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Viennale 2006, die Vierte: "A Scanner Darkly" bietet surrealen Filmstoff, der zum Nachdenken anregt. Sei es wegen des Drogenwahns. Sei es wegen der absoluten Kontrolle. Strange, very strange.

Nein, ich habe das Buch nicht gelesen. Nur den Film gesehen. Wer im folgenden Text also etwas hinsichtlich Vergleiche von Romanvorlage und Leinwandadaption lesen will, der ist hier falsch und sollte sich doch eher an diese Stelle wenden. Nur soviel: "A Scanner Darkly" (deutscher Buchtitel: "Der dunkle Schirm") gilt als persönlichstes Werk des 1982 im Alter von 53 Jahren verstorbenen Sci-Fi-Vordenkers Philip K. Dick. Wohl deshalb, weil er dabei seine eigenen Drogenerfahrungen einfließen ließ. Die Verfilmung des Stoffes war bereits seit längerer Zeit geplant. Nicht die Erste nach einer Dick-Vorlage: Man erinnere sich an Genre-Klassiker wie "Blade Runner", "Total Recall" und "Minority Report". Für die Verfilmung von "A Scanner Darkly" soll zu Beginn der Neunziger bereits Terry Gilliam als Regisseur im Gespräch gewesen sein. Und Charlie Kaufman soll sogar ein fertiges Script abgeliefert haben. Was - wenn es tatsächlich stimmt - jedenfalls nie verwendet wurde. Fakt hingegen ist, dass die Wahl für die Umsetzung von Screenplay und Regie schlussendlich auf Richard Linklater fiel. Einer, den man als Filmemacher nur schwer in eine Schublade packen kann. Einer, den man aber zumindestens in Sachen Science Fiction als Neuling bezeichnen kann. Soweit "A Scanner Darkly" überhaupt als herkömmlicher Sci-Fi-Streifen durchgeht. Denn dieser Film ist zweifelsohne anders als man ohne Vorkenntnis des Buches vielleicht annehmen würde. Mehr drogenbeeinflusstes Drama als futuristischer Action-Reißer.

"A Scanner Darkly": Keanu Reeves - Robert Downey Jr. - Woody Harrelson - Winona Ryder."Orange County, Kalifornien, in der nahen Zukunft: Wer die sogenannte Droge «D» zu sich nimmt, verliert jeglichen Bezug zur Realität und entwickelt verschiedene Persönlich-keiten. «D» hat das Land erobert, der Staat ist machtlos und lässt die Bevölkerung von Undercover-Polizisten bespitzeln. Auch der Polizist Bob ist der Substanz verfallen. Er kann seine Abhängigkeit kaum noch verheim-lichen, während seine Vorgesetzten immer misstrauischer werden. Weil Bob einen hochmodernen Tarnanzug trägt, bleibt seine wahre Identität geheim. Und so wird er beauftragt, neben seinen Freunden auch sich selbst zu bespitzeln. Bob versinkt immer tiefer im Drogenrausch, bis er zwischen der Realität und seiner Fantasie nicht mehr unterscheiden kann." [viennale.at]

Was bei "A Scanner Darkly" herausragt, ist dessen Optik. Wer "Waking Life" gesehen hat, der weiß, was einen erwartet. Verwendete Linklater doch auch bei "A Scanner Darkly" das sogenannte Rotoskopie-Verfahren, wo man zunächst mit realen Darstellern dreht, das Filmmaterial dann allerdings mit einer bestimmten Technik übermalt. Das Resultat ist ein Zeichentrickfilm. Allerdings einer mit einem vollkommen abgefahrenen Look. Ziemlich schräg, was im Falle von "A Scanner Darkly" allerdings perfekt zu dessen Inhalt passt. Ein Film wie im Drogenrausch. Da verschwimmen mit Fortdauer Realität und Fiktion. Es fällt einem immer schwerer, die Geschehnisse auf der Leinwand voneinander zu trennen und ihnen zu folgen. Ein Szenario, das den Zuschauer zweifelsohne fordert. Einerseits wegen dem ungewöhnlichen Äußeren. Andererseits aber auch wegen der oftmals äußerst skurrilen Monologe. Vor allem jenen von James (Robert Downey Jr.) und Ernie (Woody Harrelson), den Mitbewohnenern von Drogenfahnder Bob (Keanu Reeves). Das ist einerseits verwirrend, wenn man aber erst mal aufgegeben hat, einen tieferen Sinn dahinter vermuten zu wollen, aber auch unterhaltsam. Es macht also durchaus Sinn, sich im Vorfeld zumindestens oberflächlich mit der Materie zu beschäftigen, damit man sich bewusst ist, auf was man sich hier einlässt. Eben auf ein ebenso unheimliches wie auch faszinierendes Stück Filmkunst fern leicht konsumierbarer Kost. Massenkompatibel ist definitiv anders. Was wiederum erklären könnte, warum es für "A Scanner Darkly" hierzulande immer noch keinen Starttermin gibt. Und vielleicht auch niemals geben wird. "This is fucked up, fucked up..."

A Scanner DarklyA Scanner Darkly
Regie: Richard Linklater.
Mit Keanu Reeves, Robert Downey Jr., Woody Harrelson.
Viennale 2006 (OF)


[wip.warnerbros.com/ascannerdarkly]

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