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Kein Sex, dafür jede Menge Lügen und Videobänder. Das Motto des neuen Streifens von Michael Haneke. Ein gewohnt kompromissloses Werk. Typisches Arthouse-Kino. Leider.

CacheEine Familie - wohnhaft in Paris - wird bedroht. Anonym. In Form von Videokassetten und obskuren Zeichnungen. Letztere zeigen ein Kind, aus dessen Mund Blut fließt. Erstere konzentrieren sich auf Einstellungen vom Haus der bedrohten Familie. Später noch mehr. Allerdings nie etwas wirklich Aussagekräftiges. Stilistisch werden die Videoaufnahmen mit aktuellen Bildern vermischt. Gehen nahtlos ineinander über. Schon in der Anfangssequenz wird der Betrachter auf durchaus geschickte Weise irregeführt. Es folgt permanente Verunsicherung. Man beginnt dem Gezeigten zu misstrauen. Eine Form von Misstrauen, die durchaus ihren Reiz haben kann. Passiert diese Szene nun gerade wirklich? Oder kommt sie doch wieder nur vom Band?

Langweilig, Herr Haneke.

In "Cache" geht es um die Bedrohung von außen. Eigentlich ein klassisches Thriller-Thema. Passend dazu arbeitet Regisseur Michael Haneke bewusst mit Angst und vermittelt dem Betrachter ständig das Gefühl, es könnte etwas passieren. Wenn nicht in dieser dann halt in der nächsten Szene. Eigentlich beste Voraussetzungen. Das Blöde daran? Es passiert einfach nichts. Nun ja, eineinhalb Ausnahmen gibt es dann doch. Schockmomente, die vielleicht als Weckversuch positioniert wurden. Was spätestens nach der Hälfte des zweistündigen Streifens auch dringend notwendig ist. Schnarchgeräusche konnte ich im Kinosaal zwar keine vernehmen, dafür war zumindestens meinerseits das ein oder andere Gähnen schon bald nicht mehr zu unterdrücken. Und wie ich in der letzten Reihe gut beobachten konnte, war ich mit diesem Problem nicht der Einzige.

"Cache" - das Original-Drehbuch stammt übrigens von Haneke selbst - ist leider eine ziemlich fade Angelegenheit, dessen endlos lange Einstellungen und das Aneinanderreihen nichtssagender Szenen mit Fortdauer doch ziemlich nerven. Man fühlt sich verarscht, schaltet nach einer gewissen Zeit ab, verliert das Interesse an dem Film. Folglich versäumt man vielleicht sogar die eine oder andere Erklärung. Wie beim Abspann, wo ich bereits beim Zusammenpacken war um schleunigst den Ort der Langeweile verlassen zu können. Wenigstens brachte mir dieser unspannende Kinoabend dann doch noch etwas Nervenkitzel ein. Wenn auch unfreiwillig. Ich hatte nämlich bei der Heimfahrt das Lösen eines Fahrscheins vergessen. Und bin erst in der U-Bahn stehend draufgekommen. Für einen ehemaligen Jahreskarten-Besitzer schon etwas besonderes. Erst recht nach dieser Schlaftablette von Film.

Gewaltmechanismen, für Hollywood neu aufbereitet.

"Cache" wurde - wie könnte es auch anders sein - von Preisen überhäuft. Beispielsweise bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes für die beste Regie. Gleichzeitig befindet sich "Cache" im Rennen um den Europäischen Filmpreis. Sogar in sieben Kategorien, darunter "Bester Film". Bei Michael Haneke keine Seltenheit. Eigentlich wenig verwunderlich, dass in Hollywood bereits seit mehreren Jahren großes Interesse besteht Remakes seiner Filme zu produzieren. Im Falle des großartigen "Funny Games" soll sogar schon ein Vertrag unterzeichnet sein. Wobei allerdings noch offen ist, ob Haneke selbst das Remake drehen wird oder jemand anderer. Ersteres wäre künstlerisch zwar eher zweifelhaft, bringt aber jede Menge Kohle ein und könnte dem Regisseur auch in den USA zum Durchbruch verhelfen. Vorher wird es allerdings noch ein vollkommen anderes Projekt geben. Im anstehenden Mozart-Jahr soll Haneke nämlich schon im Jänner 2006 in Paris dessen Oper Don Giovanni inszenieren. Wird sicher der absolute Reißer.

CacheCache
Regie: Michael Haneke.
Mit Daniel Auteuil, Juliette Binoche, Annie Girardot.
18.11.2005


[cache-derfilm.at]

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