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Paul SmithMit Maximo Park gastierte eine der führenden Indie-Rock-Bands des Jahres in der Wiener Arena. Trotz einiger Leerläufe ein erfrischendes und vor allem sympathisches Vorspielen.

Es ist immer so eine Sache mit Bands, die gerade mal ein Album veröffentlicht haben, sich aufgrund des immensen Erfolges ihres Debuts aber bereits allerorts voller Konzerthallen erfreuen dürfen. Da ist es dann weniger die Qualität als vielmehr die Quantität, unter der solch eine Veranstaltung zu leiden hat. Willkommene Abhilfe allzu kurzer Gigs ist es dann, das Set mit jeglichem kreativen Output aufzufüllen, der den Musikern bislang gelungen ist: Vorwiegend B-Seiten und - wenn denn vorhanden - Sampler-Beiträge. Manchmal auch noch mehr. Nämlich in Form von Songmaterial, das eigentlich erst für das nächste - noch in ferner Zukunft befindliche - Album geplant ist. Es soll schon vorgekommen sein, dass manch einer dieser Schnellschüsse wenig später ohnehin wieder von der Bildfläche verschwunden ist. Nicht selten bedeutet der Einsatz von zu viel "Bonusmaterial" zwar ein Mehr an Spielzeit, beeinträchtigt allerdings auch die dargebrachten Live-Show als Ganzes. Wobei ich dann doch eher die Variante mit "kurz und intensiv" als jene mit "lang und -weilig" bevorzuge. Zur Verteidigung betroffener Bands: Es gibt sie nämlich noch, jene Musiker, die das schlechte Gewissen plagt, wenn sie das angetretene Publikum bereits nach einer knappen Dreiviertelstunde wieder nach Hause schicken müssten. Eine Zwickmühle, das alles.

Maximo Park scheinen jedenfalls eine jener Bands zu sein. Denn all das eben Beschriebene trifft auf den Fünfer aus Newcastle zu. Da wäre zuallererst das formidable Debutalbum. Gehört "A Certain Trigger" doch zweifelsohne zum Besten, was Indie-Rock 2005 zu bieten hatte. Allerdings kommt man mit den darauf enthaltenen 13 Songs nicht mal auf eine Spieldauer von 40 Minuten. Für einen Live-Auftritt etwas mikrig, bedenkt man, dass die Band dabei auf das aus der Reihe fallende - aber nicht weniger famose - "Acrobat" verzichtet und all die anderen Songs in einer nahezu 1:1-Version zum Besten gibt. Man rechne noch die kurzen Zwischenansagen dazu und komme bestenfalls auf 45 Minuten. Also bedient man sich gut einer Hand voll B-Seiten und dem Beitrag zum diesjährigen Help-Sampler. Als besondere Draufgabe spielt man sogar einen bislang unveröffentlichten Song, der es nächstes Jahr dann auf Album Nummer 2 schaffen soll. Alles recht gut und schön, nur handelt es sich dabei leider um eher weniger zwingendes Liedgut. Natürlich ganz im Gegenteil zu den klassischen Drei-Minuten-Hits wie "Apply Some Pressure", "Graffiti" und "Going Missing". Das sind nämlich allesamt extremst charmante Popsongs mit einem Hauch von Punk-Flair. Energiegeladen, catchy, aber auch mit Ecken und Kanten. Irgendwie retro, zugleich aber auch wieder zeitgerecht. Im Sinne von Post Punk, New Wave oder was auch immer.

Missing Pornography.

Maximo Park erwiesen sich bei ihrem ersten Wien-Gastspiel in der Arena als äußerst sympathische Band. Einerseits aufgrund ihrer straighten Live-Show, der anfangs noch der eher breiige Sound zu schaffen machte, andererseits wegen der mitreißende Performance von Frontmann Paul Smith. Der Mann mit der gehörigen Portion Haargel in der Frisur begab sich von einer Pose in die nächste, ohne jedoch, dass sein Auftreten dabei als allzu aufgesetzt rüberkam. Ganz im Sinne der Musik dieses Abend. Bei Maximo Park gibt es nämlich keine großen Herumspielereien. Stattdessen werden die Songs ähnlich sparsam und präzise wie auf Platte präsentiert. Was einen eher durchwachsenen Gig zur Folge hatte, der aufgrund des immensen Einsatzes der Band dann aber doch noch positiv ausfiel. Den Anwesenden schien die 65 Minuten lange Performance jedenfalls gefallen zu haben. Zumindestens wenn man nach der überschäumenden Resonanz bei den oben genannten Indie-Stompern geht.

Noch ein paar Worte zur Vorband des Abends. Oder jener Formation, die es eigentlich hätte sein sollen. Gemeint sind The New Pornographers, die mit ihrem Album "Twin Cinema" in den letzten Wochen und Monaten in der Indie-Community für allerlei Begeisterung sorgten. Endlich mal ein Support-Act, auf den man sich hätte freuen können. Leider wurde daraus nichts. Spielten die Kanadier doch den Tag davor noch einen Gig in Seattle. Und so konnten sie den Job des Anheizers von Maximo Park erst am 21.11. in München wahrnehmen. Schade, sehr schade. Als Ersatz eröffnete in Wien eine junge Band aus Tschechien namens Khoiba. Nur soviel: Ich habe schon Schlimmeres ertragen müssen. Zum Beispiel zwei Tage davor - sogar an selber Stelle - die Vorband von dEUS. Schrecklich waren sie, diese Admiral Freebee aus Belgien mit ihrem altbackenen Americana-Scheiß. Verdrängt habe ich sie und eben gerade deshalb an dieser Stelle gar nicht mal erwähnt. Und nun soetwas...

Maximo Park
20.11.2005 - Wien, Arena.


[maximopark.co.uk]

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