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Menomena @ Chelsea. Artrock meets Pop. Komplex und doch zugänglich. Ein von Multitasking und Ambitionen geprägter Kunstgenuss, den uns das US-Trio beim ersten Wien-Besuch bescherte.

Menomena: Brent Knopf - Justin Harris.Gerade mal drei junge Männer standen da auf der Bühne. Nichtsdestotrotz sollten sie an diesem Abend ein ganzes Arsenal an Musikinstrumenten bedienen. Im gut gefüllten Chelsea stehend, sah das - von links nach rechts - folgendermaßen aus: Brent Knopf betätigte Keyboards, E-Gitarre, Glockenspiel und zauberte diverse Samples aus seinem Laptop. Justin Harris werkte mal am E-Bass, mal an der E-Gitarre und griff zwischenzeitlich - nämlich dann, wenn es so richtig cool werden sollte - zum Saxofon. Danny Seim war für das sensationell dynamische Handwerk an den Drums zuständig. Nicht ausschließlich. Denn der Gesang wurde zwischen den drei Protagonisten aufgeteilt. Mehr oder weniger. Zumeist sang Harris die Leadvocals, weniger oft Knopf, nur ganz selten Seim. Hinzu kam allerdings, dass des Öfteren zweistimmiger, hin und wieder sogar dreistimmer Gesang angestimmt wurde. Was in Summe zu einer vielschichtigen und merklich durchdachten Darbietung führte. Geschickt zwischen Indie-Pop, Post-Rock und Free-Jazz angesiedelt. Ein nicht wirklich einordenbarer Sound, vor allem in keine herkömmliche Schublade.

Menomena stehen für Musik, die den Zuhörer zwischen die Stühle setzt. Bestes Beispiel dafür ist ihr aktueller, dritter Longplayer "Friend And Foe". "Ein Album, dem man zuerst nicht wirklich verfallen will, das man dann aber doch immer und immer wieder hört." Umso erstaunlicher, wenn man nach unzähligen Durchgängen tatsächlich soweit scheint, diese gleichermaßen abstrakte und catchy Dreiviertelstunde Musik verstanden zu haben. Was schlussendlich zum Pflichtkauf führen muss. Auch wegen der optischen Komponente, "possibly the most brilliantly executed cover art of the decade". Umso vielversprechender die Ankündigung, dass Menomena während ihrer Tour auf der Bühne von dem Art-Designer Craig Thompson visuell unterstützt werden. Eben jenem Künstler, der für angesprochenes Album-Cover verantwortlich ist. Warum dieses Vorhaben hierzulande nicht umgesetzt werden konnte? Vielleicht wurde die Idee inzwischen wieder über Bord geworfen. Vielleicht auch nur in Europa. Vielleicht lag es auch an den begrenzten räumlichen Möglichkeiten vor Ort, die gerade mal den drei Bandmitgliedern einigermaßen ausreichend Platz bieten konnten.

Nichtsdestotrotz sollte es ein interessant zu beobachtender Konzertabend werden. Von Langeweile keine Spur. Was nicht ausschließlich auf die musikalischen Großtaten zurückzuführen war, sondern auch darauf, dass sich das Trio offenbar gerne mit seinem Publikum austauscht. Was am eigens angereisten kroatischen Fanclub gelegen haben könnte, möglicherweise auch an den vor dem Gig verspeisten Sausages, Wiener Schnitzeln und sonstigen kulinarischen Köstlichkeiten made in Austria. Woran es mit Sicherheit lag, war die von Ortskundigen schon gar nicht mehr wahrgenommene nähere Umgebung des Veranstaltungsortes. Welche während des gut einstündigen Live-Sets mehr und mehr zum Running Gag wurde. Stichwort: Gay-Shop. Jener gleich gegenüber dem Chelsea. Die drei Herren aus Portland, Oregon hatten jedenfalls ihren Spaß. Was sie nur noch sympathischer und ihren Auftritt intimer machte. Von solch einem Konzert nimmt man sich gerne ein Erinnerungsstück mit, zahlt für das Band-T-Shirt 15 Euro. Schade nur, dass meine Größe ausgegangen war. Auch deshalb, weil doch der Schriftzug auf dem Shirt an diese überdimensionale, gleichzeitig vollkommen konträre Band erinnerte. Menomena, nicht Metallica.

Menomena
07.10.2007 - Chelsea, Wien.


[menomena.com] [myspace.com/menomena]

[Review: Menomena - Friend And Foe]

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