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Pre-Viennale 2007: Eine Dokumentation über Scott Walkers einmalige Karriere. Vom vielumjubelten Pop-Idol hin zum mysteriösen Visionär. Das Unglaubliche daran: Der Meister selbst, er spricht.

Scott Walker

"We only pay attention to avantgarde recluse Scott Walker because we hope he'll make something like "Scott 4" again. But that was 38 years ago. All booming timpani and atonal strings, this makes Psycho seem well adjusted. Pity the modern ballet troupe who are currently trying to dance to this." Soweit das NME-Review zu "And Who Shall Go To The Ball? And What Shall Go To The Ball?", dem nur 17 Monate nach "The Drift" erschienenen Minialbum. Vom London Sinfonietta eingespielte Instrumentalmusik für ein Tanzstück, wozu es tatsächlich schwer zu tanzen scheint. Nichtsdestotrotz kann die eingehende Abwertung dazu eigentlich nur von einem Kritiker stammen, der weitestmöglich davon entfernt ist einen Künstler wie Walker überhaupt verstehen zu wollen. Einen zum konsequenten Avantgardisten Gewandelten, der bereits seit geraumer Zeit seiner Pop-Vergangenheit abgeschworen, sich stattdessen in eine Musikwelt zurückgezogen hat, die auschließlich für schwere Kost steht. Kost, die zu ergründen dafür umso interessanter ist.

Mindestens genauso interessant ist es, wenn sich die Möglichkeit ergibt über solch einen Ausnahmekünstler mehr zu erfahren, über dessen Vergangenheit und Gegenwart, wie der Wandel von früher zu heute vollzogen wurde. Vielleicht noch interessanter ist es, einem wie Walker über die Schulter blicken zu können, einen wagen Einblick über sein Schaffen erhaschen zu können. Die Dokumentation "30 Century Man" bietet die einmalige Möglichkeit dazu. "Es ist der Einfühlsamkeit Stephen Kijaks zu verdanken, dass Scott Walker uns hier mit offenem Blick begegnet und Episoden und Anekdoten aus seinem erstaunlichen Leben erzählt: Kijak begleitet Walker ins Studio, wo dieser als "Komponist des Unbewussten" seine seltsamen Klangcollagen erarbeitet: Er hämmert mit einem Ziegelstein auf eine riesige Holzkiste ein, dengelt Eisenstangen und lässt den Percussionisten rhythmisch auf Schweinehälften boxen. Neben alten Archivaufnahmen der Walker Brothers zeigt uns ein Fan seine erstaunliche Raritätensammlung, erzählen David Bowie, Brian Eno, Radiohead, Marc Almond und zahlreiche weitere Musikerkollegen, warum sie Scott Walker und seine Musik so sehr verehren." [viennale.at]

Letzterer Musikerkollege bringt Scott Walker und das Ungreifbare, das die Musik seiner letzten zwei, drei Alben umgibt, auf den Punkt. Nämlich in jener Szene von "30 Century Man", wo Almond, in seiner eigenen Musik unverkennbar Fan der frühen Walker-Schaffensphase, seine eigenen Grenzen eingesteht. "I hate "Tilt", absolutely hate it. [...] I went to a play-through of it. [...] I just thought, this is terrible, this is really awful." Eine Reaktion, die jene von vielen anderen widerspiegelt, als sie jenes Monumentalwerk damals zu Ohren bekamen. Ein Album, das bloß zwei Möglichkeiten offen ließ: Entweder man scheiterte daran. Oder es veränderte alles. "Tilt" war einerseits "a shocker", andererseits "the first 21st century record". Für die Meisten unhörbar. Für einige Wenige unverzichtbar. Auf die 95 Minuten von "30 Century Man" trifft eindeutig letzteres zu. Ein außergewöhnliches Portrait einer der faszinierendsten und rätselhaftesten Persönlichkeiten der jüngeren Musikgeschichte. "...one of those films that has the nature of a genuine revelation."

Scott Walker: 30 Century ManScott Walker: 30 Century Man
Regie: Stephen Kijak.
Dokumentation
Viennale 2007 / DVD (OF)


[scottwalkerfilm.com] [imdb.com]

[Review: Scott Walker - Climate Of Hunter / Tilt / The Drift]

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