den ich herbeisehnte, wie schon lange keinen mehr. Und dabei alle Hoffnungen in die diesjährige Viennale setzen musste, weil da stets diese Befürchtungen sind, das Objekt der Begierde würde hierzulande durch den Rost fallen, nicht so wie im benachbarten Deutschland Anfang nächsten Jahres in die Kinos kommen. Falsche Hoffnungen hin, Enttäuschungen her: "Control" lief bei der Viennale. Beachtliche drei Mal. Es kam sogar noch besser: Weil Anton Corbijns Erstversuch meine allerhöchsten Erwartungen übertreffen sollte, dem klugen Kopf hinter der Visualisierung so mancher Depeche Mode-Klassiker ein außerordentlich mitreißendes, gegen Ende merklich ans Gemüt gehendes Biopic über eine noch heute in höchstem Maß verehrte Musikerlegende der späten Siebziger gelungen ist. Ein Denkmal in Schwarz/Weiß.

"Im Jahr 1976 taten sich nach einem Konzert der Sex Pistols drei junge Männer aus Manchester zusammen, um eine Punk-Rock-Band zu gründen. Per Anzeige suchten sie einen Sänger, und es meldete sich ein junger Mann namens Ian Curtis. Zunächst nannte sich das Quartett Warsaw, schließlich Joy Division. Doch als sie immer erfolgreicher wurden, mit "Love Will Tear Us Apart" einen Jahrhundertsong geschrieben hatten und kurz davor waren, auf Tournee durch die USA zu gehen, setzte Ian Curtis am 18. Mai 1980 im Alter von 23 Jahren seinem Leben ein Ende." [viennale.at] Ein Freitod, begründet auf Selbstzweifel und Selbstzerstörung. Dabei war Ian Curtis einer, der durchaus Lebensfreude ausstrahlen konnte. Jedenfalls bevor ihm der aufkommende Ruhm und wachsende Druck überrannte, bevor er mit seinen epileptischen Anfällen konfrontiert wurde. Hinzu kam das ständige Hin- und Hergerissensein zwischen Frau und Geliebter. All das trieb Ian Curtis zu dieser Verzweiflungstat. He's lost control...

Wer Corbijns Schaffen kennt, wird nachvollziehen können, warum "Control" eigentlich nur ein Schwarz/Weiß-Film werden konnte. Hinzu kommt, dass Joy Division in Farbe ohnehin einem cineastischen Fehlgriff gleichgekommen wäre. Dabei ging Corbijn genau mit jenem vermeintlichen Fauxpas an die Arbeit zu "Control" heran. So wurde der Streifen in seiner ursprünglichen Form in Farbe gedreht und erst danach in Schwarz/Weiß umgewandelt. Corbijns Begründung: "The black and white film was so grainy it looked like Super-8 even in 35 millimeter." Das Resultat spricht für sich. Wer bei der Kombination aus Corbijns ästhetischer Vorliebe und tragischer Geschichte von Ian Curtis - im Film restlos überzeugend dargestellt von Newcomer Sam Riley - die Sorgenfalten runzelt, sei beruhigt, denn "Control" ist kein ausschließlich düsterer Film geworden. Die erste Filmhälfte - Curtis' Vorliebe für den Glam-Rock-Bowie, Joy Division auf Konzertbesuch bei den Sex Pistols - ist durchaus auch von heiteren Momenten gekennzeichnet. Umso mehr berührt einen das dramatische Finale. Und das, obwohl man genau weiß, wie all das enden sollte.

ControlControl
Regie: Anton Corbijn.
Mit Sam Riley, Samantha Morton, Alexandra Maria Lara.
11.01.2008 / Viennale 2007 (OF)


[controlthemovie.com] [imdb.com]

[UPDATE: CONTROL]

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