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Die Rückkehr von Sparklehorse. Der exzentrische Mark Linkous hat sich doch tatsächlich noch mal hochgerappelt und ein neues Album aufgenommen. Ein gespenstisch gutes noch dazu.

Mark LinkousEs ist inzwischen zehn Jahre her, da musste Mark Linkous den Großteil des Jahres im Rollstuhl verbringen. Grund dessen war sein allzu ausschweifender Drogenkonsum. Dieser sollte ihm eines Abends das Bewusstsein kosten. Und infolgedessen beinahe auch für den Rest des Lebens die Möglichkeit zu gehen. Linkous verbrachte nämlich mehrere Stunden auf dem Boden eines Hotelzimmers liegend. Mit unter sich verschränkten Beinen. Als er wieder aufwachte, konnte er diese nicht mehr bewegen. Linkous hatte sich die Blutzirkulation in seinen Beinen abgesperrt. Einzig der Erfolg operativer Eingriffe retteten ihn vor der Amputation. Weil Sparklehorse aber damals gerade ihr vielbeachtetes Debutalbum "Vivadixiesubamrinetransmissionplot" zu promoten hatten, entschloss sich Linkous trotz alldem dazu Konzerte zu geben. Im Rollstuhl sitzend. Soetwas verhilft zu Kultstatus. Eine Geschichte, wie gemacht für den angehenden Rock N' Roll-Superstar. Sofern man Linkous in solch eine Schublade hätte packen können.

Nein, Mark Linkous ist keiner, den man in ein Schema pressen kann, der sich irgendwie einordnen lässt. Linkous ist Künstler. Aufgrund seines unbestrittenen Talents beliebt bei Kritikern, noch beliebter bei Musikerkollegen. Was im Falle von Sparklehorse keinesfalls gleichzusetzen ist mit Unmengen verkaufter Platten. Wohl auch deshalb, weil es seit dem Debut von 1996 - bis vor kurzem - überhaupt nur zwei weitere Alben zu kaufen gab. Gründe dafür gibt es mehrere: Da wäre das bereits angeschnittene Thema Drogen. Dazu kommen die üblichen Depressionen. Und in den letzten Jahren auch noch Todesfälle in Linkous Freundeskreis. Der Mann hatte es nicht immer leicht. Sein musikalisches Schaffen ist Spiegelbild dessen. Sein beschränkter Output ebenso. So sollte es mehr als fünf Jahre dauern, bis das Sparklehorse-Album Nummer Vier und Nachfolger des formidablen "It's A Wonderful World" im Kasten war. Fünf Jahre, in denen er keinesfalls untätig war. Man bedenke nur sein Schaffen als Produzent von Daniel Johnston. Immerhin war es Linkous, der als Erster das schwierige Genie zu professionellen Studioaufnahmen bewegen konnte. Ein Verdienst, den man ihm gar nicht hoch genug anrechnen kann. Allein wegen dem wunderbar schrägen "Fear Yourself". Vielleicht noch mehr wegen dem darauffolgenden Tribute/Best-Of-Album "Discovered Covered: The Late Great Daniel Johnston", enstanden 2004 unter der Obhut von Kurator Mark Linkous.

Man könnte im Falle von "Dreamt For Light Years In The Belly Of A Mountain" natürlich meckern, dass man den einen oder anderen Song der vorliegenden Tracklist - wenn schon nicht in dieser, dann in einer anderen Version - bereits zu Ohren bekommen hat. Vorwiegend im Dunstkreis von "It's A Wonderful World". "Morning Hollow" (mit Tom Waits am Piano) war der Hidden-Bonus-Track. "Ghost In The Sky" die Zugabe auf dessen japanischer Pressung. Der Titelsong trat damals bereits als "Maxine" auf der LP-Version in Erscheinung. Dazu kommt "Shade And Honey", das bereits 2002 auf dem Soundtrack zu "Laurel Canyon" veröffentlicht wurde. Damals allerdings gesungen von dem Schauspieler Alessandro Nivola. Fakten, Fakten, Fakten. Die allesamt nichts daran ändern, dass Linkous ein weiteres kleines Meisterwerk gelungen ist. Eines, das trotz fragwürdiger Songauswahl in sich stimmig ist, als Ganzes funktioniert. Eines, dem man es keinen Moment übel nimmt, dass es an den übermächtigen Vorgänger nicht heranreicht. Was zu erwarten auch vermessen gewesen wäre. Immer diese Vergleiche. Stattdessen sollte man einfach nur genießen was vorliegt. Nämlich ein traurig-düsteres Lo-Fi-Psychedelic-Folk-Album. "Half intricate indie-rock, half heavy, alt.country-tinged tunes." Vorwiegend still und introvertiert, hin und wieder aber auch laut und ausgelassen. Ein Werk, wo nach Lust und Laune experimentiert wurde. Sei es mit Stimme, Gitarren, Keyboards, Samplern oder einem Sammelsurium mehr oder minder skurriler Klangerzeuger. Der Einfluss der Herren Danger Mouse und Stephen Drozd hat sich zweifelsohne ausgezahlt. Man höre und staune.

[Live @ Queen Elizabeth Hall, London - 27.10.2006]

Sparklehorse: Dreamt For Light Years In The Belly Of A MountainSparklehorse
Dreamt For Light Years In The Belly Of A Mountain
02.10.2006


[sparklehorse.com]
[myspace.com/sparklehorse]

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