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Bombastisch war es. So richtig schön überzogen und ausschweifend. Genauso wie man sich ein Konzert von Muse vorstellt. Und wer es immer noch nicht kapiert hat: Matthew Bellamy ist Gott.

Matthew BellamyMuse sind schlichtweg eine gewaltige Live-Band. Eine der besten dieser Tage. Eine, die bei ihren Gigs mit bombastischen Elementen auf Theatralik setzt. Da verzichtet man keinesfalls auf massive technische Unterstützung. Im Gegenteil. Im Falle von Muse wird sie genützt. Und zwar ausgiebigst. Weil es sich bei den drei Herren aber durchaus um intelligente Rock N' Roller handelt, wissen diese auch, dass Show allein nicht alles ist. Der Konsument will bei einem Live-Konzert immer noch vor allem Musik hören, möglichst vorgetragen von einer perfekt aufeinander eingespielten Band. Muse sind solch eine Band. Noch dazu eine, die keine Extreme scheut. Mal sind sie laut rockig, mal leise balladesk. Dabei aber stets auf Melodien bedacht. Muse-Konzerte sind geprägt von opulentem Melodiengut. Wunderbar tragisch zum Besten gegeben. Mit ganz großen Gefühlen. Wobei im Live-Kontext dann aber doch immer Leidenschaft vor Leiden zu stehen hat.

Man nehme nur Frontmann Matthew Bellamy. Dieses mikrige Persönchen strotzt nur so vor Energie. Allein er ist den Ticketpreis für ein Muse-Konzert wert. Egal ob an der Gitarre, am Klavier oder einfach nur mit seinem zwischen Höhen und Tiefen wechselnden Drei-Oktaven-Gesang, Bellamy gibt stets alles. Was dazu führt, dass er die Gitarre schon mal über dem Kopf spielt oder sich bei einem Solo am Bühnenboden windet. Wobei es allerdings nie soweit kommt, dass die Musik unter seiner hyperemotionalen Performance zu leiden hat. Die famosen Songs bleiben immer im Vordergrund. Egal ob aggressiver Gitarrenrock oder klassikinspirierte Klaviermusik, Muse schaffen es stets den hohen Level zu halten. Daran können auch Missgeschicke des Soundmischers nichts ändern. Ebenso wie mitgrölende Konzerttouristen. Eine Muse-Show macht es möglich, dass man nach ein paar Songs sogar das wahrlich beschissene Ambiente einer an diesem Abend aufgrund der Nachwehen zweier Red Hot Chili Peppers-Konzerte gänzlich sitzplatzfreien Stadthalle vergisst. Da hilft natürlich, dass Muse bei ihren Auftritten mit Licht- und Video-Effekten nun wahrlich nicht geizen, den Anwesenden - unterstützt durch Screens seitlich und im Hintergrund der Bühne - ganz großes Live-Kino präsentieren. Dazu gehört dann auch das obligatorische Intermezzo mit den Riesenluftballons. Man erinnere sich an den Gasometer-Gig vor drei Jahren. Einzig der Konfettiregen hat diesmal gefehlt. Verzichtbar, also verziehen.

Muse wandern gerne an der Grenze zur Peinlichkeit. Das ist auf ihren Platten so. Das ist bei ihren Konzerten nicht anders. Was so manch "Musikexperten" verstören mag. Folglich sollte man sich über die eine oder andere eher vernichtende Kritik an einschlägigen Stellen nicht wundern. Sei ihnen das Nörgeln vergönnt. Für die Einen ist es eben unerträglicher Kitsch, für die Anderen hingegen ein sowohl akustischer als auch visueller Hochgenuss. Man nehme nur die Abschlussnummer des gut eineinhalbstündigen Konzertes: "Knights Of Cydonia", die aktuelle Single aus "Black Holes And Revelations". Eine sechsminütige Queen-Reminiszenz mit gnadenlos treibendem Bonanza-Rhythmus. Passend dazu intoniert Bellamy seinen Falsettgesang. In bester Freddie Mercury-Manier. Um die Massenhysterie zu komplettieren, erscheinen auf der Leinwand die Lyrics. In überdimensionalen Lettern: "NO ONE'S GONNA TAKE ME ALIVE. THE TIME HAS COME TO MAKE THINGS RIGHT. YOU AND I MUST FIGHT FOR OUR RIGHTS. YOU AND I MUST FIGHT TO SURVIVE." Spiegelbild überwältigenden Konzertbombastes. Ich staune immer noch.

Muse / The Noisettes
08.12.2006 - Stadthalle, Wien.


[muse.mu] [myspace.com/muse]
[thenoisettes.com] [myspace.com/noisettesuk]

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