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"Me And You And Everyone We Know" ist der wunderbare Spielfilm-Erstling von und mit Miranda July. Ein kleines groteskes Leinwandwunder, in das man sich einfach verlieben muss.

Miranda July ist 31 Jahre alt, kommt aus Amerika und arbeitet als Multi-Media-Künstlerin. Sie nimmt Musikalben auf, führt bei Videoclips Regie und realisiert zahlreiche Kurzfilme. Die Geschichten dazu schreibt sie selbst. Nebenbei ist sie auch noch Schauspielerin. Ihr Debut gab sie 1999 in "Jesus' Son" von Alison Maclean. Mit Billy Crudup in der Hauptrolle. Kurz: Miranda July kommt einem Multitalent gleich. Dieses Jahr vollendete sie ihren ersten Spielfilm. Das Drehbuch dazu hat sie natürlich selbst verfasst. Ebenso fungierte July als Regisseurin und übernahm eine der Hauptrollen. Ein in vielerlei Hinsicht erstaunlicher Streifen.

John Hawkes - Miranda July"Me And You And Everyone We Know" erzählt die Geschichte der jungen Performancekünstlerin Christine (Miranda July), die in kurzen Filmen ihre Einsamkeit, gleichzeitig aber auch ihre Wünsche verarbeitet. In der Hoffnung endlich entdeckt zu werden, verdient sie sich bis dahin ihren Lebensunterhalt als Fahrerin für Eldercab, eine Art Taxiunternehmen für ältere Menschen. Bei einer ihrer Touren lernt sie den leicht depressiven Schuhverkäufer Richard (John Hawkes) kennen. Dieser hat sich soeben von seiner Frau getrennt und lebt nun mit seinen beiden Söhnen in einem kleinen, eher heruntergekommenen Haus. Während der Vater bei der Arbeit ist, beginnt der siebenjährige Robby (Brandon Ratcliff) eine Internet-Bekanntschaft mit einer älteren Frau. Sein vierzehnjähriger Bruder Peter (Miles Thompson) wiederum muss für die ersten sexuellen Erfahrungen zweier Mädchen aus der Nachbarschaft als Versuchskaninchen herhalten. Zur selben Zeit kommen sich auch Christine und Richard näher. Wenn da nicht die lebhafte und allzu direkte Art von Christine wäre, die den doch eher zurückhaltenden Richard schon bald überfordert. Es kommt, was kommen muss: Ihn ergreift Panik.

Ich und du und alle, die wir kennen.

Miranda Julys vielversprechendes Spielfilmdebut lief bei der diesjährigen Viennale. Warum ich mir "Me And You And Everyone We Know" in diesem Rahmen entgehen ließ, ist mir ein Rätsel. War es Mangel an Zeit? Vielleicht schlechte Recherche? Oder doch eher das fehlende Gespür für Wesentliches? Wahrscheinlich von allem etwas. Jedenfalls entpuppte sich der Streifen - im Nachhinein betrachtet - als einer der Höhepunkte des diesjährigen Festivals. Nur gut, dass man sich beim altehrwürdigen Stadtkino am Wiener Schwarzenbergplatz dazu entschloss, den Film ins Programm zu nehmen. Wenn auch nur als englischsprachige Originalfassung mit deutschen Untertiteln. In diesem Fall übrigens alles andere als eine schlechte Wahl.

Es sind vor allem diese Unmengen an genialen, teilweise ans Surreale grenzende Ideen, die diese bittersüße Komödie so unwiderstehlich machen. July setzt sich auf erstaunlich geschickte und unkonventionelle Weise mit dem Entstehen und den damit verbundenen Problemen einer modernen Beziehung auseinander. Dabei wird selbst vor so manch vermeintlichem Tabuthema nicht haltgemacht. Was irgendwie an die Machenschaften eines Todd Solondz erinnert. Nicht die schlechteste Referenz, wie ich meine. Endlich mal ein Film, der trotz seiner namhaften Auszeichnungen - Sundance (Special Jury Prize for Originality of Vision) und Cannes (Camera d'or) - unverschämt viel Spaß macht. "Me And You And Everyone We Know" ist Independent-Kino, wie es im Idealfall aussehen kann.

Me And You And Everyone We KnowMe And You And Everyone We Know
Regie: Miranda July.
Mit Miranda July, John Hawkes, Miles Thompson.
11.11.2005


[meandyoumovie.com]

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