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Man nehme jede Menge Pop-Hits und verwandle sie in abgedriftete Lautstärke-Attacken. Ein durchwachsener Gig, den uns die Dandy Warhols bei ihrem Wien-Gastspiel da präsentierten.

Courtney Taylor-TaylorDie Dandy Warhols kommen aus Amerika. Genauer aus Portland, Oregon, wo sie Anfang der Neunziger von Frontmann Courtney Taylor-Taylor gegründet wurden. Der Bekannt- und Beliebtheitsgrad hält sich in ihrer Heimat allerdings in Grenzen. Zumindestens im Vergleich mit Europa. Dort sind die Dandy Warhols nämlich Stars. Nun ja, fast. Jedenfalls kennt man sie. Vor allem aufgrund ihres Über-Drüber-Hits "Bohemian Like You". Genau, das war der Song aus der Werbung, der vor vier Jahren allerorts rauf und runter gespielt wurde. Im Zuge dessen entwickelte sich sogar ein Jahr nach dessen Veröffentlichung das Album "Thirteen Tales From Urban Bohemia" (2000) noch zum großen Seller. Natürlich waren die Dandy Warhols von nun an "die Band aus der Werbung" und besiegelten damit den Ausverkauf ihrer Musik. Gleichzeitig sicherten sie sich aber auch soetwas wie eine Rente auf Lebenszeit. Was auch seine Vorteile hat. Denn fortan gab es keine Grenzen mehr. Egal ob der Achtziger-Synthie-Pop von "Welcome To The Monkey House" (2003) oder die ausschweifenden Sound-Exkursionen des neuen Albums "Odditorium Or Warlords Of Mars" (2005), die Dandy Warhols können inzwischen tun und lassen was sie wollen.

Ebenso sind ihnen seit "Bohemian Like You" volle Konzerthallen sicher. Den Song kennt (und mag) einfach jeder. Da stört es auch nicht, dass das hippieähnliche neue Werk nur spärlich mit passablen Kritiken gesegnet wurde. In den USA ging das gute Stück in diversen Reviews sogar richtiggehend unter. An diesem Abend in Wien schien das alles jedenfalls niemanden von einem Konzertbesuch in der Arena abgehalten zu haben. Alle waren sie gekommen: Indie-Jünger, Hitparaden-Junkies, in die Jahre gekommene Rock N’ Roller. Voll war sie, die große Halle der Arena. Und prompt flippten sie alle bei dieser einen Nummer aus. Doch auch sonst zeigte man sich merklich angetan. Hochmotiviert wurde mitgewippt, auch bei jenen Songs, wo es einem aufgrund des heruntergeschraubten Tempos eigentlich nicht wirklich leicht gefallen sein muss. Denn beim Großteil ihres 70 minütigen Sets ließen es die Dandy Warhols äußerst gemächlich angehen. Auch bei den "alten" Hits. Da wirkte selbst das eigentlich ausgelassene "Not If You Were The Last Junkie On Earth" irgendwie berauscht. Und das ohnehin schon verträumte "You Were The Last High" ging in diesem Rahmen gleich vollkommen unter. Nur gut, dass man wenigstens auf "Every Day Should Be A Holiday" verzichtete. Wäre wohl doch zu grotesk gewesen.

Cool As The Dandy Warhols.

Der Auftritt der Dandy Warhols an diesem Abend hinterließ bei mir jedenfalls einen ziemlich schalen Beigeschmack. Dabei hätte es durchaus interessant werden können. Die Vorzeichen sprachen dafür, indem man versuchte den Vibe des neuen Albums auf die gesamte Show auszuweiten. Nur leider haperte es an der Ausführung, wodurch sich vor allem bei den altbekannten Nummern der liebgewonnene Charme verabschiedete. Schade eigentlich. Waren es doch genau die typischen Pop-Songs der Dandy Warhols, die mir vor sieben, acht Jahren diese Band näher gebracht haben und bis zu diesem Jahr dafür sorgten, dass jedes ihrer Alben in meinem Plattenregal einen Platz fand.

Mit ein Grund warum ich unbedingt mal ein Live-Konzert von dieser Band sehen wollte. Ihr Auftritt als Support-Act von David Bowie vor zwei Jahren konnte man als solchen nicht durchgehen lassen. Zu groß die Halle. Zu schlecht der Sound. Zu desmotiviert die Band. Das konnte es doch unmöglich gewesen sein? Nun ja, vielleicht war es diesmal das falsche Konzert zum falschen Album. Vielleicht sind die Dandy Warhols in Wahrheit aber auch gar nicht (mehr) so cool, wie ich unlängst noch meinte. Wie auch immer. Die Band selbst scheint von ihrer Coolness jedenfalls immer noch überzeugt zu sein. Denn nach dem AC/DC-Cover "Hells Bells", was übrigens in seiner zugekifften Version perfekt zum Gesamtkonzept dieses Abends passte, machte man einfach Schluss. Zugaben gab es keine. Denn dafür sind die Dandy Warhols einfach zu cool. Zumindestens ihrer Meinung nach. Und bevor ich es vergesse: Kill The Trumpet-Player. Please.

Dandy Warhols
17.10.2005 - Wien, Arena.


[dandywarhols.com]

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