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Filmischer Grusel von der Insel: "The Descent" und "The Last Horror Movie". Mal klaustrophobischer Survival-Trip. Mal Quasi-Doku über einen Serienkiller. Frightening.

Verdammt. Die Free-TV-Premiere von "Audition" verpasst. Gestern, 23.25 Uhr auf Arte. Vor einigen Jahren habe ich den anfangs eher harmlosen, japanischen Streifen auf DVD gesehen. Und war aufgrund seiner expliziten Gewalt, die es nach gut einer Stunde Spieldauer zu bestaunen gibt, doch etwas geschockt. Zugegeben: Ich bin in Sachen Horror alles andere als Experte. Eher Mitläufer. Allerdings einer jenen Sorte, die bei passendem Material sehr leicht für mehr zu motivieren sind. Natürlich ekelt es auch mich bei diversen Splatterszenen. Allerdings sehe ich es als eine Art von Endorphin-Kick, wenn man als durchaus leicht zu erschreckende Seele aufgrund allerlei abstruser Schockelemente zusammenzucken muss. Egal ob im überdimensionalen Kinosaal oder im verdunkelten Eigenheim, filmische Blutbäder machen einfach Spaß. Was beneide ich unsere deutschen Nachbarn doch für ihre alljährlichen Fantasyfilmfestspiele. Unsereins muss halt auf den DVD-Release der begehrten Ware warten. Wie im Falle von "The Descent" und "The Last Horror Movie". Und bevor ich es vergesse: "Audition" wird wiederholt. In der Nacht vom 28. auf den 29. November. Diesmal ist mein Videorecorder programmiert.

Afraid Of The Dark? You Will Be.

Shauna Macdonald in "The Descent"Es beginnt eher unspektakulär. Fast schon tragisch. Eine junge Frau verliert bei einem Autounfall Ehemann und Kind. Erst ein Jahr später kann sie von ein paar Freundinnen dazu überredet werden endlich wieder an einem ihrer gemeinsamen Abenteuer in der wilden Natur teilzunehmen. So machen sich die sechs Frauen auf zu einer Tour in eine unterirdische Höhle. Eine - wie man anfangs annimmt - bislang unerforschte. Soetwas wird spätestens dann zum Problem, wenn die Anführerin der Gruppe auf eine Karte verzichtet, ein Höhlengang in sich zusammenbricht und im Dunklen dann auch noch jede Menge "Gollums" hausen. Äußerst hungrige noch dazu.

Splatter ohne Anspruch? Natürlich. So wie es sein soll. Trotzdem hebt sich "The Descent" von den typischen Horrorstreifen Marke Hollywood ab. Vor allem deshalb, weil der Film von Neil Marshall auch ohne große Schockmomente funktioniert. Zumindestens in der ersten Hälfte. Da machen den Grusel nämlich vielmehr jene Szenen aus, wo die Protagonistinnen durch Löcher und Gänge kriechen. Es ist das unheimliche Gefühl der Enge und des Ungewissen, das einem Gänsehaut bereitet. Und nicht nur jenen, die klaustrophobisch veranlagt sind. Erst mit den Auftritten der Höhlenmonster nimmt dieses Gefühl ab. Von diesem Zeitpunkt an herrscht nur noch ein Gemetzel. Solange bis alle - egal ob tot oder lebendig - in einer Suppe aus Blut und angebissenen Menschenteilen schwimmen. Ein wirklich gelungener Splattermovie, wo es so richtig ans Eingemachte geht. Ohne Rücksicht auf Zartbesaitete. Wer es sich zutraut, sollte sich diesen Horror unbedingt reinziehen. Auch wenn der Starttermin von "The Descent" hierzulande auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Wo ein Wille, da ein Weg.

Diary Of A Serial Killer.

Kevin Howarth in "The Last Horror Movie"Max ist Hochzeitsfotograf. In seiner Freizeit kümmert er sich rührend um den Sohn seiner Schwester. Auch wenn der Schabernak, den die Beiden treiben, seinem Schwager eher ein Dorn im Auge ist. Was keiner weiß: Max führt ein Doppelleben. Nebenbei ist er nämlich Englands umtriebigster Serienkiller. Einer der ganz morbiden Sorte, will er doch bei seinen Morden wissen, was in den Opfern vorgeht. Was ihn dabei jedoch stört, ist die damit verbundene Anonymität. So lässt er seine blutigen Taten von einem Komplizen filmen. Das Ergebnis ist eine Art Video-Tagebuch mit allerlei Kommentaren. Man kann Max dabei beobachten, wie er in die Kamera spricht, im nächsten Moment jemanden ausbluten lässt, und danach - als wäre nichts geschehen - seine Konversation wieder fortsetzt. Nicht genug damit, lässt er diesen Snuffmovie auch noch auf geneigte Genre-Liebhaber los, indem er artverwandte Leihvideos mit seinem Werk überspielt. Wodurch der Betrachter zum Mitwisser wird, ohne jedoch zu ahnen, dass es sich bei den Taten auf der Videokassette um echte Morde handelt.

Bei einer Szene fragt Max - wunderbar eitel, dabei aber alles andere als unsympathisch dargestellt von Kevin Howarth - den Zuschauer auf schelmische Art und Weise, ob er denn für das Leben einer seiner Opfer ab sofort auf den Fernseher verzichten würde? Mit einem Schlag fühlt man sich als Konsument bloßgestellt. Sind wir nicht alle übersättigte Medienjunkies, die so gut wie nichts mehr erschüttern kann? Folglich wirkt "The Last Horror Movie" auch nicht sonderlich gruselig. Es ist vielmehr die dargestellte Perversion und die brutale Vorgehensweise des Protagonisten, die schockiert. Julian Richards Pseudo-Doku erinnert an "American Psycho". Inhaltlich noch mehr an "Mann beißt Hund". Warum der bedeutungsschwangere Titel? Wenn es nach Max geht, ist "The Last Horror Movie" nämlich der letzte Horrorfilm, den man in seinem Leben zu Augen bekommt. Warum? Film anschauen. Dessen Finale ist des Rätsels Lösung.

The DescentThe Descent
Regie: Neil Marshall.
Mit Shauna Macdonald, MyAnna Buring, Natalie Jackson Mendoza.
06.01.2006 / DVD (OF)


[thedescentthemovie.co.uk]

The Last Horror MovieThe Last Horror Movie
Regie: Julian Richards.
Mit Kevin Howarth, Mark Stevenson, Jim Bywater.
DVD (OF)

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