header
 

...gastierten in Wien. Mein erstes Mal mit Brian Molko sollte zum durchgestylten Pop-Konzert verkommen. Genau jene Form der Abend-unterhaltung, über die zu lästern ein Leichtes ist.

Brian MolkoEs gibt Bands, die nimmt man mal eben so nebenbei mit. Da giert man keinem Platten-Release entgegen, kauft dann aber trotzdem immer wieder die CD's. Placebo sind für mich das beste Beispiel dafür. Eigentlich eine klassische Singles-Band. Ansonsten gehobene Durchschnittsware. Kein Album, das mich wirklich begeistern konnte. Ausnahme: "Without You I'm Nothing", ihr unübertroffener Meilenstein aus dem Jahre 1998. Es folgte Stagnation. Brian Molko schreibt zwar immer noch wunderbar eingängige Songs, beim Interpretieren dieser ging man jedoch seither stets auf Nummer sicher. Wodurch sich Placebo von Album zu Album mehr davon entfernten Indie/Alternative zu sein. Stattdessen wanderte man - zumindestens in Europa - unbeirrt Richtung Stadion-Rock. Dementsprechend der Andrang bei ihrem Gastspiel in der Stadthalle, nach der kurzen, dabei aber sehr feinen FM4-Session im April und dem Headliner-Gig beim Nova Rock bereits der dritte Österreich-Ausflug in diesem Jahr. Soweit wie die Red Hot Chili Peppers sind Molko und Band zwar noch nicht, dass sie die Räumlichkeiten im 15. Wiener Gemeindebezirk hätten füllen können. Vergleicht man die angetretene Menge jedoch mit den kürzlich vor Ort abgehaltenen Konzerten von Mando Diao, Tool und Muse, dann haben Placebo doch die Nase vorne.

Normalerweise sind mir Vorbands nur selten eine Erwähnung wert. Nun haben sich Placebo für ihre aktuelle Europa-Tournee aber einen Act ausgesucht, der mir schon als Support der Editors bei deren letztjährigen München-Gig positiv aufgefallen ist. Die Howling Bells kommen aus Australien und haben diesen Mai in England ihr selbstbetiteltes Debut-Album veröffentlicht. Hierzulande kann man nur auf den UK-Import zurückgreifen. Was allerdings keine Ausrede sein soll, dieses Album nicht schon längst gehört zu haben. Nein, die ganz große Innovation darf man sich bei den Howling Bells nicht erwarten. Vielmehr melodietrunkenen, durchaus auch treibenden Gitarren-Pop irgendwo zwischen Mazzy Star und Twin Peaks. Getragen von der glasklaren Stimme von Frontfrau Juanita Stein, soetwas wie die herbeigesehnte Reinkarnation der jungen Susanna Hoffs. Ein sympathischer Vierer, der sich bei seinem 30 Minuten-Auftritt in Wien abermals als wirklich hörenswerte Live-Band präsentierte. Einziges Manko: Das für diese Art von Musik viel zu große Umfeld. Da half auch die nette Geste des Hauptacts nichts, dass man drei ihrer Screens verwenden durfte. Wenigstens passte die Resonanz. "You are very kind to a band you've never heard before", bedankte sich Miss Stein. Gerne doch. Im etwas kleineren Rahmen auch gerne wieder.

Apropos Screens: Beim Placebo-Konzert waren gleich 14 an der Zahl im Einsatz. Ein beachtlicher Komfort, wodurch auch der/die Kleinste alles mitverfolgen konnte. Bei Placebo wird einem halt noch etwas geboten. Wobei neben dieser Multimedia-Show der musikalische Part eigentlich nur abstinken konnte. Das begann schon bei der Setlist. Eine überraschungsarme Mischung aus neuem Album und einigen Greatest Hits, die einem während der 100 Minuten nie das Gefühl vermittelte, dass auf der Bühne in irgendeiner Form improvisiert werden konnte. Zumeist hielten sich die Placebos - bereichert durch zwei Begleitmusiker - ohnehin strikt an das vorgegebene Songformat. Wenn es allerdings doch mal ausschweifend wurde, dann mit Vorliebe beim Anhang ruhigerer Nummern. Da spielt es sich einfacher. Wenigstens scheinen die Herren erkannt zu haben, dass sie nicht gerade zu den Virtuosen an ihren Instrumenten gehören. Nichtsdestotrotz hätte es an diesem Abend durchaus ein Live-Spektakel werden können. Die Songs dazu haben Placebo. Und die Show sowieso. Warum nichts daraus geworden ist? Es fehlte der berühmte Funke. Stattdessen wurde ich mit allzu einfallslosem Runtergespiele konfrontiert, welches einzig die dargebotene Effekthascherei retten konnte. Keine Frage, soetwas kann man sich schon mal zu Gemüte führen. Und sei es auch nur, um Teil von "one of the most beautiful crowds we've ever had" (O-Ton: Herr Molko) gewesen zu sein.

Placebo / Howling Bells
13.12.2006 - Stadthalle, Wien.


[placeboworld.co.uk] [myspace.com/placebo]
[howlingbells.com] [myspace.com/howlingbells]

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild