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"The Chumscrubber" fällt unter die Bezeichnung "tragikomische Satire". Irgendwie halt. Ich nenne es mal eine herrlich surreale Mixtur aus "American Beauty" und "Donnie Darko". Ironie hoch 3.

Jamie Bell in "The Chumscrubber"Irgendwo in Amerika, in einer wohlhabenden Vorstadtgegend: Drogensüchtige Kids, die ohne der einen Pille hier, der anderen Pille da nicht im Stande sind ihren Schulalltag zu meistern. Geld ist kein Problem. Die Beschaffung auch nicht. Sitzt der Dealer doch ohnehin in derselben Klasse. Und ihre Eltern? Diesen stinkreichen Spießern ist alles egal. Sie bekommen vom Treiben ihrer Kinder nichts mit. Viel zu sehr sind sie mit eigenen Problemen - sei es nun der Stress im Job, die kaputte Beziehung oder ihr rigoroser Alkoholkonsum - beschäftigt. Was bleibt ist ein Leben, wie es abgestumpfter nicht sein kann. Egal ob bei Jung oder Alt. Alle sind sie Teil des Alptraums "Upper-Class Suburbia". Mitten in diesem Vorstadtwahnsinn lebt auch der Außenseiter Dean. Ein Teenager ohne Freunde. Obwohl, eine Ausnahme gibt es da schon, beziehungsweise: gab es bis vor kurzem noch. Denn Dean hat diesen seinen einzigen und somit auch besten Kumpel soeben aufgehängt vorgefunden. Warum sich Troy das Leben genommen hat, weiß er nicht, weiß eigentlich niemand so recht. Vielleicht hatte er alles einfach nur satt. Gut möglich, bei diesem Umfeld. Weil aber Troy der war, der seine Mitschüler mit chemischen Hilfsmitteln versorgte, wenden sich diese nun an Dean. Und verlangen von ihm, dass er ihnen Nachschub besorgt, eben jene Vorräte, die irgendwo in Troys Zimmer versteckt sein sollen. Die Folge: Totales Chaos. Wobei nicht bloß Deans Leben aus allen Fugen gerät.

Was einem bei "The Chumscrubber" (deutscher Titel: "Glück in kleinen Dosen") zuallererst ins Auge sticht, ist die beachtliche Darstellerliste. Vor allem in den Nebenrollen der vollkommen abgedrehten Eltern glänzen ganz große Namen: Glenn Close (als wahnsinnig gewordene Mutter des Selbstmordopfers), Carrie-Anne Moss (als Ehemann suchende und dabei aufreizend zur Tat schreitende Fast-Vierzigerin), Ralph Fiennes (als in neue Sphären vordringender Bürgermeister mitten im Hochzeitstress seiner Zukünftigen). Um nur die Bekanntesten zu nennen. Dazu kommt noch der eine oder andere talentierte Jungschauspieler. Allen voran Hauptdarsteller Jamie Bell (man erinnere sich an das wunderbare "Dear Wendy"). Hervorzuheben auch Lou Taylor Pucci (der Daumenlutscher aus dem ebenso wunderbaren "Thumbsucker") als Teenager knapp vorm Überschnappen, dem das Fehlen der "vielen bunten Smarties" doch merklich zu schaffen macht. Kurz: Ein ganz schön hochkarätiges Ensemble für einen Haufen ziemlich kranker Existenzen. Es darf gestaunt werden.

Umso mehr, wenn man bedenkt, dass es sich bei "The Chumscrubber" um ein Langfilm-Debut handelt. Wenn Regisseur Arie Posin dabei bereits so viele, so gute Schauspieler vor die Kamera locken konnte, dann muss es sich zweifelsohne um beachtlichen Filmstoff handeln. Einen, der sich nicht wirklich einem Genre zuordnen lässt. Irgendwo zwischen Satire, Drama, Komödie und zu guter Letzt auch Thriller erweist sich "The Chumscrubber" vor allem als eines, nämlich völlig durchgeknallt. Die Charaktere sind allesamt gekennzeichnet von einem mehr oder minder großen Dachschaden. Allesamt maßlos übertrieben zum Besten gegeben inmitten einer Handlung, die nie wirklich vorhersehbar ist, bei der man immer wieder auf falsche Fährten geschickt wird. Was sich als ziemlich wirre Angelegenheit herausstellt. Teils absurd, teils naiv und alles andere als perfekt. Trotzdem: "The Chumscrubber" hat etwas, weiß vor allem zu unterhalten. Hier wird einem nie fad. Ein Film, den man gesehen haben sollte. Und sei es auch nur, weil er eben so "strange" ist.

The ChumscrubberThe Chumscrubber
Regie: Arie Posin.
Mit Jamie Bell, Justin Chatwin, Lou Taylor Pucci.
17.11.2006


[chumscrubber.com]

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