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No Fotos. No Smoking. Tool gingen bei ihrem Wien-Konzert an die Grenzen des Reizbaren. Lieferten gleichzeitig aber ein zu 100 Prozent durchdachtes Monster von einem Konzert ab. Einfach brillant.

"Achtung! Absolutes Kameraverbot! Auch Pocket-, Digitalkameras, etc. werden ausnahmslos abgenommen!" Tool haben etwas gegen das Fotografieren bei ihren Konzerten. Vor allem Band-Diva Maynard James Keenan hat es sich zum Ziel gemacht jegliches Blitzlichtgewitter in seiner Gegenwart zu unterbinden. Das war schon beim Auftritt von A Perfect Circle vor knapp drei Jahren im Gasometer so. Und wurde beim bereits zweiten Österreich-Gastspiel von Tool in diesem Jahr - nach dem Nova Rock im Sommer - nicht anders gehandhabt. Sogar noch strenger. Nicht nur, dass man beim Eingang bereits genauestens gefilzt wurde, gab es im Inneren der Stadthalle noch jene gelbbeleiberlten Security-Mannen, die während des Konzertes mit Taschenlampen böse Knipser ausfindig machten und diese ihrer Handykameras entledigten. Ein maßlos überzogenes, zu beobachten allerdings durchaus unterhaltsames Szenario. Zumindestens solange man nicht selbst davon betroffen war. Doch nicht genug damit, wurde dem angetretenen Publikum auch noch das Rauchen untersagt. Mit der Begründung, es würde der Stimme des Sängers schaden. Ein Verbot, mit dem ich gut leben kann. Andere nicht. Gequalmt wurde natürlich trotzdem. Vielleicht mit ein Grund, warum Herr Keenan bei den letzten Songs dieses Abends eine Gasmaske trug. Eine mit eingebautem Mikro, was dafür sorgte, dass man ihn auch singen hören konnte. Und noch dazu verdammt cool aussah. Erst recht bei einem Typen mit nacktem Oberkörper und Irokesen-Haarschnitt. So stelle ich mir den Frontmann einer Rock N' Roll-Band vor. Wen stört es da noch, dass der Typ bewusst aneckt, mit seinen Mätzchen die Fangemeinde vor den Kopf stößt. Gerne auch mit seinen raren, stets provokanten Wortmeldungen: "Arnold Schwarzenegger is elected again. Congratulations." Nun ja, euer Werk. Nicht unseres.

Maynard James KeenanNachdem die Schwermetaller von Mastodon mit einem leider nicht ganz so gut abgemischten, dafür aber umso brachialer vorgetragenen Gig so manch zartbesaiteteren Neo-Tool-Fan zum Kopfschütteln und anschließender Flucht Richtung Toilette oder Getränkeausgabe brachten, betraten Danny Carey (Drums), Adam Jones (Gitarre), das Geburtstagskind Justin Chancellor (Bass) und zu guter Letzt auch Mister Keenan die Bühne der Wiener Stadthalle. Eine Veranstaltungslokalität, die den Ruf eines Stimmungskillers innehat. Unzählige Bands scheiterten bereits an der extrem kühlen Atmosphäre dieser Halle. Doch Tool sind anders. Im Falle des Vierers aus Los Angeles scheint das zweifelhafte Ambiente wie gemacht für deren spektakuläre Show. Ein Gesamtkunstwerk aus Sound- und Lichtkaskaden. Mit einer Band, die stets auf Distanz blieb, das Audiovisuelle in den Mittelpunkt rückte. Das Resultat dessen glich - nicht bloß wegen dem ohne Visuals eher kargen Bühnenbild - einem Live-Gig wie aus dem Versuchslabor. Da passten sogar die weiß bekittelten Roadies.

Wer an diesem Konzert etwas auszusetzen hatte, dem ist beim Phänomen Tool etwas entgangen, der war an diesem Abend wohl doch eher fehl am Platz. Allein dieser unglaublich perfekte Sound. Eine unabdingliche Voraussetzung, damit die zahlreichen technischen Finessen der teilweise an Spiellängen von einer Viertelstunde heranreichenden Konzeptstücke zwischen Metal und Experimental-Rock seitens des Zuhörers überhaupt in ihrer ganzen Vielfalt wahrgenommen werden können. Atemberaubend, dieser kantig harte, dabei aber stets feinste Klangteppich. Mit fast schon steriler Genauigkeit zum Besten gegeben. Im besten Einklang mit dem mal wüst ausufernden, dann wieder dezent im Hintergrund schwebenden Organ von Mister Keenan. Doch was wäre all das ohne die optische Umsetzung. Von Song zu Song wurden neue Effekte zugeschaltet. Zuerst die farbenprächtige Lichtshow. Dann die Videoeinspielungen auf den vier Screens. Letztendlich auch noch eine Laser-Einlage. Was alles gemeinsam zu einem außergewöhnlich spannenden Gesamtbild führte, das einem als Betrachter fast schon ehrwürdig erstarren ließ. Ich habe schon jede Menge Rock-Konzerte zu Augen bekommen, aber mit einem dermaßen perfekt in Szene gesetzten Spektakel wurde ich bislang nur selten konfrontiert. Wahrlich beeindruckend. Soetwas nennt man wohl Kunst.

Tool / Mastodon
19.11.2006 - Wien, Stadthalle.


Setlist:
Stinkfist / Forty Six & 2 / Jambi / Schism / Lost Keys / Rosetta Stoned / Swamp Song / Wings For Marie (Pt.1) / 10,000 Days (Wings Pt.2) / Lateralus / Vicarious / Aenema.

[toolband.com]
[mastodonrocks.com] [myspace.com/mastodon]

[Review: Tool - 10,000 Days]
[Review: Mastodon - Blood Mountain]

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