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Keine Kinder. Keine Zukunft. Keine Hoffnung. "Children Of Men" erzählt davon. Vom langsamen Aussterben der menschlichen Rasse. Ein gleichermaßen bedrückendes und faszinierendes Kinoerlebnis.

Clive Owen in "Children Of Men"Wir befinden uns im Jahr 2027: Es ist nicht so, dass man London nicht erkennen würde. Die roten Doppeldeckerbusse stechen einem sofort ins Auge. Selbst die Oxford Street ist dieselbe geblieben. Trotzdem hat sich die Stadt merklich verändert. Ist sie inzwischen doch ein Platz der Verwüstung geworden. Ein verwahrloster Ort, wo Anarchie und Chaos vorherrschen. Rebellen befinden sich im Kampf gegen die gnadenlose Herrschaft eines totalitären Regimes. Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Untergrundorganisationen und Regierung prägen das Großstadtleben. Terroranschlägen gehören zum Alltag. Gleichzeitig ist unter der Bevölkerung aber auch ein merklich erkennbarer Hang zur Gleichgültigkeit zu beobachten. Die Menschen sind lust- und hoffnungslos, nicht selten auch lebensmüde. Von Tag zu Tag drohen sie alle noch mehr in der Tristesse zu versinken. Der Grund für die vorherrschende Endzeitstimmung kommt daher, dass seit mehr als 18 Jahren weltweit kein Baby mehr geboren wurde. Fortpflanzung scheint unmöglich. Der Untergang der menschlichen Rasse nimmt langsam seinen Lauf. Doch wie aus dem Nichts die vermeintliche Erlösung: Eine junge Farbige ist im achten Monat schwanger. Soetwas sorgt natürlich für Aufsehen, kann aber auch zum Problem werden. Nämlich dann, wenn gewisse Gruppierungen versuchen den bevorstehenden Nachwuchs für ihre Zwecke auszunützen.

"Children Of Men" zeigt ein zutiefst düsteres Bild der Zukunft. Die Geschichte der bevorstehenden Apokalypse basiert auf dem gleichnamigen Roman von Krimiautorin P. D. James. Regisseur Alfonso Cuaron machte daraus einen Science-Fiction-Film der etwas anderen Art. Futuristischen Firlefanz sucht man hier vergebens. "Children Of Men" präsentiert sich als eine Zukunftsvision zwischen Kriegsfilm und Drama. Kein herkömmlicher Sci-Fi. Vielmehr traurige Realität. Sehr realistisch in Szene gesetzt. Ebenso brutal. Knallhartes Material mit einer beeindruckend deutlichen Bildsprache. Nichts wird verschönt dargestellt. Es herrscht eine schockierend echt wirkende Unverblümtheit. Nahe dran an einer Dokumentation. Vor allem bei jener Szene gegen Ende des Streifens, wo verwackelte Handkameraeinstellungen - wie in einem Stück gedreht - den Hauptakteur durch das Kriegsgebiet begleiten. Soetwas erschreckt. Soetwas wühlt auf. Schlichtweg meisterhaft.

Neben der durchwegs spannenden Geschichte und der beeindruckenden Bildästhetik weiß "Children Of Men" aber auch mit glaubhaften Charakteren zu überzeugen. Und einer herausragende Schauspielerriege, die diese zum Besten gibt. Julianne Moore als Rebellenanführerin kommt da noch am Schlechtesten weg. Aber auch nur deshalb, weil sie viel zu kurz im Bild ist. Michael Caine als verrückt-cleveren Quasi-Hippie darf man da schon etwas länger genießen. Herausragend Hauptdarsteller Clive Owen. Als zwischen Desillusion und Kampfeswillen hin- und hergerissener Normalo-Held. Noch dazu einer in Flip-Flops. Bemerkenswert, dass Mister Owen doch tatsächlich von Film zu Film besser zu werden scheint. Was bleibt, ist ein intensives, fesselndes, aber auch eigenwilliges Werk. Letzteres vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich hier um ein großangelegtes Big-Budget-Projekt handelt. Was man sehr schnell als Popkornkino abtut. Nicht so "Children Of Men", handelt es sich in diesem Fall doch um sündhaft teuren Filmstoff, der aufgrund seines bedrückenden Inhaltes durchaus auch im Stande ist zum Nachdenken anzuregen. Wer sich hier einfach nur mal so nebenbei berieseln lassen will, ist definitiv fehl im Kinosaal.

Mehr dazu unter [bookworm.twoday.net]

Children Of MenChildren Of Men
Regie: Alfonso Cuaron.
Mit Clive Owen, Julianne Moore, Michael Caine.
10.11.2006


[childrenofmen.net]

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