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Viennale 2007, die Erste: "Paranoid Park" ist wie erwartet und doch anders. Der beste Gus Van Sant seit "Good Will Hunting". Schön, zehn Jahre danach Elliott Smiths "Angeles" nochmals gehört zu haben.

Gus Van Sant zählt zweifelsohne zu den Liebkindern der Viennale. Seit Herr Hurch vor zehn Jahren die Leitung des größten heimischen Filmfestivals übernahm, brachte es der US-amerikanische Regisseur auf sechs Screenings in sechs unterschiedlichen Jahren: "To Die For" (1998), "Psycho" (1999), "Gerry" (2002), "Elephant" (2003), "Last Days" (2005), "Paranoid Park" (2007). Ein bunter Haufen unterschiedlichster Filme. Eine schwarze Komödie mit Nicole Kidman in der Hauptrolle. Das Remake eines Hitchcock-Klassikers. Danach der Schritt zum radikaleren Kino. Zuerst ein fast schon meditatives Leinwandexperiement. Es folgt die unkonventionelle Verarbeitung des Columbine-High-School-Massakers. Zuletzt ein inhaltsloses Drama über die letzten Tage eine Rockmusikers, mit durchaus beabsichtigten Kurt Cobain-Parallelen. Nein, Van Sant ist kein Filmemacher, den ich aufgrund seiner durchwachsenen Filmografie vorbehaltlos schätze. Ja, Van Sant ist ein Regisseur, der in seinem Schaffen stets Wagnisse einging und dadurch über die Jahre hinweg interessant bleiben konnte.

Gabe Nevins in "Paranoid Park"2007 nun also Van Sants sechster Viennale-Auftritt. Wofür einer wie ich sogar bereit war sich um 5 Uhr morgens aus dem Bett zu quälen um an einer jener berüchtigten Frühstücksmatinees teilzunehmen... "Der "Paranoid Park" ist ein von Skateboardern illegal gebautes Skate-Gelände in Portland. Ein einigermaßen gefährlicher Ort, nicht nur, weil die Tubes hier steiler sind als irgendwo sonst und für den nötigen Nervenkitzel sorgen. Eines Nachts stattet der junge Alex mit einem Freund dem Park einen Besuch ab, und es geschieht Schreckliches - was genau, erfahren wir jedoch erst nach etwa der Hälfte des Films. Denn wofür Van Sant sich auch in seinem jüngsten Film interessiert, ist weniger der Hergang einer Tat, sondern das entsprechende Umfeld: Wie sieht eine Welt aus, in der Erwachsene nicht vorkommen? Welche Konsequenzen hat das? Das war bereits Thema in "Elephant", nun erkundet Van Sant mit großer Ernsthaftigkeit und unter Einsatz vielfältiger Mittel einen weiteren Winkel einer sich selbst überlassenen Generation." [viennale.at]

Van Sant scheint sich seines Rufes als Spezialist für Filme über unangepasste Minderjährige besonnen zu haben. Immerhin begab er sich mit "Paranoid Park" auf ein ganz ähnliches Territorium, wie er es bereits in "Elephant" bearbeitet hatte. Im Fokus stehen die Jugendlichen. Erwachsenen bleiben nur die Nebenrollen. Dass "Paranoid Park" im Vergleich zu "Elephant" jedoch weitaus weniger als Problemfilm rüberkommt, hat mehrere Gründe. Die Stimmung dieses Skater-Portraits mit tragischer Draufgabe wirkt weniger bedrückend. Hin und wieder schwappt es sogar ins genaue Gegenteil über, man wird gar zum Schmunzeln verleitet. Dazu kommt, dass man als Beobachter nicht ganz so anteilnahmslos scheint. Auch deshalb, weil man mit Fortdauer des Streifens immer mehr zu Sympathien für den Protagonisten verleitet wird. Welche so sehr nachwirken, dass es nicht stört, während der 85 Minuten augrund nonlinearer Erzählweise des Öfteren auf die falsche Spur geführt worden zu sein. Und siehe da: Schlussendlich ärgerte es nicht mal, bei diesem hervorragenden Film vergeblich auf die obligatorische Auflösung gewartet zu haben.

Paranoid ParkParanoid Park
Regie: Gus Van Sant.
Mit Gabe Nevins, Daniel Liu, Taylor Momsen.
02.11.2007 / Viennale 2007 (OF)


[paranoidpark.co.uk] [imdb.com]

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