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Wien, Gasometer: Alles in Rot, Schwarz und Weiß. Was soviel zu bedeuten hat, dass die White Stripes die ausverkaufte Halle rocken. Gewohnt brachial. Gewohnt famos.

Meg und Jack WhiteEs war ein wahrhaftig großes Konzert, an jenem früh-sommerlichen Freitagabend vor zwei Jahren. Definitiv das Beste, was es 2003 auf den Bühnen der Hauptstadt zu bestaunen gab. Die Rede ist vom ersten Wien-Gastspiel der White Stripes. Ein Gig der Tournee zum Megaseller "Elephant". Es herrschte reges Gedränge, damals am 30. Mai 2003 im großen Saal des WUK. Eine Location, an der es eigentlich nichts auszusetzen gibt. Außer die Tatsache, dass sie für dieses Event schlichtweg zu klein war. Noch dazu wurde an diesem Abend - unter welchen Beweggründen auch immer - das zulässige Fassungsvermögen der Halle mehr als nur überschritten. Dementsprechend kräfteraubend lief die ganze Sache dann auch ab. Egal ob vorne, hinten, links oder rechts: Körperkontakt ohne Ende. Da stand man hilflos in der Menge, taumelte nach Luft ringend und spürte wie einem der Schweiß an Brust, Bauch, Hintern und was weiß ich noch wo hinunterfloss. Doch nicht genug damit. Zuckte einer der Nachbarn mal aus - was bei einem Rock-Konzert durchaus legitim ist - und setzte unter ohnehin erschwerten Umständen zum Headbangen an, dann kam man auch noch in den Genuss einer äußerst zweifelhaften Dusche. G'schmackig.

Soviel zu den unvergesslichen Umständen dieses Abends. Das Konzert selbst war - wie bereits erwähnt - fulminant. Die "aufregendste Live-Band auf diesem Planeten" wurde ihrem Ruf vollauf gerecht. All jene, die nicht Zeuge dieses Spektakels werden konnten, für die gibt es inzwischen die Möglichkeit sich einen der Gigs der White Stripes im eigenen Wohnzimmer zu Gemüte zu führen. Auf deren letztjähriger DVD "Under Blackpool Lights". Ein Live-Dokument, wie man es sich von dieser Band vorstellt: Unscharfes Bild, verzerrte Aufnahmen, dazu diese unwiderstehliche Mischung aus Rock, Blues und Punk. Das sollte man gesehen haben. Auch als Nicht-Fan.

Sold Out ...Again.

Nun waren Meg und Jack White also vor kurzem ein zweites Mal in Wien. In den zweieinhalb Jahren seit ihrem Debut ist einiges passiert. Die Band ist noch beliebter und noch größer geworden und hat vor gar nicht allzu langer Zeit auch ein weiteres Album veröffentlicht. "Get Behind Me Satan" gehört wieder mal zum Besten in diesem Jahr. Und das nicht nur aufgrund des Albumtitels. Jedenfalls zeigen sich die White Stripes unverändert erfolgreich. Das merkt man auch bei ihrer aktuellen Welttournee. Allerorts ausverkaufte Säle. Egal ob in Brasilien oder Skandinavien. Auch die Tickets für ihr Wien-Konzert waren schnell Mangelware. Und das, obwohl man in einer vielfach größeren Halle als noch beim letzten Mal spielte.

Natürlich gab es auch diesmal einiges auszusetzen. Die alte Leier, wenn ein Konzert im Gasometer stattfindet. Ich würde es mal allumfassend als fehlender Charme bezeichnen, was mein Missfallen bei dieser Halle ausmacht. Dazu zähle ich aber nicht nur die in vielerlei Hinsicht zweifelhaften Räumlichkeiten, sondern auch den in den letzten Monaten aufkommenden Gebrauch, Konzertbesuchern ausschließlich über die seitlichen Tore Einlass zu gewähren. Noch dazu erst nach wiederholter Kontrolle der Tickets. Wäre jedenfalls erstrebenswert, wenn man in Zukunft bereits beim Abreißen der Karten darauf hingewiesen wird, diese stets griffbereit zu halten. Was passiert eigentlich, wenn man die Tickets nach der ersten - und allgemein üblichen einzigen - Kontrolle einfach bei nächstbester Möglichkeit wegschmeißt? Darf man dann im Vorraum zur Halle einzig Fanutensilien kaufen, ein Getränk konsumieren und sich dann wieder vertschüssen? Oder wird man gnadenhalber und unter Berücksichtung aller erdenklicher Sicherheitsvorkehrungen dann doch noch an den Ort des eigentlichen Geschehens gelassen? Wie auch immer, sehr merkwürdig, das alles.

To Fly With The Tourists.

Was einem an diesem Abend sofort ins Auge stach, war das optische Erscheinungsbild der Show. Natürlich alles in Rot, Schwarz und Weiß, den Lieblingsfarben der Band. Das betraf einerseits das Bühnenbild - bestehend aus Palmenblättern, einem flammenden Herz und einem überdimensionalen Apfel - und dem Outfit der Akteure. War die gute Meg hinter ihrem Schlagzeug eher denzent gekleidet, präsentierte sich Jack White als soetwas wie die Reinkarnation von Zorro. Inklusive enganliegender Kleidung, schwarzem Hut und dünnem Oberlippenbärtchen. Nicht zu vergessen die Roadies, allesamt im dunklen Anzug mit dazu passender Melone. Wenn das mal nicht die bestgekleidetsten Bühnenhelfer waren, die mir bislang zu Augen gekommen sind.

Okay, das darf man alles als sehr durchgestylt bezeichnen. Mehr als einen Schritt weiter als noch beim letzten Mal. Dazu noch die weitaus größere Halle. Das alles konnte natürlich bei weitem nicht an die Intimität des Auftritts im WUK heranreichen. Auch in Sachen Publikum hat sich einiges verändert. So wurde die eingesessene Fangemeinde diesmal mit einigen "Touristen" bereichert. Nicht weiter schlimm, nur anders. Die allgemein gute Stimmung bei einem White Stripes-Konzert hat dadurch nicht gelitten. Kein Wunder, präsentierten sich Meg und Jack im Live-Kontext doch ein weiteres Mal als Naturgewalt. Es wurde frenetisch abgerockt. Auf mitreißende Weise wechselte man zwischen laut und leise, hart und zart. Auf wunderbar primitive Kracher folgte großes Gefühl. Und umgekehrt. Abwechslungsreich und schräg zugleich. Größtenteil reduziert auf das Zusammenspiel von E-Gitarre und Drums. Hin und wieder bediente man sich aber auch einem Piano, einer Akustikklampfe, diversen Percussions oder einer Marimba. Was sich dabei nie veränderte, war diese ungemeine Wucht, die die White Stripes im Stande sind von der Bühne aus zu vermitteln. Meg und Jack treten zwar nur als Duo in Erscheinung, der Sound, den die Beiden gemeinsam hevorzaubern, sucht jedoch seinesgleichen. Immer noch. Auch wenn das erste Mal natürlich immer etwas besonderes bleiben wird.

White Stipes
22.10.2005 - Wien, Gasometer.


[whitestripes.com]

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