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Klaus Nomi sah aus wie ein Alien und sang wie eine Diva. Irgendwo zwischen New Wave und Oper. Mit der Doku "The Nomi Song" bekommt die Achtziger-Jahre-Ikone nun ihre längst überfällige Huldigung.

Klaus NomiWer war eigentlich dieser Klaus Nomi? 1944 als Klaus Sperber in Essen geboren, verbrachte er seine Kindheit im Ruhrgebiet, auch als Deutschlands Kohlenpott bekannt. In jungen Jahren absolvierte er in Berlin, wo er in der Deutschen Oper nebenbei als Platzanweiser arbeitete, eine Gesangsausbildung als Tenor. Nachdem er nach New York übersiedelt war, wechselte der Maria Callas-Fan zum Countertenor. Das Bemerkenswerte daran: Mit seiner außergewöhnlichen Stimme sang er sowohl Opern als auch Popmusik. Diese Mixtur aus New Wave und Klassik machte ihn in den späten Siebzigern zur Kultfigur der Underground-Szene New Yorks. Mit ein Grund dafür war auch sein futuristisches Erscheinungsbild: Weiß geschminktes Gesicht, schwarze Lippen, angeklebte Frisur. Dazu die schrillen Kostüme. Man erinnere sich nur an jenen überdimensionalen Plastik-Smoking, der die Bühnenfigur Nomis prägte.

Klaus Nomi war der perfekte Popstar. Er war anders, seiner Zeit voraus. Nicht nur als Bühnenfigur, auch in musikalischer Hinsicht vollbrachte Nomi Bemerkenswertes. Niemand vor ihm setzte eine dermaßen göttliche Stimme mit kargen Synthie-Sounds in Gleichklang. Unvorstellbar, was aus diesem Künstler mit einem Massenmedium wie MTV im Rücken hätte werden können. Zwar wuchs seine Fangemeinde ständig an und mit seinen Anfang der Achtziger erschienenen Alben und Singles wie "Simple Man" und "Total Eclipse" konnte er auch so manchen Erfolg in den Charts verbuchen. Der Höhepunkt seiner Popularität war jedoch bei weitem noch nicht erreicht, als er am 6. August 1983 im Alter von nur 39 Jahren starb. Klaus Nomi ging nicht nur als außergewöhnlicher Sänger, Musiker und Performer sondern auch als erstes prominentes Aids-Opfer in die Geschichte ein.

Klaus Nomi: stKlaus Nomi: Simple ManKlaus Nomi: EncoreKlaus Nomi: In ConcertKlaus Nomi: The Collection

Part Documentary. Part Music Film. Part Sci-Fi.

"The Nomi Song" erzählt die Geschichte der viel zu kurzen Karriere des bizarren Sängers. Regisseur Andrew Horn dokumentiert den Lebensweg des schüchternen und äußerst sensiblen Klaus Sperber zum androgynen Bühnenwesen Klaus Nomi. Mit einer Vielzahl an originalen Bilddokumenten. Neben Ausschnitten von diversen Auftritten sieht man auch Interviews mit Weggefährten, Verwandten, Freunden und Nomi selbst. Auf Kommentare wird verzichtet. Horn lässt das von ihm gesammelte Material für sich sprechen. Dabei zeigt er auch die Berührungsängste in den Anfangszeiten von Aids auf und behandelt den damit verbundenen Bewusstseinswandel der Spaßgesellschaft der Siebziger Jahre.

Ein äußerst kurzweiliger Dokumentarfilm. Komisch und tragisch zugleich. Die besonderen Momente bei "The Nomi Song" sind jedoch jene, wo man ihn singen hört, mit dieser Stimme aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt. Mein persönliches Highlight: Nomis gemeinsamer Auftritt mit David Bowie, der ihn heiß verehrte, bei "Saturday Night Live". Beide wunderbar dekadent in Frauenfummeln gekleidet. Allein diese wenigen Minuten machen "The Nomi Song" zur unverzichtbaren Erinnerung für all jene, die soetwas miterleben durften. Für alle anderen bietet diese wirklich sehenswerte Doku die einmalige Möglichkeit einen Einblick in die Karriere dieses einzigartigen Künstlers zu bekommen. Auch für Nicht-Musikfans geeignet.

It's Newer Than New. It's Youer Than You.
It's Nower Than Now. It's Vower Than Vow.


"The Nomi Song" lief bereits im Juni dieses Jahres beim Identities 2005, Wiens zweitgrößtem Cineastenfest nach der Viennale. Mehr als hundert aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme wurden dort gezeigt. Durchwegs mit schwul-lesbischen Inhalten, sieht sich das Identities doch als Queer Film Festival. 12.000 Besucher konnte man 2005 verbuchen. Ein neuer Rekord. Viele der gezeigten Filme waren bereits Tage davor ausverkauft. So auch "The Nomi Song". Meine Wenigkeit war in diesem Fall jedenfalls zu spät dran. Und am Tag des Screenings dann zu faul, um sich rechtzeitig vor der Kinokassa um Restkarten anzustellen. Im Nachhinein betrachtet ein Fehler. Nur gut, dass es nun knapp ein halbes Jahr später die Möglichkeit gibt, die vermeintliche Bildungslücke zu schließen. "The Nomi Song" ist nämlich inzwischen auf DVD erschienen. Das nächste Identities ist jedenfalls vorgemerkt. Wenn alles gut geht, sieht man sich also im Juni 2007. Hoffentlich.

The Nomi SongThe Nomi Song
Regie: Andrew Horn.
Dokumentation.
DVD / Identities 2005


[thenomisong.com]

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