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Viennale 2007, die Zweite: Die Coen-Brüder melden sich zurück. Mit der wahnwitzigsten Blutspur, die dieses Jahr über die Kinoleinwand gezogen wurde. Unerbittlich gut, dieses "No Country For Old Men".

Javier Bardem in "No Country For Old Men"

Hochsicherheitstrakt Gartenbaukino: Überall wo man hinschaute, fielen einem Security-Leute auf. Links und rechts neben der Leinwand. Bei den Ein- und Ausgängen. Wohl auch dort, wo man die böse dreinschauenden Herren in dunklen Anzügen gar nicht vermutete. Das i-Tüpfelchen dieses vorab angekündigten Kampfes gegen verwackelte, weil vom Kinosessel aus, womöglich mit dem Handy, dabei den Kopf des Vordermannes umwandernd aufgenommenen Filmmitschnitte: Nachtsichtgeräte zum Ausspionieren der potentiellen Übeltäter. Der Grund dieses immensen Aufwandes: Die Viennale zeigte den neuesten, noch nicht mal in den USA angelaufenen und hierzulande für April 2008 geplanten Streifen der Coen-Brüder. Und bei diesen beiden Herren handelt es sich nun mal um Branchenschwergewichte, Garanten für Erfolge an den Kinokassen. Trotz ihrer alles andere als herkömmlichen und leicht verdaulichen Filmstoffe. Man erinnere sich an "Blood Simple" (1984), "Barton Fink" (1991), "Fargo" (1996), "The Big Lebowski" (1998), "O Brother Where Art Thou?" (2000) oder "The Man Who Wasn't There" (2001).

Das zu schützende Objekt der Begierde trägt den Namen "No Country For Old Men" und zeichnet sich genau durch jene Mischung von heftig übertriebener Gewalt und vollkommen abgedrehter Komik aus, die Filme von Joel und Ethan Coen jeher schon zum ganz besonderen Kinoerlebnis machte: "Llewelyn Moss befindet sich im heißen und kargen Südwesten von Texas auf der Jagd nach Antilopen, doch schon bald wird er vom Jäger zum Gejagten. Grund dafür sind über zwei Millionen Dollar in einem Koffer, den Moss findet und an sich nimmt. Dass mit dem Geld etwas nicht in Ordnung ist, hätte er sich eigentlich denken können: Erschossene Menschen und Hunde sowie ein Beutel Heroin zeigen deutlich, dass an jenem Ort ein Drogendeal aus dem Ruder gelaufen ist. Nun hat Moss den Kopfgeldjäger Carson Wells und Sheriff Ed Tom Bell im Nacken - und obendrein einen sehr psychopathischen Auftragskiller." [viennale.at]

"No Country For Old Men" wurde frei nach dem gleichnamigen 2005er-Roman von Cormac McCarthy gedreht. Angereichert mit jeder Menge Blut und Abartigkeiten. Hinzu kommt ein Javier Bardem, der den furchterregendsten Psycho - der Killer mit dem Schlachtschussapparat - zum Besten gibt, der mir in den letzten Jahren auf der Kinoleinwand begegnet ist. Nicht zu vergessen jener wunderbar absurde Wortwitz, mal auf den Punkt gebracht, dann wieder ausschweifend, beiderseits aber nie in Gefahr in x-beliebiges Geblabber abzudriften. Hier sieht man nicht nur, hier hört man auch gerne zu. Was in Summe darauf schließen lässt, dass sich die Coen-Brüder nach ihren letzten beiden, doch recht unterschiedlich aufgenommenen Filmen "Intolerable Cruelty" (2003) und "The Ladykillers" (2004) wieder der Stärke alter Meisterwerke besonnen haben. Jedenfalls lässt ein Klassiker wie "Fargo" in den außerordentlich unterhaltsamen und handwerklich brillianten 122 Minuten von "No Country For Old Men" nicht bloß einmal grüßen. Recht so. Übrigens: Aus dem Gartenbaukino waren an diesem Abend keinerlei Zwischenfälle zu vermelden. Niemand musste mit Handschellen aus dem Saal abgeführt werden. Alle waren wir brav. Oder?

No Country For Old MenNo Country For Old Men
Regie: Joel & Ethan Coen.
Mit Josh Brolin, Javier Bardem, Tommy Lee Jones.
29.02.2008 / Viennale 2007 (OF)


[nocountryforoldmen.com] [imdb.com]

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